Regierungskritiker Nawalnys Ärztin: "Stoffwechselstörung ist keine Diagnose"

Berlin/Moskau - Der bekannte russische Regierungskritiker Alexej Nawalny (44) soll wegen einer möglichen Vergiftung (TAG24 berichtete) in Deutschland behandelt werden. 

Alexej Nawalny (44), Oppositionsführer aus Russland, spricht bei einem Protest in Moskau.
Alexej Nawalny (44), Oppositionsführer aus Russland, spricht bei einem Protest in Moskau.  © dpa/AP/Pavel Golovkin

Ein Spezialflugzeug, das den 44-Jährigen aus dem russischen Omsk nach Berlin holen soll, war am frühen Freitagmorgen aus Deutschland gestartet, wie der Filmproduzent Jaka Bizilj der Deutschen Presse-Agentur sagte. 

Demnach befand sich auch ein Team von Medizinern an Bord der Maschine. 

Zuvor seien alle nötigen Genehmigungen zu einer Verlegung aus Russland erteilt worden. 

Nawalny könne noch am Freitag in Berlin ankommen, wo er in der Charité behandelt werden soll. Kosten für Flug und Behandlung würden von Privatleuten bezahlt, sagte Filmproduzent Bizilj.

Der Kremlkritiker war am Donnerstag zunächst in ein Krankenhaus in der sibirischen Großtadt Omsk gebracht worden und lag nach Angaben der Ärzte im Koma. 

Seine Sprecherin Kira Jarmysch war überzeugt, dass der Oppositionelle "absichtlich vergiftet wurde".

Zu Nawalnys Gesundheitszustand gab es zunächst keine klaren Angaben. Ein behandelnder Arzt sprach am Donnerstag von einem "ernsten, aber stabilen Zustand". Eine Vergiftung schloss er nicht aus. Nawalny wurde künstlich beatmet. 

Seine Sprecherin begründete eine Verlegung mit der nicht ausreichenden Ausstattung der Klinik und machte Sicherheitsbedenken geltend.

Update, 21. August, 14 Uhr: Nawalnys Ärztin "Stoffwechselstörung ist keine Diagnose"

Nawalnys Ärztin, Anastassija Wassiljewa, teilte im Kurznachrichtendienst Twitter mit, dass ein niedriger Blutzucker und eine Stoffwechselstörung keine Diagnose, sondern eine Zustandsbeschreibung seien. Nawalnys Blutzucker sei im normalen Bereich gewesen.

"Sie verkaufen uns wieder einmal für Idioten: sagen kluge allgemeine Worte, aber können nicht den Grund für das Koma und eine Diagnose erstellen", schrieb sie. 

Anastassija Wassiljewa (l), Nawalnys persönliche Ärztin, trifft im Omsker Ambulanzkrankenhaus Nr. 1 ein.
Anastassija Wassiljewa (l), Nawalnys persönliche Ärztin, trifft im Omsker Ambulanzkrankenhaus Nr. 1 ein.  © dpa/AP/Evgeniy Sofiychuk

Update, 21. August, 12.45 Uhr: Bundesregierung: Leben Nawalnys muss gerettet werden

Die Bundesregierung setzt sich weiterhin für eine bestmögliche medizinische Versorgung des möglicherweise vergifteten russischen Regimekritikers Alexey Nawalny ein. "Die wichtigste Priorität ist natürlich, dass das Leben von Herrn Nawalny gerettet werden kann und dass er genesen kann", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert (60) am Freitag in Berlin. 

"Wir wünschen, dass ihm jede medizinische Hilfe, die ihn hoffentlich retten kann, auch zukommt."

Aus dem Umfeld Nawalnys gebe es den Vorschlag, dass auch Ärzte seines Vertrauens einbezogen werden sollten, um zu klären, ob er transportfähig ist, sagte Seibert. "Das findet die Bundesregierung nachvollziehbar." Der schwere Verdacht einer Vergiftung stehe im Raum, so Seibert. "Die Umstände des Falles müssen vollständig und transparent aufgeklärt werden." Die Bundesregierung beobachte den Umgang in Russland mit Oppositionskräften sehr genau.

Update, 21. August, 12.43 Uhr: Ärzte entscheiden über Transport von Nawalny ins Ausland

Der Kreml stellt sich nach eigenen Angaben nicht gegen einen Transport des möglicherweise vergifteten russischen Oppositionellen Alexej Nawalny ins Ausland. "Das ist ausschließlich eine medizinische Angelegenheit", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag der Agentur Tass zufolge.

"Wahrscheinlich gibt es irgendwelche Formalitäten, die noch notwendig sind. Aber es gibt für niemanden irgendwelche Hindernisse. Das ist die Entscheidung des behandelnden Arztes."

Update, 21. August, 12.30 Uhr: Ärzte diagnostizieren Stoffwechselstörung bei Nawalny

Die behandelnden Ärzte des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny haben nach eigenen Angaben bei dem Putin-Kritiker eine Stoffwechselstörung diagnostiziert. 

