Wasserwerfer in Stellung gebracht: Proteste in Belarus gehen weiter

Minsk - Bei einer neuen großen Sonntagsdemonstration in Belarus (Weißrussland) hat es erneut viele Festnahmen gegeben. In der Hauptstadt Minsk gingen Sicherheitskräfte am Sonntagnachmittag immer wieder gegen friedliche Demonstranten vor.

Ein Demonstrant wird von Bereitschaftspolizisten in einen Gefangenentransporter gebracht.
Ein Demonstrant wird von Bereitschaftspolizisten in einen Gefangenentransporter gebracht.  © Ulf Mauder/dpa

Auch auf Videos und Bildern war zu sehen, wie die Uniformierten hauptsächlich Männer abführten. Nur vereinzelt waren es Frauen. Zu hören waren Schreie. Demonstranten riefen den Polizisten "Schande" entgegen.

Uniformierte versuchten mit Geländewagen, die an der vorderen Stoßstange hohe Metallgitter hatten, die Menschen im Zentrum zurückzudrängen. Zu sehen war auf Bildern, wie sich Frauen davor auf die Straße legten. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Auch Wasserwerfer wurden in Stellung gebracht.

Die Proteste verteilten sich wegen der Sperrung des Unabhängigkeitsplatzes im Zentrum der Hauptstadt diesmal auf verschiedene Stellen im Stadtzentrum. Immer wieder kesselten Uniformierte die Bürger ein.

Zehntausende Menschen beteiligten sich an dem Protest in Minsk - am 66. Geburtstag des autoritären Staatschefs Alexander Lukaschenko.

Wie viele Menschen festgenommen wurden, war zunächst unklar. Am frühen Nachmittag war in Berichten unabhängiger Medien zunächst von mehr als 30 die Rede. Einem Video zufolge kam es vor dem Gebäude des Geheimdienstes KGB zu einem Handgemenge zwischen Sicherheitskräften in Zivil und Demonstranten, als die Polizisten offenbar willkürlich Menschen festnehmen wollten.

Der Unabhängigkeitsplatz ist mit Metallgittern gesperrt und von Hundertschaften der Polizei umstellt.
Der Unabhängigkeitsplatz ist mit Metallgittern gesperrt und von Hundertschaften der Polizei umstellt.  © Ulf Mauder/dpa
Bereitschaftspolizisten stehen vor dem Gefangenentransporter.
Bereitschaftspolizisten stehen vor dem Gefangenentransporter.  © Ulf Mauder/dpa

Das Innenministerium warnte die Bürger davor, an der ungenehmigten Kundgebung teilzunehmen - und drohte mit Gewalt. Viele sagten, dass sie friedlich seien und keine Angst hätten. Die Demokratiebewegung hatte zum Protest aufgerufen.

An seinem Geburtstag solle Lukaschenko sehen, dass das Volk gegen ihn und seine Zeit an der Macht nach 26 Jahren abgelaufen sei, hieß es. Aktionen gab es auch in anderen Städten des Landes, darunter Brest und Grodno.

Titelfoto: Ulf Mauder/dpa

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