Impfstoff-Pleite: Wird die Wirksamkeit von Curevac doch noch besser?

Tübingen/Berlin - Nach dem Rückschlag für den Corona-Impfstoff von Curevac dämpft ein Experte die Hoffnung auf eine deutliche Zunahme der Wirksamkeit im weiteren Studienverlauf.

Ein Cuevac-Beschäftigter bei der Arbeit.
Ein Cuevac-Beschäftigter bei der Arbeit.  © Sebastian Gollnow/dpa

Nach der Zwischenauswertung könne die Effizienz eines Impfstoffes bis zur finalen Zulassung noch um wenige Prozent steigen, sagte ein Sprecher des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa). "Eine enorme Zunahme ist aber nicht zu erwarten."

Curevac hatte am Mittwochabend bekannt gegeben, der Impfstoff zeige bei einer Zwischenauswertung eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent gegen eine Covid-19-Erkrankung "jeglichen Schweregrades".

Andere in der EU zugelassene Impfstoffe sind deutlich effizienter. So liegt die Wirksamkeit etwa beim Impfstoff von Biontech/Pfizer laut Studien bei mehr als 90 Prozent.

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Die geringe Effizienz des Curevac-Impfstoffs könnte unmittelbare Folgen für die Zulassung haben. Ein Impfstoff mit einer Wirksamkeit von 47 Prozent sei in der EU nicht zulassungsfähig, sagte der Sprecher. Das Mindestmaß seien 50 Prozent.

Der Curevac-Impfstoff durchläuft derzeit ein beschleunigtes Prüfverfahren bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA).

Auf die Impfkampagne in der EU dürfte der Rückschlag bei Curevacs Impfstoff aus Sicht des Experten aber keine großen Auswirkungen haben.

Hoffnungen auf zweite Impfstoff-Generation

Die Curevac-Zentrale in Tübingen am Donnerstag.
Die Curevac-Zentrale in Tübingen am Donnerstag.  © Bernd Weissbrod/dpa

Es gebe bereits mehrere zugelassene Corona-Impfstoffe, die deutlich wirksamer seien, sagte der Sprecher. Zudem seien bereits mehrere weitere Impfstoffkandidaten in fortgeschrittenen Studienphasen.

Ein Rückschlag wie bei Curevac sei nicht ungewöhnlich und könne in jeder Studienphase geschehen. "Dass ein Impfstoff alle Studienphasen ohne größere Probleme durchläuft, ist die große Ausnahme."

Die schnelle Zulassung gleich mehrerer Corona-Impfstoffe im Laufe des vergangenen Jahres bezeichnete der Experte als "das ganz große Glück".

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Hoffnung setzt der Sprecher nun vor allem auf die zweite Generation des Curevac-Impfstoffkandidaten. Diese verfüge über eine grundlegende Veränderung im Aufbau des Präparats.

Sollte sich dieser Impfstoff bewähren, wäre Curevac bei der künftigen Impfstoffversorgung sicher dabei, so der Sprecher.

Update 16.32 Uhr: Börsenwert stürzt ab

Der Börsenwert der Tübinger Biotechfirma Curevac ist am Donnerstag nach einer Mitteilung über verfehlte Wirksamkeitsziele des Corona-Impfstoffkandidaten abgestürzt.

Der Rückschlag hat den Aktionären eine Kurshalbierung mit einem Börsenwertverlust von rechnerisch etwa sieben Milliarden Euro eingebrockt. Curevac-Papiere brachen zeitweise um gut 52 Prozent auf 39,10 Euro ein - der größte Kurzsturz seit dem Börsengang im Sommer 2020. Am späten Nachmittag notierten sie bei rund 40 Euro.

Im Herbst vergangenen Jahres hatten Spekulationen um den Impfstoff von Curevac den Aktienkurs der Tübinger binnen fünf Wochen von gut 40 auf mehr als 120 Euro nach oben schießen lassen.

Etwa zu dieser Zeit hatte Curevac die Zulassung in der EU und in Lateinamerika ins Auge gefasst - aus der bisher aber nichts wurde.

Update 17.10 Uhr: Vorerst keine Folgen für Zulassungsverfahren

Die enttäuschenden Zwischenergebnisse zur Wirksamkeit des Impfstoffes des Tübinger Herstellers Curevac haben vorerst keine Folgen für das Prüfverfahren bei der Europäischen Arzneimittelbehörde.

Es gebe keine harte Mindestgrenze bei der Wirksamkeit, erklärte die EMA am Donnerstag in Amsterdam. Vor einer Bewertung müssten alle Ergebnisse vorliegen.

Die Experten der EMA prüfen zur Zeit vier Impfstoff-Kandidaten. Wann mit einer Entscheidung zu rechnen sei, sei noch nicht abzusehen. Die Hersteller müssen nach Angaben der Behörde noch zusätzliche Daten liefern.

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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