Sputnik V: Länder-Chefs fordern Entscheidung! Wann kommt der russische Impfstoff?

Berlin/Moskau (Russland) - Impfstoff ist in der Europäischen Union knapp - jede zusätzliche Dosis gern gesehen. Doch beim russischen Sputnik V ziert sich die EU noch, das Vakzin zuzulassen. Während Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (54, CSU) auf eine schnelle Entscheidung drängt, vermutet Thüringens Landes-Chef Bodo Ramelow (65, Linke) ideologische Befindlichkeiten.

In viele Länder (im Foto Tunesien) wird Sputnik V bereits geliefert. Auch in Deutschland werden immer mehr Rufe nach dem russischen Impfstoff laut.
In viele Länder (im Foto Tunesien) wird Sputnik V bereits geliefert. Auch in Deutschland werden immer mehr Rufe nach dem russischen Impfstoff laut.  © dpa/AP/Hassene Dridi

Es müsse "so schnell wie möglich über die Zulassung von Sputnik V entschieden werden", fordert Bayerns Ministerpräsident Söder im Interview mit der "Passauer Neuen Presse". "Wir sollten aus den schlechten Erfahrungen bei der ersten Bestellung gelernt haben" und die EU diesmal "zügig alle nötigen Verträge abschließen, um so viel Impfstoff wie möglich zu bekommen". Die Pandemie werde nur durch Impfen besiegt.

Dem schließt sich sein Thüringer Kollege Ramelow an, der hinter der schleppenden Entscheidung noch ganz andere Gründe vermutet. Gegenüber der "Welt" macht er "westdeutsche ideologische Befindlichkeiten" als eine mögliche Ursache aus, die er albern finde.

"Ich kämpfe nicht für Sputnik V, nur weil er aus Russland käme, sondern ich bin der Meinung, dass wir alle Impfstoffe kaufen sollten, die wir kaufen können."

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Ein Rahmenvertrag hätte schon längst geschlossen werden können. "Das sollte nun bald geschehen."

Jens Spahn schließt deutschen Alleingang bei Sputnik V nicht aus

Thüringen-Chef Bodo Ramelow (65, Linke) vermutet ideologische Vorbehalte gegenüber dem russischen Vakzin. Bayern-MP Markus Söder (54, CSU) fordert indes eine schnelle Entscheidung.
Thüringen-Chef Bodo Ramelow (65, Linke) vermutet ideologische Vorbehalte gegenüber dem russischen Vakzin. Bayern-MP Markus Söder (54, CSU) fordert indes eine schnelle Entscheidung.  © Montage: dpa/Martin Schutt, dpa/Peter Kneffel

Medizin-Historiker Malte Thießen (47) weiß: "Impfen ist immer auch Politik, es geht nie nur um medizinische Fragen." Bei Vorbehalten des westlichen Europas gegen den russischen Impfstoff spielt seiner Meinung nach womöglich auch der Umgang mit Kreml-Kritiker Alexej Nawalny (44) mit rein. Zudem sei der Name Sputnik "Propaganda erster Klasse".

Als "Mittel der Propaganda" bezeichnet auch der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian (73) das Vakzin und macht damit indirekt deutlich, wie schwer eine Zulassung in der gesamten EU werden könnte.

Gesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) schließt einen nationalen Alleingang nicht aus: "Ich bin tatsächlich sehr dafür, dass wenn die Europäische Union dann nichts macht, wir das auch national machen."

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Er könne sich vorstellen, "dass wir Verträge zügig abschließen". Man sei "im engen Austausch".

Wladimir Putin (68) hält Sputnik V für den besten Impfstoff der Welt - der russische Präsident wurde vor wenigen Tagen geimpft.
Wladimir Putin (68) hält Sputnik V für den besten Impfstoff der Welt - der russische Präsident wurde vor wenigen Tagen geimpft.  © imago images/ITAR-TASS

Wladimir Putin (68) hatte Sputnik V als den besten Impfstoff der Welt bezeichnet. Laut einer im Februar im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlichten Zwischenanalyse weist dieser eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent auf und könnte auch gegen die Mutante B.1.1.7 wirken.

Bei der EMA läuft derzeit ein beschleunigtes Verfahren für eine mögliche Zulassung.

Titelfoto: Montage: dpa/AP/Hassene Dridi, imago images/ITAR-TASS

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