Ermittler jagen Serientäter nach Bombensendung an Lidl, Capri Sonne und Hipp

Heidelberg/München - Nach Explosionen von Postsendungen in der Lidl-Zentrale und bei einem Getränkehersteller in Baden-Württemberg läuft die Suche nach dem Serientäter.

Berichten zufolge sollte eine weitere Paketbombe an den Babynahrungshersteller Hipp in Bayern gehen.
Berichten zufolge sollte eine weitere Paketbombe an den Babynahrungshersteller Hipp in Bayern gehen.  © Armin Weigel/dpa

Wer hinter den explosiven Sendungen steckt, sei noch ebenso unklar wie das Motiv, sagte am Freitagmorgen ein LKA-Sprecher auf Anfrage.

Nachdem auch in München ein verdächtiges Paket entdeckt wurde, gehen die Ermittler von einem Zusammenhang aus.

Das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg und die Staatsanwaltschaft Heidelberg haben die Ermittlungen übernommen.

Alle Sendungen waren an Lebensmittelunternehmen adressiert: Am Dienstag hatte ein Mitarbeiter eines Getränkeherstellers ADM Wild (produziert unter anderem Capri-Sonne) in Eppelheim (Rhein-Neckar-Kreis) ein Knalltrauma erlitten, als er in der Warenannahme ein Paket angenommen hatte.

Drei Verletzte gab es am Mittwoch, als es beim Öffnen eines Briefes in der Lidl-Zentrale in Neckarsulm (Landkreis Heilbronn) zu einer Explosion kam.

Paketbombe am Münchner Flughafen entschärft

Noch rechtzeitig entschärft werden konnte in der Nacht zum Donnerstag eine Postsendung in einem Paketverteilzentrum beim Flughafen München. Die Sendung war an ein Lebensmittelunternehmen in Bayern adressiert. Informationen der Bild-Zeitung zufolge war das Paket an den Babynahrungshersteller Hipp adressiert.

Dabei sollen die Ermittler aus Baden-Württemberg den konkreten Hinweis zur Briefbombe gegeben haben, sodass die Spezialisten des bayerischen Landeskriminalamts die Sprengladung rechtzeitig entschärfen konnten.

Eine am Donnerstag eingerichtete Sonderkommission des Landeskriminalamts sowie der Polizeipräsidien Heilbronn, Mannheim und Ulm mit über 100 Beamtinnen und Beamten ermittelt auf Hochtouren.

Update 11 Uhr: Babynahrungshersteller Hipp als Ziel von Bombe bestätigt

Nach zwei Lebensmittelfirmen im Südwesten ist auch der bayerische Babynahrungshersteller Hipp Ziel einer explosiven Postsendung gewesen. Eine entsprechende Information der Bild-Zeitung wurde der dpa aus Ermittlerkreisen bestätigt.

Die Sendung war in der Nacht zum Donnerstag an einem Postverteilzentrum am Münchner Flughafen identifiziert worden. Offenbar war sie gemeinsam mit dem Brief und dem Paket für den Getränkehersteller in Eppelheim und die Lidl-Zentrale in Neckarsulm an einer Postannahmestelle abgegeben worden.

Update 12 Uhr: Landespolizeipräsidentin geht von Serientäter bei Postsendungen aus

Ein Kriminaltechniker bringt einen Plastikbeutel zum Wagen. Bei einer Explosion in einem Verwaltungsgebäude von Lidl sind am Mittwoch drei Personen verletzt worden.
Ein Kriminaltechniker bringt einen Plastikbeutel zum Wagen. Bei einer Explosion in einem Verwaltungsgebäude von Lidl sind am Mittwoch drei Personen verletzt worden.  © Sebastian Gollnow/dpa

Nach Explosionen von Postsendungen in der Lidl-Zentrale und bei einem Getränkehersteller in Baden-Württemberg sowie einem verdächtigen Fund in Bayern geht die Polizei von einer Serientat aus.

"Es ist ein Zusammenhang anzunehmen zwischen diesen drei Päckchen", sagte die baden-württembergische Landespolizeipräsidentin Stefanie Hinz am Freitag in Stuttgart.

Details zu möglichen Verdächtigen, Bekennerschreiben oder weiteren Ermittlungen machte sie nicht.

Auch Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) zeigte sich überzeugt: "Ich habe schon nach dem zweiten Fall eine Vermutung gehabt und habe sie nach dem dritten Fall auch", sagte er.

Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren.

Update 12.15 Uhr: Lebensmittelverband warnt Mitglieder nach Explosionen

Der abgesperrte Haupteingang der Lidl Zentrale in Neckarsulm. Im Lidl Verwaltungsgebäude ist am Mittwochnachmittag eine Briefbombe explodiert.
Der abgesperrte Haupteingang der Lidl Zentrale in Neckarsulm. Im Lidl Verwaltungsgebäude ist am Mittwochnachmittag eine Briefbombe explodiert.  © Christoph Schmidt/dpa

Nach zwei Explosionen von Postsendungen und einer entschärften Postsendung an Firmen der Lebensmittelbranche ruft der Branchenverband seine Mitglieder zu erhöhter Wachsamkeit auf.

"Wir haben sie informiert, auf was bei der Paketannahme geachtet werden muss", sagte ein Sprecher des Lebensmittelverbands der Deutschen Presse-Agentur.

Die Poststellen sollen Sendungen aussortieren, wenn sie keinen bekannten Absender haben, Unebenheiten aufweisen oder ungewöhnlich schwer sind.

Die Branche sei sehr emotionaler Kritik ausgesetzt, der an Hass grenze. Dieser äußere sich in sozialen Medien, E-Mails oder Drohanrufen. Da werde auf die Lebensmittelindustrie "eingedroschen". Das sei in dieser Woche wieder sehr akut gewesen.

Aber man vertraue auf die Ermittlungsarbeit der Polizei. "In der Vergangenheit wurden Briefbombenattentäter fast immer dingfest gefasst", so der Verband.

Er vertritt die Interessen von etwa 500 Mitgliedern vom Erzeuger über den Handel bis hin zu Gastronomie und Transportfirmen.

Titelfoto: Armin Weigel/dpa

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