Das sagte der Chefarzt Alexander Murachowski am Freitag in einem Krankenhaus der sibirischen Großstadt Omsk der Agentur Interfax zufolge.

Der Chefarzt sagte weiter, die Ärzte hätten einen chemischen Stoff an der Kleidung und der Haut von Nawalny gefunden. Das sei aber ein üblicher chemischer Stoff, der auch bei der Produktion von Plastikbechern eingesetzt werde. "Der wurde nicht im Blut, sondern an Nawalys Haut und der Kleidung entdeckt", sagte er.

Alexander Murachowski (M), Chefarzt des Ambulanzkrankenhauses Nr. 1, beantwortet die Fragen der Journalisten über den Gesundheitszustand von Alexej Nawalny.
Alexander Murachowski (M), Chefarzt des Ambulanzkrankenhauses Nr. 1, beantwortet die Fragen der Journalisten über den Gesundheitszustand von Alexej Nawalny.  © dpa/Tass/Yevgeny Sofiychuk

Update, 21. August, 11.57 Uhr: Berlins Regierungschef Müller zu Fall Nawalny: Charité steht bereit

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (55) hat medizinische Hilfe für den womöglich vergifteten russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny angeboten. "Wenn Herr Nawalny sich in Berlin behandeln lassen möchte und er nach Berlin kommen kann, steht die Charité selbstverständlich bereit", sagte der SPD-Politiker am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. 

Update, 21. August, 10.23 Uhr: Ärzte finden keine Spuren einer Vergiftung bei Nawalny

Die Ärzte des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny haben bislang nach eigenen Angaben keine Spuren einer möglichen Vergiftung gefunden. Im Blut und im Urin seien weder Gift noch Spuren davon nachgewiesen worden, sagte der Vize-Chefarzt Anatoli Kalinitschenko am Freitag in der sibirischen Großstadt Omsk der Agentur Interfax zufolge. 

"Wir gehen nicht davon aus, dass der Patient eine Vergiftung erlitten hat." Eine Diagnose hätten sie bereits gefunden, Nawalnys Frau und sein Bruder seien darüber informiert worden.

Die Frau des russischen Oppositionsaktivisten Alexej Nawalny, Julia (M), und sein Kollege Ivan Zhdanov, (l) kommen zur Intensivstation eines Krankenhauses, in das Alexej Nawalny eingeliefert wurde.
Die Frau des russischen Oppositionsaktivisten Alexej Nawalny, Julia (M), und sein Kollege Ivan Zhdanov, (l) kommen zur Intensivstation eines Krankenhauses, in das Alexej Nawalny eingeliefert wurde.  © dpa/AP/Elena Latypova

Update, 21. August, 8.40 Uhr: Polizei spricht von "tödlichem Mittel"

Im Organismus des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny ist nach Angaben seines Teams ein vermutlich "tödliches Mittel" gefunden worden. Die Polizei habe den Ärzten mitgeteilt, dass sie diesen gefährlichen Stoff gefunden hätten, sagte der Chef von Nawalnys Anti-Korruptions-Fonds, Iwan Schdanow, am Freitag in Omsk. 

Das Gift sei demnach nicht nur gefährlich für Nawalny, sondern auch für die Umgebung, weshalb das Tragen von Schutzanzügen angewiesen worden sei, sagte er. 

Nawalnys Team veröffentlichte den Auftritt Schdanows und der Frau des Politikers als Video. 

Wegen der laufenden Ermittlungen sei nicht mitgeteilt worden, um welchen Stoff es sich handele, sagte Schdanow. Unklar war, wo die Polizei das Mittel gefunden habe. Aber ein Polizist habe es dem Chefarzt auf seinem Mobiltelefon gezeigt.

Der 44-jährige Nawalny wird auf der Intensivstation eines Krankenhauses in der sibirischen Großstadt Omsk wegen Vergiftungsverdachts behandelt. Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch rief die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf, um den Transport ins Ausland zu erzwingen. 

Polizisten patrouillieren vor der Intensivstation eines Krankenhauses, in dem Oppositionspolitiker Nawalny behandelt wird.
Polizisten patrouillieren vor der Intensivstation eines Krankenhauses, in dem Oppositionspolitiker Nawalny behandelt wird.  © dpa/AP/Evgeniy Sofiychuk

Update, 21. August, 8.04 Uhr: Ärzte erlauben keine Verlegung ins Ausland

Der Gesundheitszustand des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny (44) auf der Intensivstation eines Krankenhauses in der sibirischen Großstadt Omsk erlaubt nach Einschätzung von russischen Ärzten keinen Transport. Das teilte Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch am Freitagmorgen beim Kurznachrichtendienst Twitter mit. Den Wunsch der Familie hielten die Mediziner für den Transport in ein ausländisches Krankenhaus nicht für entscheidend.

"Nawalnys Leben hängt jetzt von der Tatsache ab, dass der Chefarzt der Intensivstation sich weigert, Verantwortung zu übernehmen", schrieb seine Sprecherin bei Twitter. 

Titelfoto: dpa/AP/Evgeniy Sofiychuk

Mehr zum Thema Nachrichten aus aller Welt:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0