Kleine Melina: Mediziner warnen vor Wettbewerb um Rekord-Frühchen

Fulda - Nach der Geburt eines der weltweit jüngsten Frühchen hat eine wissenschaftliche Fachgesellschaft vor einem zweifelhaften Wettbewerb von Medizinern und Kliniken gewarnt.

Ein zu klein und zu früh geborenes Kind wird in einem Inkubator betreut.
Ein zu klein und zu früh geborenes Kind wird in einem Inkubator betreut.  © dpa/ZB/Waltraud Grubitzsch

"Ich halte nichts von der Diskussion um Rekord-Frühchen", sagte die Präsidentin der Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin, Ursula Felderhoff-Müser.

Die Professorin am Uni-Klinikum Essen erklärte: "Die Leistung ist nicht nur, dass die extrem unreif geborenen Kinder überleben, sondern auch wie danach die Lebensqualität ist. Bei vielen sehr jungen Frühchen werden erst im Laufe der Zeit die Folge-Schäden sichtbar. Es sollte kein Wettlauf entstehen, wer die jüngsten Frühchen überleben lässt."

Das Klinikum Fulda berichtete am Donnerstag im Detail, wie Ärzte der kleinen Melina nach einer Not-Geburt daheim das Leben retteten (TAG24 berichtete).

Das Mädchen kam am 5. März 2019 nach der extrem kurzen Schwangerschaft von 21 Wochen und vier Tagen zur Welt - normal sind 40 Wochen.

Es gilt damit neben einem Frühchen, das 2014 in den USA entbunden wurde, als jüngstes Frühchen der Welt, wie das Klinikum berichtete. Vor kurzem wurde Melina nach gut 13 Monaten im Krankenhaus entlassen.

Reinald Repp, der Leiter der Fuldaer Kinderklinik (li.) und die kleine Melina im April 2020.
Reinald Repp, der Leiter der Fuldaer Kinderklinik (li.) und die kleine Melina im April 2020.  © Bild-Montage: dpa/Jörn Perske, dpa/Klinikum Fulda

Melinas Zwillingsbruder starb noch am ersten Tag

Der Vorstandssprecher des Klinikums Fulda, Thomas Menzel, sagte, es gehe nicht um einen Wettkampf oder eine Tabelle, wer das jüngste Frühchen behandelt habe.

Der Leiter der Fuldaer Kinderklinik, Reinald Repp, betonte, man habe nicht gewusst, wie alt die Kinder waren, als sie mit dem Notarzt-Wagen eingeliefert wurden. Melina Zwillingsbruder starb noch am ersten Tag.

Mit Blick auf die Behandlungs-Erfolge der vergangenen Jahre hätten sie im Klinikum aber Zuversicht gehabt Melina zu behandeln: "Wir versuchen, die medizinischen Möglichkeiten mit dem Mut, sich zum Leben zu bekennen, zu verbinden."

Titelfoto: dpa/ZB/Waltraud Grubitzsch

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