Neuer Reggaeton-Song sorgt für Aufruhr: Journalistin fordert Gefängnis!

Medellín (Kolumbien) - Reggaeton-Lieder sind dafür bekannt, mit ihren sexuellen Texten sehr unterschiedliche Reaktionen hervorzurufen. Viele sind aber nun der Meinung, der kolumbianische Interpret J Balvin (36, "Qué Más Pues) sei zu weit gegangen.

J Balvin ein Macho, der auf Frauen herabschaut? Diesen Eindruck haben anscheinend viele, die sein neuestes Musikvideo angeschaut haben.
J Balvin ein Macho, der auf Frauen herabschaut? Diesen Eindruck haben anscheinend viele, die sein neuestes Musikvideo angeschaut haben.  © EPA/MARTA LOPEZ

Wer sich J Balvins neues Lied anhört, merkt, die Luft brennt, und das nicht nur wegen des markigen Rhythmus.

Der kolumbianische Sänger brachte die Welt in den vergangenen Jahren schon mit Hits wie "X", "In da Getto" oder "RITMO" zum Tanzen.

Diesmal singt er von einer "Perra", zu Deutsch "Hündin". Das klingt ja erstmal ganz süß, doch wer das Musikvideo ansieht, merkt, dass es nicht um die kuscheligen Haustiere geht.

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Denn das Wort hat in Kolumbien noch eine zweite Bedeutung: Auf der Straße verwendet es die Szene gerne auch als abwertende Bezeichnung für Prostituierte.

Passend dazu hält der Reggaeton-Star im Musikvideo zwei Hundeleinen in der Hand - angekettet sind schwarze Frauen.

Während die Frauen meist um den Sänger mit der Glatze und den derben Texten herum robben, steht er cool in der Mitte und schaut auf sie herab, die Menschen jubeln ihnen zu.

Dieses Bild passt manchen so gar nicht. In der vergangenen Woche häufte sich die negative Presse zum Song.

Der Vorwurf: Das Lied sei frauenfeindlich und rassistisch. J Balvin selbst meinte laut dem Instagram-Format Machiavelli dazu nur im September: "Meine Musik ist einfach sexy und greift Frauen in keiner Weise an." Die jüngsten Vorwürfe ließ der Interpret aus der pulsierenden Stadt Medellín unkommentiert - doch die negative Presse ebbt nicht ab.

Nun gingen die Kritiker sogar noch einen Schritt weiter: Aus kolumbianischen Kreisen wurde die Forderung laut, J Balvin solle dafür sogar einsitzen! Der spanischen Zeitung Semana sagte die Journalistin Florence Thomas dazu: "J Balvin soll ins Gefängnis!" Sie führt ihre Forderung aus: "Man muss dieses Video einfach verurteilen!"

J Balvin: Verurteilt wegen Sexismus - geht das überhaupt?

J Balvin führt gern Frauen an der Leine herum - zeigt er zumindest in seinem neuesten Video.
J Balvin führt gern Frauen an der Leine herum - zeigt er zumindest in seinem neuesten Video.  © screenshot youtube

In den Knast für ein Lied mit einem abwertenden Text - geht das überhaupt? Was das betrifft, ist sich die Kolumnistin nicht sicher.

"Ich weiß nicht, ob es den Raum gibt für eine Haftstrafe, aber ich glaube, leider nicht", meinte Thomas. Sie sei gegen das Lied, weil es alle Errungenschaften, die sich Frauen über Jahre erkämpft hätten, mit Füßen trete. "Ich habe noch nie so viel symbolische Gewalt gesehen", erzählte sie geschockt.

Wenn nicht in den Bunker, dann soll J Balvins unrühmliches Video ihrer Meinung nach dafür anders geahndet werden: "Er sollte Sozialstunden dafür bekommen", schlug Thomas vor.

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Das solle ihm die symbolische Gewalt vor Augen halten, die der Musiker und Produzent im Video zur Schau gibt. Der Sänger zeige damit nicht nur, was für ein Macho er sei, sondern es gehe gegen die Würde von Frauen.

Der 36-Jährige sang das Lied jedoch nicht allein: Auch in dem Video zu sehen ist die afrodominikanische Sängerin Tokischa (25), die derzeit einen Erfolg nach dem nächsten feiert. Auch sie schwieg zu der Kritik. Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass ihre, genauso wie J Balvins, Reggaeton-Lieder aufgrund der Texte ein schlechtes Echo bekommen.

Der Sänger Bad Bunny (27) stärkte in der Zeitung "el caribe" Tokischa jedoch den Rücken: Die junge Interpretin habe viel Potenzial und solle sich nicht um die negativen Kommentare in den sozialen Netzwerken kümmern. "Das ist so, weil die Leute, die die Lieder genießen, gar keine Zeit haben zu kommentieren", war der Künstler sich sicher.

Zumindest, was die Klicks auf YouTube angeht, sieht es für den Erfolg der beiden mit diesem Lied jedoch noch mau aus: Nur 160.000 Aufrufe nach einem Monat ist sehr wenig verglichen mit Reggaeton-Hits, die sonst Millionen Views zählen.

Titelfoto: EPA/MARTA LOPEZ

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