Nach Polizei-Razzia: Russische Journalistin Irina Slawina zündet sich an

Nischni Nowgorod - Die russische Journalistin Irina Slawina wurde jahrelang vom Kreml überwacht und verfolgt. Am Freitag setzte sie sich aus Verzweiflung selbst in Brand.

Irina Slawina hat sich am vergangenen Freitag in Nischni Nowgorod selbst angezündet.
Irina Slawina hat sich am vergangenen Freitag in Nischni Nowgorod selbst angezündet.  © facebook.com/slavirina

Regierungskritiker werfen der russischen Führung seit Jahren immer wieder Einschüchterung und Drangsalierung vor.

Zuletzt gerieten Vladimir Putin (67) und seine Anhänger sogar in Verdacht, den Opositionellen Alexej Nawalny (44) vergiftet zu haben.

Auch Slawina, Chefredakteurin des Nachrichtenunternehmens Kosa Press, habe seit langer Zeit unter dem Druck der Regierung gestanden. "In den vergangenen Jahren war sie wegen ihrer Aktivitäten für die Opposition endlosen Verfolgungen durch die Behörden ausgesetzt", schrieb etwa der Politiker Dmitri Gudkow (40) auf Instagram.

Einen Tag vor ihrem Tod wurde ihre Wohnung von 12 Polizisten durchsucht, wie die Journalistin selbst auf Facebook mitteilte.

Dabei seien Notebooks, ihr Laptop und andere Elektronik sowie der Laptop ihrer Tochter und das Mobiltelefon ihres Mannes beschlagnahmt worden.

Kreml-Kritiker Alexej Nawalny macht Regierung schwere Vorwürfe

Einen Tag vorher wurde ihre Wohnung von Polizisten gestürmt.
Einen Tag vorher wurde ihre Wohnung von Polizisten gestürmt.  © facebook.com/slavirina

Außerdem sei nach Material der Oppositionsgruppe "Open Russia" gesucht worden, die von dem Kreml-Kritiker Michail Chodorkowsky (57) finanziert wird und von den Behörden wegen des Verdachts der Anstiftung zu Protesten für unerwünscht erklärt worden war.

Daraufhin konnte sie dem Druck offenbar nicht mehr standhalten und zündete sich vor einem Büro des Innenministeriums in der Stadt Nischni Nowgorod 400 Kilometer östlich von Moskau selbst an.

Auf ihrer Facebookseite schrieb Slawina zuvor: "Macht die russische Föderation für meinen Tod verantwortlich."

Die Behörden bestätigten später, dass ihr lebloser Körper mit schweren Verbrennungen gefunden worden war.

"Was für ein Albtraum. Die Regierung bricht die Menschen psychisch", twitterte Kreml-Kritiker Ilja Jaschin (37) nach Bekanntwerden von ihrem Ableben.

Auch Nawalny meldete sich zu Wort und forderte, nicht nur die Sicherheitskräfte in Nischni Nowgorod, sondern die Auftraggeber für die Schikanen innerhalb der russischen Regierung in Moskau zur Verantwortung zu ziehen.

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Titelfoto: facebook.com/slavirina

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