U-Boot-Mörder Madsen flüchtet aus Gefängnis und droht mit einer Bombe

Kopenhagen - Drei Jahre nach der Tötung der schwedischen Journalistin Kim Wall in einem U-Boot flieht der verurteilte Täter Peter Madsen in Dänemark aus der Haftanstalt. Er kommt jedoch nur wenige hundert Meter weit.

Der verurteilte Mörder Peter Madsen (49) schaffte es bei seinem Fluchtversuch nur bis zu einem Zaun unweit der Haftanstalt, aus der er entkommen wollte.
Der verurteilte Mörder Peter Madsen (49) schaffte es bei seinem Fluchtversuch nur bis zu einem Zaun unweit der Haftanstalt, aus der er entkommen wollte.  © Nils Meilvang/Ritzau Scanpix/AP/dpa

Der dänische Erfinder und verurteile Mörder Peter Madsen hat einen Fluchtversuch aus dem Gefängnis unternommen, ist aber offenkundig rasch gescheitert. 

Aufnahmen dänischer und anderer skandinavischer Medien zeigten am Dienstag einen Mann, der wenige hundert Meter von Madsens Haftanstalt entfernt vor einem Zaun sitzt, während ihn auf dem Boden liegende Polizisten mit gezogenen Waffen aus kurzer Distanz im Blick behalten.

Das Gebiet wurde weiträumig abgesperrt und ein Bus vor den Ort gefahren, um die Sicht zu versperren. Die Polizei schrieb zunächst lediglich auf Twitter, dass ein Mann nach einem Fluchtversuch in Albertslund westlich von Kopenhagen festgenommen worden sei.

In den Mittagsstunden ergänzte sie, dass er vom Ort der Festnahme weggefahren worden sei. Dem dänischen Rundfunksender DR hatte die Polizei zu diesem Zeitpunkt kurz zuvor bestätigt, dass es sich in der Tat um den 49-jährigen Madsen handelte.

Peter Madsen hatte 2017 die Journalistin Kim Wall umgebracht

Der Bereich um den Ort der Festnahme herum wurde weitläufig von der Polizei abgesperrt.
Der Bereich um den Ort der Festnahme herum wurde weitläufig von der Polizei abgesperrt.  © Nils Meilvang/Ritzau Scanpix/AP/dpa

Warum die Polizei Madsen zunächst nicht körperlich in Gewahrsam nahm, blieb unklar. Die Zeitung "Ekstra Bladet" und weitere dänische Medien berichteten, dass Bombenexperten vor Ort gewesen seien - Madsen sei mit der Drohung aus dem Gefängnis geflohen, eine Bombe oder einen pistolenähnlichen Gegenstand bei sich zu haben.

Madsen war 2018 wegen Mordes an der jungen Journalistin Kim Wall auf einem von ihm gebauten U-Boot zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Laut Urteil hatte er die 30-jährige Schwedin im August 2017 im Inneren des U-Boots getötet. 

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er sie mit sexuellem Motiv gefoltert und nach ihrem Tod zerstückelt über Bord geworfen hatte.

Madsen gestand den Mord nicht, räumte aber ein, dass Wall an Bord des U-Boots bei einem Unfall gestorben sei. Nach und nach änderte er seine Aussagen und erklärte schließlich, die Leiche zerstückelt und ins Wasser geworfen zu haben.

Journalistin wollte Reportage über den dänischen Erfinder schreiben

In diesem U-Boot von Peter Madsen kam Kim Walls 2017 ums Leben. (Archivbild)
In diesem U-Boot von Peter Madsen kam Kim Walls 2017 ums Leben. (Archivbild)  © Theresa Münch/dpa

Wall hatte geplant, eine Reportage über Madsen, sein U-Boot "Nautilus" und seine Raketenexperimente zu schreiben.

Zuletzt war sie am Abend des 10. Augusts 2017 gesehen worden, als sie an Bord des U-Boots den Hafen von Kopenhagen verlassen hatte. Leichenteile von ihr wurden später nahe der Køgebucht südlich der dänischen Hauptstadt gefunden.

Eine Fernsehdokumentation über Madsen sorgte in Dänemark zuletzt für Diskussionen. 

Er soll in einem heimlich aufgezeichneten Telefoninterview angeblich zum ersten Mal den Mord an Wall gestanden haben - von offizieller Seite blieb das unbestätigt.

Update, 16.33 Uhr: Madsen war nur fünf Minuten auf freiem Fuß

Der dänische Erfinder und verurteilte Mörder Peter Madsen hat sich nach Justizangaben mit Drohungen den Weg aus dem Gefängnis gebahnt. Er habe einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin bedroht, sagte die Leiterin der Haftanstalt Herstedvester, Hanne Høegh Rasmussen, am Dienstag auf einer Pressekonferenz im dänischen Albertslund.

Physisch sei keiner der Angestellten verletzt worden, psychisch sei die Situation für die Betroffenen aber sehr belastend. Viel mehr könne sie noch nicht sagen - außer dass Madsen wieder in Gewahrsam genommen worden sei.

Um welche Mitarbeiterin oder welchen Mitarbeiter der Anstalt es sich konkret handelte, ließ Høegh Rasmussen offen. Die dänische Boulevardzeitung "Ekstra Bladet" berichtete, Madsen habe eine Psychologin mit einem pistolenähnlichen Gegenstand bedroht.

Von solch einem Gegenstand sprach auch Polizeiermittler Mogens Lauridsen. Die Polizei glaube nicht, dass es sich um eine echte Waffe gehandelt habe. Madsen habe auch etwas am Körper getragen, das einem Bombengürtel geähnelt habe. Es gebe aber keine Anzeichen dafür, dass dieser wirklich Sprengstoff enthalten habe.

Madsen sei gefasst worden, als er in einen weißen Lieferwagen habe springen wollen. Es deute nichts darauf hin, dass der Fahrer den Ausbrecher gekannt habe. Glücklicherweise sei Madsen nur für einen relativ kurzen Zeitraum auf freiem Fuß gewesen: Um 10.21 Uhr habe die Haftanstalt den Ausbruch gemeldet, um 10.26 Uhr sei er gestoppt worden.

Titelfoto: Nils Meilvang/Ritzau Scanpix/AP/dpa

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