"Lasst euch bitte nicht testen!" Angestellte sollen trotz Corona-Infektion zur Arbeit kommen

USA - "Wenn du jetzt nicht zur Arbeit kommst, müssen wir schließen!" Diesen Refrain hören in den USA inzwischen viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Deshalb werden sie oft gebeten, sich nach Kontakten mit Infizierten oder bei Symptomen nicht auf Corona testen zu lassen.

An einem Corona-Drive-Through-Teststellen macht eine Mitarbeiterin eine Abstrichprobe. Testangebote sind in den USA trotz der extrem hohen Infektionsraten oft schwer zugänglich und zum Teil sehr teuer.
An einem Corona-Drive-Through-Teststellen macht eine Mitarbeiterin eine Abstrichprobe. Testangebote sind in den USA trotz der extrem hohen Infektionsraten oft schwer zugänglich und zum Teil sehr teuer.  © --/XinHua/dpa

In den Vereinigten Staaten wütet die Corona-Pandemie heftiger als je zuvor. Anfang Januar setzte das Land einen weltweiten Rekord für fast eineinhalb Millionen Neuinfektionen binnen 24 Stunden.

Trotz dieser düsteren Zustände scheinen einige Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber diese Corona-Welle nicht ernst zu nehmen.

Einem Bericht der Teen Vogue zufolge werden Angestellte wohl häufig dazu aufgefordert, sich nach einem Kontakt zu Infizierten oder bei Corona-Symptomen nicht auf Corona testen zu lassen, damit sie weiterhin zur Arbeit erscheinen können.

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Berufe mit einem hohen Expositionsrisiko zum Virus scheinen besonders von diesen Forderungen betroffen zu sein. Dazu zählen unter anderem Personen im Einzelhandel und in der Servicebranche, Krankenhauspersonal und Lehrpersonal.

Zusätzlich zu der Bitte, sich nicht testen zu lassen, vertuschen Vorgesetzte wohl auch oft Corona-Fälle am Arbeitsplatz, um weitere Ausfälle wegen Quarantänen oder Testungen zu vermeiden. Mitarbeitende haben deswegen angefangen, sich gegenseitig über Krankheitsfälle zu informieren - ohne das Wissen ihrer Vorgesetzten.

Zustand des US-amerikanischen Gesundheitswesens und Arbeitsmarktes verschlimmern Umstände

Personal im Einzelhandel wird auch oft dazu aufgefordert, krank zur Arbeit zu kommen. Dies gefährdet nicht nur die Mitarbeitenden, sondern auch die große Anzahl and Kundinnen und Kunden, mit denen sie täglich zu tun haben.
Personal im Einzelhandel wird auch oft dazu aufgefordert, krank zur Arbeit zu kommen. Dies gefährdet nicht nur die Mitarbeitenden, sondern auch die große Anzahl and Kundinnen und Kunden, mit denen sie täglich zu tun haben.  © --/XinHua/dpa

In den USA treffen viele Druckfaktoren aufeinander, die Arbeitende förmlich dazu zwingen, im Zweifel auch krank den Arbeitsplatz aufzusuchen.

Prekäre Arbeitsverhältnisse, kein oder sehr wenig Anspruch auf bezahlte Krankentage und überteuerte Krankenversicherungen schaffen auch ohne Druck der Vorgesetzten ein System, in dem sich Corona am Arbeitsplatz nur schwer bekämpfen lässt.

Außerdem ist das Testangebot in den Staaten nur sehr dürftig ausgestattet. Teilweise müssen Menschen mehrere Stunden in dichten Schlangen warten und Hunderte Dollar für einen Test zahlen.

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Es gibt momentan keine Regelungen auf Bundesebene, die Arbeitnehmende bei Ausfällen wegen Corona schützen. Viele sind deswegen den Vorschriften ihres Arbeitgebers hilflos ausgeliefert, auch wenn diese sie in Gefahr bringen.

Eine 39-jährige Ärztin berichtete, dass Administratoren ihres Krankenhauses dem Personal verboten haben, das interne Testcenter zu benutzen. Diese Administratoren arbeiten momentan alle von zu Hause aus. "Viele von uns haben das Gefühl, wir werden komplett ausgenutzt, bis wir Corona bekommen", berichtete sie.

Oft werden Mitarbeitende gezwungen, nach fünf Tagen zurück zur Arbeit zu kommen, wenn sie kein Fieber haben. Ob sie andere Symptome haben oder sich krank fühlen, scheint egal zu sein. Die Ärztin sieht darin eine echte Gefahr: "Wenn Menschen krank sind, können sie sich nicht vernünftig um andere kümmern."

Titelfoto: --/XinHua/dpa

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