Konsum-Kritik geht nach hinten los: Schredder-Werk jetzt Millionen wert

London - Es war die wohl spektakulärste Aktion in der an Spektakeln reichen Karriere von Banksy: Soeben für etwa 1,2 Millionen Euro versteigert, zerstörte sich sein Werk "Girl with Balloon" fast vollständig selbst. Nun soll es für wesentlich mehr Geld versteigert werden.

Das geschredderte Banksy-Werk erfreute sich großer Beliebtheit.
Das geschredderte Banksy-Werk erfreute sich großer Beliebtheit.  © DPA/ Sebastian Gollnow

Der sagenumrankte Künstler hatte unbemerkt einen Schredder in den Rahmen eingebaut. Die Aktion, die Banksy offenbar von langer Hand geplant hatte, schlug ein wie eine Bombe.

Nun kommt das Werk erneut unter den Hammer - in geschredderter Form, wohlgemerkt. Der Unterschied: Der Wert hat sich vervielfacht. Vier bis sechs Millionen Pfund will das Auktionshaus Sotheby's am Donnerstagabend erlösen, das sind bis zu sieben Millionen Euro.

Doch wie ist das zu erklären? Schließlich verfestigt sich der Gedanke, der Kunstmarkt eskaliere immer weiter - damit hätte der Brite Banksy, dessen wahre Identität noch immer unbekannt ist, das Gegenteil von dem ausgelöst, das er anscheinend bezweckt hatte.

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Der Schredder war nämlich als Kritik am Kunstmarkt gedacht, wie der laut Sotheby's 1974 geborene Street-Art-Künstler kurz nach der Aktion auf seinem Instagram-Account darstellte.

Doch stattdessen trug er zum Hype bei, benannte das Werk sogar um. "Love is in the Bin", heißt das teilweise zerstörte Bild nun offiziell. Die Liebe ist im Eimer.

Ein Werk des berühmten Grafitti-Künstlers Banksy an der Promenadenmauer am Strand nahe der ostenglischen Stadt Great Yarmouth.
Ein Werk des berühmten Grafitti-Künstlers Banksy an der Promenadenmauer am Strand nahe der ostenglischen Stadt Great Yarmouth.  © dpa/Banksy

Besitzerin des Schredder-Bilds vor riesigem Gewinn

Das Motiv ist weltweit bekannt: Ein Mädchen greift nach einem entschwebenden herzförmigen Ballon - oder hat ihn soeben losgelassen, die Deutungen gehen auseinander.

Erstmals tauchte das Motiv 2002 an einer Mauer in London auf, seitdem ist es in mehreren Versionen an Wänden weltweit erschienen und wurde als Druck zigfach reproduziert. 2017 wurde "Girl with Balloon" zum beliebtesten Kunstwerk in Großbritannien gewählt - im Oktober 2018 dann die Schredder-Aktion.

Vom Mädchen ist nur noch ein Teil des Kopfes zu sehen, der Ballon schwebt vor weißem Hintergrund. Der Rest des Werks schaut unten in feine Streifen geteilt aus dem Rahmen heraus. Bei Ausstellungen wollten Zehntausende das Bild sehen.

Auch die Kunstwelt war entzückt. Sotheby's feierte "Love is in the Bin" als "erstes Kunstwerk der Geschichte, das während einer Auktion live entstand", die Zeitung "Guardian" attestierte Banksy, es handle sich um sein "größtes Werk". "Was könnte mehr wert sein als ein Banksy? Ein geschredderter Banksy!", jubelte der "Daily Telegraph".

Die nicht namentlich bekannte europäische Sammlerin, die das ursprüngliche Bild für 1,04 Millionen Pfund ersteigert hatte, behielt es. Und macht nun voraussichtlich Kasse.

Titelfoto: DPA/ Sebastian Gollnow

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