Recht auf Sterben: 34-jähriger Mann will nicht mehr Leben, oder etwa doch?

Großbritannien - Ein 34-jähriger Mann liegt sediert und mit einem künstlichen Darmausgang (Stoma) in einem britischen Krankenhaus. Zuvor hatte er gefordert: Schaltet die lebenserhaltenden Geräte ab, wenn ich ein Stoma benötige. Ein Gericht akzeptierte diese Entscheidung. Eine Gruppe Christen aber nicht.

Ein Patient wird operiert. (Symbolbild)
Ein Patient wird operiert. (Symbolbild)  © 123RF/Santiago Nunez Iniguez v

Vergangene Woche fiel das Urteil, berichtet die "Daily Mail" über den komplizierten Fall. 

Der Patient (34) darf sterben, weil er ein Leben mit künstlichem Darmausgang als nicht-lebenswert empfindet. Ein entsprechendes Dokument unterschrieb der Patient im Februar.

Die logische Konsequenz? Die lebenserhaltende Maßnahmen müssten, nach Wunsch des Patienten, abgeschaltet werden. 

Nicht aber, wenn sich der Fall doch ganz anders verhält.

Genau das behauptet die britische religiöse Gruppe "Christian Concern" und versucht - entgegen dem Urteil - das Leben des Patienten zu "retten" und den letzten Schritt des 34-Jährigen in Richtung Jenseits zu verhindern.

Die Gruppe geht nämlich davon aus, dass der Patient seine Meinung geändert hat und doch leben will! 

Christian Concern ist sich sicher

Wie die Christen auf diese Idee kommen? Ganz einfach: Er hat der Stoma-Operation im Mai doch zugestimmt! Das heißt für sie: Er wollte doch lieber mit künstlichen Darmausgang ein eingeschränktes Leben führen, als keines.

Andrea Williams, die Geschäftsführerin des religiösen Vereins, wird dazu wie folgt zitiert: "Es ist wichtig zu verstehen, dass der Patient seine Meinung geändert hat, als er schwer krank war. Jetzt befindet er sich in einem stark sedierten Zustand, wir können nicht wissen, was er will, wir wissen nur, dass sein letzter Wunsch war, zu leben."

Auf der Facebookseite der Organisation heißt es sogar: "Christian Concern fordert eine dringende Überprüfung beim Justizminister, nachdem ein Richter entschieden hat, dass ein Mann auf der Intensivstation zum Sterben zurückgelassen werden sollte, obwohl er zuletzt erklärt hatte, dass er die zum Leben notwendige Behandlung erhalten wolle."

Hat er also tatsächlich einen Sinneswandel durchlebt und sich umentschieden? Der verantwortliche Richter Hayden glaubt das nicht und geht davon aus, dass es sich bei dem im Februar unterschriebenen Dokument, um die wahren Wünsche des Patienten handelt. Er wollte, sollte ein Stoma nötig sein, sterben.

Fragen kann man ihn natürlich nicht. Das Krankenhaus, in dem der Patient liegt, äußerte sich nicht zu dem Fall. Ein Urteil steht noch aus.

Christian Concern

Die religiöse britische Gruppe "Christian Concern" setzt sich "leidenschaftlich dafür ein, die Liebe, Gerechtigkeit, Wahrheit, Freiheit und Hoffnung Jesu Christi in das Herz der Gesellschaft zu bringen", heißt es auf ihrer Website. Die organisierten Christen kämpfen für christliche/ethische Werte, wenn nötig, auch vor Gericht. "Das tun wir, indem wir sprechen und Einfluss nehmen, indem wir herausfordern und schützen und indem wir mobilisieren und ausrüsten."

Stoma

Bei einem Stoma handelt es sich um eine künstliche Verbindung zwischen Organ (Darm/Blase/Magen) und Körperoberfläche, die dafür sorgt das "Abfälle" des Körpers wie Urin (Urostoma) oder Kot (Enterostoma) künstlich abgeführt, oder Nährstoffe aufgenommen werden können (Gastrostoma). 

Titelfoto: 123RF/Santiago Nunez Iniguez

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