Yulin (China) - Im Vorfeld des grausamen Hundefleisch-Festivals in China haben Tierschützer mehrere Vierbeiner aus einem Schlachthaus retten können. Doch dieser kleine Teilerfolg birgt großes Potenzial, der Anfang vom Ende des Hundeelends in der Region zu sein.
Mitte Juni wird in der chinesischen Millionenstadt Yulin seit 2009 stets das kontroverse Hundefleisch-Festival zelebriert, für das jährlich wohl um die 10.000 Vierbeiner geschlachtet und verspeist werden.
Obwohl Hunde in China seit 2020 nicht mehr als Nutztiere gelten und der Verzehr von Hundefleisch damit eigentlich strafbar ist, verkaufen Händler zwischen dem 21. und 30. Juni dort weiterhin die Ekel-Delikatesse.
Für insgesamt neun Hunde geht es in diesem Jahr jedoch nicht zum Schlachter: Wie die Tierschutzorganisation "Human World of Animals" am Dienstag mitteilte, habe man gemeinsam mit Tierschützern vor Ort ein Hundeschlachthaus in Yulin dauerhaft geschlossen.
Unter den geretteten Fellnasen befanden sich nach Angaben der Tierschutzorganisation auch mehrere Hunde, die noch ein Halsband trugen - ein Indiz, dass sie gestohlen wurden.
In dem Schlachthaus des Grauens seien demnach seit 2007 über 15.000 Hunde auf brutale Weise zu Fleisch verarbeitet worden - mit einem Schlag auf den Kopf und einem anschließenden Schnitt durch die Kehle. Ein Großteil der Jahreseinnahmen sei dabei stets zum Hundefleisch-Festival erzielt worden.
Dass dieser Betrieb den Hunde-Mord nun aufgibt, liege dabei an dem neuen "Lebenswandel"-Programm, das "Human World of Animals" einberufen habe, um die Hunde-Schlächter bei der Suche nach einem neuen Job zu unterstützen.
"Human World of Animals": Tierschutzorganisation unterstützt Hunde-Töter bei Jobsuche
Auch der Betreiber des Schlachthauses, der während der Räumung seines Betriebs vor Ort gewesen sei, habe sich anschließend erleichtert darüber gezeigt, künftig keine Hunde mehr töten zu müssen.
"Ich freue mich auf ein friedliches Leben. Ich habe fast 20 Jahre lang Hunde getötet. Es ist ein schmutziges Geschäft und ich habe mich dabei nie gut gefühlt. Außerdem essen heutzutage weniger Menschen Hundefleisch, deshalb fällt es mir schwer, meine Familie zu ernähren. Ich bin erleichtert, das hinter mir zu lassen und einen stabileren Lebensunterhalt zu haben", sagte er laut Mitteilung der Tierschutzorganisation.
Er zeigte sich zudem zuversichtlich, dass sich weitere Hunde-Töter für einen Jobwechsel entscheiden würden, wenn sie dabei nur ausreichend unterstützt würden.
Bei ähnlichen Programmen in anderen asiatischen Ländern helfe "Human World of Animals" den Schlachtern etwa dabei, auf den Pilz- oder Chili-Anbau umzusteigen. Ob das Programm tatsächlich das Hundeelend in Yulin beenden kann, bleibt dagegen abzuwarten.
"Es ist unglaublich ermutigend zu sehen, dass diese Umstellung in Yulin stattfindet, das wohl berüchtigtste Zentrum für Hunde- und Katzenfleisch in China. Aber selbst hier ist die Unterstützung für den Handel gering und Händler*innen wollen aus familiären und finanziellen Gründen aus dem Geschäft aussteigen", sagte Julie Sanders, Direktorin der Kampagne für ein Ende des Hunde- und Katzenfleischhandels bei "Humane World for Animals".