Wegen Corona droht zusätzlich fast 180.000 Kleinkindern der Hungertod

Genf - Vor der Pandemie gab es bereits schätzungsweise 47 Millionen unterernährte Kinder auf der Welt. Im Corona-Jahr könnten laut einer Studie 6,7 Millionen dazukommen und Hunderttausende davon sterben.

Im Gesundheitszentrum in Gao (Mali) wird der Armumfang eines 16 Monate alten und schwer unterernährten Jungen vermessen. (Archivbild)
Im Gesundheitszentrum in Gao (Mali) wird der Armumfang eines 16 Monate alten und schwer unterernährten Jungen vermessen. (Archivbild)  © Dicko/Unicef/dpa

Durch die verheerenden Folgen der Coronavirus-Pandemie drohen in diesem Jahr nach einer Studie fast 180.000 Kinder unter fünf Jahren zusätzlich zu verhungern.

Das berichten Derek Headey vom US-Entwicklungspolitik-Institut IFPRI und Kollegen am Dienstag in der Fachzeitschrift "The Lancet". 

Die Wissenschaftler haben verschiedene Szenarien analysiert und gehen im günstigsten Fall von 111.000 zusätzlichen Todesfällen bei Kindern unter fünf Jahren aus, im schlimmsten Fall von 178.000.

Die Zahlen könnten auch noch höher liegen, warnen die Autorinnen und Autoren, weil noch niemand wisse, wie lange sich die Krise hinzieht.

Die Gesundheit der Kinder sei auch dadurch bedroht, dass wichtige Gesundheitsdienste wegen der Pandemie nicht funktionieren. Dazu gehören etwa die Behandlung kranker Kinder und Impfungen.

Ein sieben Monate altes und unterernährte Mädchen wird im Jemen von Ärzten untersucht. (Archivbild)
Ein sieben Monate altes und unterernährte Mädchen wird im Jemen von Ärzten untersucht. (Archivbild)  © Issa Al-Rajhi/AP/dpa

Mehr als die Hälfte aller unterernährten Kinder leben in Südasien

Vor der Corona-Krise seien nach Schätzungen 47 Millionen Kinder unter fünf Jahren mittel bis schwer unterernährt gewesen, heißt es. 

Durch Ausgangsbeschränkungen und Wirtschaftseinbrüche würden 140 Millionen Menschen zusätzlich in extreme Armut getrieben. Sie müssen am Tag pro Person mit weniger als 1,90 Dollar auskommen. 

Daraus ergebe sich, dass durch die Pandemie in diesem Jahr voraussichtlich 6,7 Millionen Kinder zusätzlich unterernährt sind. Gut die Hälfte (57,6 Prozent) lebe in Südasien, 21,8 Prozent in Afrika südlich der Sahara.

2 Milliarden Euro gefordert, um Kinder vor "schlimmsten Folgen" zu retten

Eine Frau hält ihren unterernährten Jungen im Al Sabeen Krankenhaus in Sanaa, der Hauptstadt Jemens, im Arm. (Archivbild)
Eine Frau hält ihren unterernährten Jungen im Al Sabeen Krankenhaus in Sanaa, der Hauptstadt Jemens, im Arm. (Archivbild)  © Hani Mohammed/AP/dpa

Kleine Kinder seien die größten Leidtragenden der Krise, schreiben die Spitzen von vier UN-Organisationen in einem Kommentar zu der Studie. 

"Millionen Kinder laufen Gefahr, nicht zu bekommen was sie brauchen, um zu überleben und aufzublühen", schreiben sie. Es seien umgehend mindestens 2,4 Milliarden Dollar (rund zwei Milliarden Euro) nötig, um diese Kinder vor den schlimmsten Folgen zu schützen. 

Mit dem Geld müssten unterernährte Kinder behandelt und Mangelernährung ergänzt und zusätzlich Vitamin A ausgegeben werden. Ebenso wollen die UN-Organisationen damit neue Aufklärungskampagnen über den Nutzen des Stillens in den ersten beiden Lebensjahren finanzieren.

Unterzeichner sind die Spitzen der UN-Organisationen für Kinder (Unicef), Henrietta Fore, für Agrar und Nahrung (FAO), Qu Dongyu, für Ernährung (WFP), David Beasley, sowie Gesundheit (WHO) Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Titelfoto: Dicko/Unicef/dpa

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