302 Menschen in NRW mit Coronavirus infiziert: Vorerst keine Schul-Schließungen 

Düsseldorf/NRW - Die Corona-Infektionen sind deutlich gestiegen. Schulschließungen wie in Italien sind für die Landesregierung aber kein Thema. Dafür aber der potenzielle "Fall X" in einem Gefängnis. 302 Menschen in NRW waren Stand Donnerstag infiziert. Sie steigen kontinuierlich.

Düsseldorf: Karl-Josef Laumann (CDU), Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, beantwortet Fragen von Journalisten.
Düsseldorf: Karl-Josef Laumann (CDU), Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, beantwortet Fragen von Journalisten.  © Federico Gambarini/dpa

Landesweite Schulschließungen wie in Italien kann sich NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) trotz deutlich steigender Coronavirus-Infektionen nicht vorstellen. 

Wenn - rein theoretisch - eine solche Entscheidung getroffen würde, "dann würde sich ja auch die Frage stellen, wer betreut eigentlich die Kinder unserer Krankenschwestern, unserer Ärztinnen und Ärzte", sagte er am Donnerstag dem WDR. 

Allerdings sei der Prozess dynamisch. In vier oder acht Wochen könne die Situation anders sein. "Das liegt daran, wie das Virus sich verbreitet."

Die Zahl der bestätigten Infektionen stieg im Vergleich zum Vortag noch einmal deutlich auf landesweit 302, wie das NRW-Gesundheitsministerium am Donnerstag (Stand 16.00 Uhr) mitteilte. 

Allein im Kreis Heinsberg lag die Zahl demnach bei 197. Am Vorabend waren es den Angaben nach noch 150 in Heinsberg und 172 landesweit.

Einen Effekt auf den Anstieg haben die Diagnostikzentren, die einige Städte eingerichtet haben, um potenziell Infizierte zu testen. 

Es wird jetzt schlicht mehr untersucht, wie der Kreis Heinsberg schon vorher deutlich gemacht hatte. Allein in einem Zentrum in Gangelt waren am Vortag 200 Proben entnommen worden. Das zweite Zentrum im Kreis hatte den Betrieb erst aufgenommen.

Reaktionen in den Städten

 Das Gesundheitsamt in Heinsberg. 
 Das Gesundheitsamt in Heinsberg.   © Jonas Güttler/dpa

Mit diesem Vorgehen würden die ärztlichen Praxen entlastet, sagte die Sprecherin des Kreises Heinsberg, Jennifer Grünter: "Wenn man solche Tests durchführt, sind eine Reihe Hygienemaßnahmen für die Ärzte und die Praxis vonnöten. Und wenn sich die Hausärzte damit schon nicht mehr rumschlagen müssen, dann ist das schon viel wert."

Auch Aachen erwartete nach dem Start eines solchen Zentrums einen weiteren Anstieg der Fallzahlen. Kreis und Städteregion gaben am Donnerstag insgesamt 33 nachgewiesene Infektionen an. 

Die Region ist damit nach Heinsberg am zweitstärksten in NRW betroffen. Wieder gab es am Donnerstag aber auch eine Infektionsmeldung aus einer bis dahin nicht betroffenen Region: Der Rhein-Sieg-Kreis teilte seinen ersten Corona-Fall mit.

Die Uniklinik in Münster (UKM) reagierte auf das sich ausbreitende Virus mit einer neuen Regelung: Patienten sind gebeten, pro Tag nur noch einen Besucher zu empfangen. 

"Hintergrund ist die erhöhte Gefahr einer Weiterverbreitung des Corona-Virus durch zu viel Publikumsverkehr", so die Uniklinik in einer Mitteilung. 

Das Klinikum sagte zudem alle eigenen Veranstaltungen ab und wies die Mitarbeiter an, die dienstliche Teilnahme an größeren Veranstaltungen abzusagen und keine Dienstreisen zu machen. 

Bis einschließlich Ende März dürfen Mitarbeiter nicht an Kongressen, Messen oder Fortbildungen mit mehr als 25 Personen teilnehmen. In der Klinik war ein 51-Jähriger behandelt worden, der aus dem Urlaub im Iran zurückgekehrt und positiv getestet worden war. Er wurde inzwischen in die häusliche Quarantäne entlassen.

Corona-Patient in Polen war zuvor in Heinsberg

Ein Apotheker hält in einer Apotheke eine FFP2-Atemschutzmaske.
Ein Apotheker hält in einer Apotheke eine FFP2-Atemschutzmaske.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Auch der am Donnerstag bekannt gewordene Fall eines Patienten in Polen macht deutlich, wie schnell das Virus große Strecken überwindet: Der erste nachgewiesene Infizierte in Polen hatte sich nach Angaben der behandelnden Universitätsklinik zuvor längere Zeit in Heinsberg aufgehalten. 

"Der Mann hat uns in einem Gespräch erklärt, dass er etwa zwei Wochen während der Karnevalssaison dort war", sagte die Sprecherin der polnischen Klinik.

Unterdessen bereitet sich der Strafvollzug in Nordrhein-Westfalen auf das Coronavirus vor. Als erstes NRW-Gefängnis lässt die JVA Heinsberg derzeit keine Besucher hinein. 

"Wir empfangen nur Rechtsanwälte, wenn sie die Besuche nicht aufschieben können", sagte Franz-Josef Bischofs, stellvertretender Anstaltsleiter in Heinsberg auf dpa-Anfrage.

Auch Hafturlaube und Freigänge seien derzeit ausgesetzt - ebenso wie Transporte in andere Gefängnisse. Die JVA Heinsberg liegt mit derzeit rund 380 Gefangenen und gut 300 Mitarbeitern im mit Abstand am stärksten von der Epidemie betroffenen Kreis Nordrhein-Westfalens.

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