Nachbarn verweigern Deutschem Schweizer den Pass: Ihre Gründe klingen absurd

Neerach (Schweiz) - Seit 2002 lebt der 47-Jährige schon in der Schweizer Gemeinde. Doch als er sich nach fast zwanzig Jahren einbürgern lassen will, stimmen seine Nachbarn dagegen. Ihre Argumente erscheinen sehr abenteuerlich.

Um sich in der Schweiz einbürgern zu lassen, muss man vorab mehrere Tests ablegen. Diese fallen in jedem Kanton unterschiedlich aus. (Symbolbild)
Um sich in der Schweiz einbürgern zu lassen, muss man vorab mehrere Tests ablegen. Diese fallen in jedem Kanton unterschiedlich aus. (Symbolbild)  © 123rf/ Marlon Trottmann

Auf dem Papier sprach eigentlich nichts gegen seine Einbürgerung.

Er hatte alle Prüfungen bestanden und seine Grundkenntnisse der geografischen, historischen, politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in der Schweiz, im Kanton und in der Gemeinde unter Beweis gestellt.

Auch auf der Anhörung beim Gemeinderat im vergangenen Sommer lief alles bestens.

Der 47-Jährige konnte alle Mitglieder davon überzeugen, dass er sich "in Neerach zu Hause fühlt und dass nichts gegen die Eignung als Bürger spricht", berichtet der Tagesanzeiger.

Doch seine Nachbarn hatten ja auch noch ein Wörtchen mitzureden. Und bei denen hatte er sich in der Zwischenzeit offenbar nicht sonderlich beliebt gemacht.

Also legten sie Einspruch ein und behaupteten, der Deutsche habe sich als unangenehme Person erwiesen.

Bälle, die in seinem Garten landeten, waren plötzlich verschwunden. Auch habe er einmal die Polizei auf die Anwohner "gehetzt", nachdem Eier an seine Hauswand geworfen wurden. Und ein "Hallo" oder einen kurzen Plausch am Gartenzaun hätte es auch nie gegeben.

Schweizer Nachbarn sind gegen Deutschen, doch das Gericht lässt sich nicht überzeugen

Kurzum: Sowohl "die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben der Gesellschaft in der Schweiz" als auch "die Pflege des Kontakts zu Schweizerinnen und Schweizern" seien nicht erfüllt. Die Einbürgerung komme daher nicht infrage und müsse verschoben werden.

Der Gemeinderat ließ sich tatsächlich beeinflussen und lehnte den Antrag doch noch ab.

Das ließ sich der 47-Jährige wiederum nicht gefallen, zog vor Gericht und bekam Recht. Die Vorwürfe seien keine ausreichenden Gründe, um eine Einbürgerung zu verhindern, erklärte der Richter.

Neben der Schweizer Staatsbürgerschaft winkt dem Deutschen deswegen nun auch eine Entschädigungszahlung in Höhe von 2500 Franken (knapp 2282 Euro).

Dass missgünstige Nachbarn eine Einbürgerung in Neerach verhindern können, gehört nun ebenfalls der Vergangenheit an, denn in Zukunft entscheidet einzig und allein der Gemeinderat.

Titelfoto: 123rf/ Marlon Trottmann

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