Expertin warnt nach tödlichen Badeunfällen: "Kinder ertrinken lautlos in 90 Sekunden"

Düsseldorf – Nach zuletzt mehreren teils tödlichen Badeunfällen warnt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft nachdrücklich davor, jüngere Kinder unbeaufsichtigt schwimmen zu lassen.

Taucher haben im Rhein bei Duisburg eine 17-Jährige nach einem Badeunfall aus dem Wasser gezogen. Die Jugendliche starb im Krankenhaus.
Taucher haben im Rhein bei Duisburg eine 17-Jährige nach einem Badeunfall aus dem Wasser gezogen. Die Jugendliche starb im Krankenhaus.  © Roberto Pfeil/dpa

"Kinder ertrinken in 30 bis 90 Sekunden", sagte die Sprecherin der DLRG-Nordrhein, Maike Waschnewski.

Sie verfielen dabei typischerweise in eine Schockstarre, überstreckten den Hals und schnappten nach oben nach Luft. Dabei verschlössen sich die Stimmritzen, sodass die Kinder nicht einmal um Hilfe rufen könnten. "Kinder ertrinken sehr schnell und lautlos."

Kinderschwimmreifen oder Schwimmärmchen böten keine zuverlässige Hilfe.

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Erst am Mittwoch war eine 17-Jährige bei einem Badeunfall im Rhein gestorben. Das Baden in dem Fluss sei wegen der extrem starken Strömungen und der hohen Bug- und Heckwelle der Frachtschiffe schon für schwimmerfahrene Erwachsene lebensgefährlich, für Kinder sei es "ziemlich tödlich", sagte Waschnewski.

Trotz aller Appelle werde dennoch im Fluss geschwommen. Ein Verbot lasse sich kaum durchsetzen. "Wir können nicht den ganzen Fluss einzäunen."

DLRG-Sprecherin besorgt: "Wir haben ein Riesenloch an Nichtschwimmern"

Laut einer Sprecherin der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) gibt es wegen der Corona-Pandemie überdurchschnittlich viele Nichtschwimmer.
Laut einer Sprecherin der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) gibt es wegen der Corona-Pandemie überdurchschnittlich viele Nichtschwimmer.  © Roberto Pfeil/dpa

Die Schwimmausbildung von Kindern und Erwachsenen lasse sehr zu wünschen übrig, klagte die DLRG-Sprecherin. Viele Kommunen hätten über Jahre an Bädern und überwachten Wasserflächen gespart.

Die weniger gewordenen Schwimmbäder lägen für viele Schulen zu weit entfernt, um Grundschulkindern in der knappen Zeit tatsächlich das Schwimmen beizubringen. "Wir haben ein Riesenloch an Nichtschwimmern."

Die Corona-Pandemie habe das Problem verschärft, sagte die Sprecherin. Viele Menschen, die jetzt ins Wasser gingen, hätten wegen der Lockdowns ein bis zwei Jahre das Schwimmen nicht mehr geübt.

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Öffentliche Schwimmbäder böten immer noch vielfach nur begrenzte Öffnungszeiten. Die Menschen nutzten deshalb unbewachte und oft auch kostenlose Angebote, vergäßen ihren Trainingsrückstand und überschätzten sich im Wasser.

Titelfoto: Roberto Pfeil/dpa

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