Schweinestau auf der Insel: Großbritanniens verzweifelte Suche nach Metzgern

London - Zu viel Schwein gehabt? Die Auswirkungen des Brexits setzen der britischen Industrie weiter zu. Da ausgebildete Schlachter fehlen, stauen sich die Schweine auf den Bauernhöfen. Eine Lockerung der Visa-Regeln soll Abhilfe schaffen.

Schweine auf einem Bauernhof in Staffordshire. Um den Stau auf Bauernhöfen zu lösen, sollen 1000 Visa für ausländische Schlachtmeister vergeben werden.
Schweine auf einem Bauernhof in Staffordshire. Um den Stau auf Bauernhöfen zu lösen, sollen 1000 Visa für ausländische Schlachtmeister vergeben werden.  © Joe Giddens/PA Wire/dpa

Die Massentierhaltung zeigt derzeit in England eine ihrer hässlichsten Seiten. Aufgrund fehlender Metzger können Schlachthöfe keine Schweine verarbeiten, aber auch auf den Bauernhöfen fehlt der Platz für die weitere Unterbringung der Tiere.

Deswegen droht nach Schätzungen des Schweinezüchterverbands National Pig Association rund 120.000 pinken Vierbeinern die Keulung.

Bisher sollen bereits 6000 gesunde Schweine getötet worden sein. Falls keine Lösung gefunden wird, müssen bald 10.000 Tiere pro Woche umgebracht und entsorgt werden, wie Sky berichtete.

Polizei findet verletzte Teenager auf Straße, von denen zwei sterben: Acht Festnahmen!
Großbritannien News Polizei findet verletzte Teenager auf Straße, von denen zwei sterben: Acht Festnahmen!

Deswegen möchte die britische Regierung nun 1000 Visa für ausländische Schlachtmeister freigeben. Seit dem Brexit herrschen auf der Insel strenge Regeln für die Einreise und die Erteilung einer Arbeitserlaubnis. Die Anforderungen sollen jedoch gelockert werden, um das Metzger-Problem zu lösen.

So seien die Politiker bereit, darauf zu verzichten, fortgeschrittene Englischkenntnisse zu verlangen. Das ergab ein Treffen zwischen den Landwirten, Vertretern der verarbeitenden Unternehmen und dem Lieferkettenberater der Regierung, Sir Dave Lewis (56).

Außerdem soll ein Notfall-Kühlungssystem eingeführt werden, damit die getöteten Tiere bis zur Ankunft der einreisenden Schlachter gelagert werden können.

Boris Johnson versucht zu beschwichtigen, Schweinebauern sind unzufrieden

Der britische Premierminister Boris Johnson (57) hat mit dem Fachkräftemangel und Versorgungsengpässen derzeit alle Hände voll zu tun.
Der britische Premierminister Boris Johnson (57) hat mit dem Fachkräftemangel und Versorgungsengpässen derzeit alle Hände voll zu tun.  © Ben Stansall/PA Wire/dpa

Die Bauernhofbetreiber sind unzufrieden mit den staatlichen Maßnahmen, die entweder zu uneffektiv sind oder deren Ausführung zu lang dauert. Neben Metzgern fehlen auch Lastwagenfahrer, wodurch zuletzt Supermarktregale und Zapfsäulen leer blieben.

Premierminister Boris Johnson (57) versuchte die bevorstehende Massen-Keulung zu Beginn des Monats runterzuspielen, da die Tiere sowieso getötet werden und es deshalb kaum einen Unterschied mache.

Man könne nicht einfach zum alten System zurückkehren und die unkontrollierte Immigration von Niedriglohnarbeitern erlauben, erklärte der 57-Jährige.

Große Oberweite und große Pläne: Nackte Klima-Aktivistin will Premierministerin werden
Großbritannien News Große Oberweite und große Pläne: Nackte Klima-Aktivistin will Premierministerin werden

Daher zieht sich der Visa-Prozess hin. Die Schlachter-Knappheit betrifft etwa 1400 Bauern, die für rund 90 Prozent des Schweinefleischangebots in Großbritannien sorgen. Der Fachkräftemangel könnte vor Weihnachten zahlreiche Engpässe schaffen, warnen Handelsexperten.

Titelfoto: Joe Giddens/PA Wire/dpa

Mehr zum Thema Großbritannien News: