Putins Rache: Muss Eishockeyspieler Fedotow an die Front?

Sankt Petersburg (Russland) - Iwan Fedotov gilt als großes Eishockey-Talent. Der 25-Jährige stand kurz vor dem Wechsel in die NHL, der wohl besten Eishockeyliga der Welt. Die Vertragsdetails waren unter Dach und Fach.

Iwan Fedotow (25) stand bei den Olympischen Winterspielen von Peking im Tor der "Mannschaft des russischen olympischen Komitees". Am Ende wurde es eine Silber-Medaille.
Iwan Fedotow (25) stand bei den Olympischen Winterspielen von Peking im Tor der "Mannschaft des russischen olympischen Komitees". Am Ende wurde es eine Silber-Medaille.  © KIRILL KUDRYAVTSEV / AFP

Doch die Beteiligten haben die Rechnung ohne Putins Armee gemacht. Am 1. Juli wurde Iwan Fedotow in Moskau festgenommen, weil er sich um die Wehrpflicht gedrückt haben soll. Diese geht in Russland zwei Jahre und ist eigentlich obligatorisch für alle Männer unter 28. Ist der Weltklasse-Torhüter bald im Donbass statt im Stadion?

Im Februar stand Eishockey-Profi Iwan Fedotow (25, CSKA Moskau) bei den Olympischen Spielen für Russland noch im Tor. Damals gab es Olympia-Silber für die russische Mannschaft.

Und auch sonst lief es ganz gut für Fedotow. Schon in wenigen Wochen wäre es nach Amerika gegangen. Dort sollte der 25-Jährige für die Philadelphia Flyers aufs Eis. Eine Million Euro jährlich hätte ihm der lukrative Deal wohl gebracht. Außerdem hätte der junge Torhüter in der wohl besten Liga der Welt spielen können. Doch daraus wird nichts.

Russen kommen besoffen an die Front: Im Fernsehen sucht man nach Antworten
Russland News Russen kommen besoffen an die Front: Im Fernsehen sucht man nach Antworten

Am Freitag wurde Iwan Fedotow in Sankt Petersburg festgenommen, wie unter anderem Daily Mail berichtet.

Droht dem 25-Jährigen eine Haftstrafe?

Wollte in der NHL auflaufen, doch daraus wird nichts: Top-Torwart Fedotow muss wohl zur Armee
Wollte in der NHL auflaufen, doch daraus wird nichts: Top-Torwart Fedotow muss wohl zur Armee  © Instagram/Ivan Fedotov

Iwan Fedotow soll unmittelbar nach seiner Festnahme in eine Armee-Einrichtung verbracht worden sein, zur Musterung, wie es hieß.

Schon bald könnte der 25-jährige Eishockeyprofi eingezogen werden oder inhaftiert werden.

Sollte er eingezogen werden, drohen ihm zwei Jahre hartes Kasernen-Leben. Bislang setzt Putin bei seinem Überfall auf die Ukraine nur auf Berufssoldaten und Reservisten.

Nach 46 Einsätzen für die "Sbornaja": Russischer Ex-Nationalspieler muss in den Krieg!
Russland News Nach 46 Einsätzen für die "Sbornaja": Russischer Ex-Nationalspieler muss in den Krieg!

Wehrpflichtige werden nicht zum Dienst an die Front gezwungen.

Fedotow wurde 2022 mit CSKA Moskau KHL-Meister

Video: Iwan Fedotow bekommt noch vor Ort einen Medizin-Check der Armee

Eishockey ist in Russland Volksport, Putin weiß das

Wladimir Putin (69, weißes Trikot) nimmt regelmäßig an Eishockeyturnieren teil. Spötter sagen, dass er nur deswegen so viele Tore schießt, weil sich niemand traut, ihm den Puck wegzunehmen.
Wladimir Putin (69, weißes Trikot) nimmt regelmäßig an Eishockeyturnieren teil. Spötter sagen, dass er nur deswegen so viele Tore schießt, weil sich niemand traut, ihm den Puck wegzunehmen.  © Mikhail Klimentyev / SPUTNIK / AFP

Eishockey ist in Russland Volksport. Auch Wladimir Putin (69) ist bekennender Eishockeyfan.

Häufig tritt der Kreml-Despot selbst bei Turnieren an, die sein Team in der Regel auch zu gewinnen pflegt.

Viele Beobachter vermuten deshalb hinter der überraschenden Festnahme Putins Rache. Der Befehl zur Festnahme sei wohl direkt aus dem Kreml gekommen.

Nach der kruden Logik Putins seien einheimische Top-Talente besser in der Russenliga KHL aufgehoben.


Freundschaftsspiel: Team Putin gegen die Mannschaft von Alexander Lukaschenko (67, Links). Der Diktator von Belarus lässt solche Spiele gerne im Staatsfernsehen ausstrahlen.
Freundschaftsspiel: Team Putin gegen die Mannschaft von Alexander Lukaschenko (67, Links). Der Diktator von Belarus lässt solche Spiele gerne im Staatsfernsehen ausstrahlen.  © Alexander Zemlianichenko / POOL / AFP

Iwan Fedotow ist aktuell auf freiem Fuß, darf aber das Land nicht verlassen.

Seine Festnahme soll er mit den Worten: "Ich habe nicht gedacht, dass die UDSSR zurück ist", kommentiert haben.

Titelfoto: Montage: Ivan Fedotov, Mikhail Klimentyev / SPUTNIK / AFP

Mehr zum Thema Russland News: