Beschlossene Sache! Trotzdem gibt's eine heftige Diskussion um Kinderimpfungen

Berlin - Knatsch, wo man hinschaut: Die Entscheidung der Gesundheitsminister von Bund und Ländern, Corona-Impfungen künftig auch für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren anbieten zu wollen, hat heftige Diskussionen ausgelöst.

In Estlands zweitgrößter Stadt Tartu hat die Hälfte der Teenager schon ihre erste Impfung erhalten. Auch Gloria Raudjarv (13) - neben ihr im Impfzentrum steht Vater Ivo.
In Estlands zweitgrößter Stadt Tartu hat die Hälfte der Teenager schon ihre erste Impfung erhalten. Auch Gloria Raudjarv (13) - neben ihr im Impfzentrum steht Vater Ivo.  © dpa/AP/Raul Mee

Während Mediziner und Experten den Schritt wechselseitig loben oder verteufeln, betont Minister Jens Spahn (41, CDU): "Die Impfung bleibt freiwillig."

Einen Widerspruch zum Weg der Ständigen Impfkommission (Stiko), Impfungen in der Altersgruppe von zwölf bis 17 Jahren mangels Daten zunächst nicht uneingeschränkt zu empfehlen, sieht Spahn nicht.

"Das ist durchaus im Einklang mit der Stiko. (...) Wer will, kann sich impfen lassen, keiner muss. Das ist kein Gegensatz, sondern wir sind da im Einklang miteinander, das finde ich noch einmal wichtig", so der Gesundheitsminister im rbb Inforadio.

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Auch gehe es "ausdrücklich" nicht darum, Druck auf Kinder und Jugendliche auszuüben, sondern ihnen die Möglichkeit einer Impfung zu bieten.

"Es sind schon über 900.000 Kinder und Jugendliche von zwölf bis 17 Jahren, das sind etwa 20 Prozent dieser Altersgruppe, mindestens einmal geimpft, auf eigenen Wunsch."

Doch sehen nicht alle den Beschluss der Gesundheitsminister so entspannt.

Lauterbach und Spahn zufrieden mit Minister-Entscheidung, Kritik von Ärzteverbänden

Gesundheitsminister Jens Spahn (41, CDU) ist vom Vorgehen der Regierung überzeugt.
Gesundheitsminister Jens Spahn (41, CDU) ist vom Vorgehen der Regierung überzeugt.  © dpa/Reuters Pool/Annegret Hilse

Während SPD-Mann Karl Lauterbach (58) diesen noch als "richtig und sehr wertvoll" bezeichnete, warf Ulrich Weigeldt, Chef des Deutschen Hausärzteverbands, den Beteiligten gegenüber dem RND "Wahlkampfgetöse" vor.

Thomas Fischbach vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte knöpfte sich in der Rheinischen Post die Stiko vor und forderte von ihr eine "zeitnahe Neubewertung" der Situation.

Daten aus anderen Ländern würden zeigen, dass die Risiken bei der Impfung sehr gering seien.

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Von Kritik an der Impfkommission wollte Weigeldt wiederum nichts wissen. "Diese Diskussion unter Missachtung der Kompetenz der Ständigen Impfkommission kann eher zur Verunsicherung führen, als dass sie der Impfkampagne hilft", sagte er.

Und weiter: "Warum eine Empfehlung der Stiko dazu zunächst nicht abgewartet werden kann, die sich auf Basis von fundierten Studien zeitnah äußern will, ist mir schleierhaft."

Titelfoto: Montage: dpa/AP/Raul Mee, dpa/Reuters Pool/Annegret Hilse

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