Ärztekammer-Chef ist sich sicher: "Pandemie geht noch zwei Jahre weiter"

Dresden - Es sind drastische Worte, die Erik Bodendieck (54), Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, im Live-Talk von BundesTAG24 sagt. Seiner Prognose nach dauere die Coronavirus-Pandemie noch so lange an, wie sie uns alle bereits begleitet.

Erik Bodendieck (54) ist Präsident der Sächsischen Landesärztekammer und hat eine drastische Ansicht zur Dauer der Corona-Pandemie.
Erik Bodendieck (54) ist Präsident der Sächsischen Landesärztekammer und hat eine drastische Ansicht zur Dauer der Corona-Pandemie.  © Max Patzig

Talk-Moderator Holger Köhler-Kaeß (39) konfrontierte den Allgemeinmediziner aus dem sächsischen Wurzen am gestrigen Freitagabend mit einer Aussage von Jens Spahn (41, CDU). Dieser sorgte nämlich zuletzt mit seiner Ansicht für Aufsehen, dass die Pandemie im Frühjahr 2022 zu Ende sei.

"Die ganze Schose dauert rein medizinisch vier Jahre, bis alle durchimmunisiert sind", fällt Bodendiecks Statement dazu ernüchternd aus. "Wir sind jetzt in Jahr zwei."

Er gibt jedoch zu bedenken, dass sich diese Zeit durch eine Impfung verkürzen könne.

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Der Infektions-Experte kommt auch darauf zu sprechen, ob es sinnvoll wäre, zum jetzigen Zeitpunkt alle Schutzmaßnahmen fallenzulassen. "Mit Genesenen und Geimpften hätte ich gegebenenfalls im Frühjahr nächsten Jahres die Möglichkeit, die Maßnahmen quasi zu beenden", so Bodendieck. "Dann kommen wir wieder in den Sommer, da läuft sich die ganze Sache aus."

Derzeit sieht der Mediziner also keine Möglichkeit, die Maßnahmen der Regierung zu beenden. "Im Moment läuft die Infektionswelle tatsächlich so, wie sie in den Lehrbüchern steht und so, wie wir es gelernt haben." Bodendieck spricht von einem Sinuskurven-Verlauf: Zum Winter hin würden die Infektionsraten steigen, zum Sommer hin fallen.

Dies zeige sich auch jetzt wieder.

Das Coronavirus begleitet Menschen weltweit seit Dezember 2019. Bodendieck rechnet mit einer gesamten Verlaufsdauer von vier Jahren, bis die Pandemie als bewältigt gilt. (Symbolbild)
Das Coronavirus begleitet Menschen weltweit seit Dezember 2019. Bodendieck rechnet mit einer gesamten Verlaufsdauer von vier Jahren, bis die Pandemie als bewältigt gilt. (Symbolbild)  © dpa/Planet Pix via ZUMA Wire/Center for Disease Control

Ärztekammer-Chef Erik Bodendieck fürchtet Reise-Lust der Deutschen

Dafür, dass die Pandemie noch lange Zeit anhalten könnte, sieht der sächsische Ärzte-Präsident vor allem eine Ursache: die Reise-Lust der Deutschen, nach der langen Zeit mit weltweiten Beschränkungen.

"Ich fürchte, und das Problem ist ja nicht Deutschland allein, das Problem ist ja weltweit zu sehen, deswegen ist es eine Pandemie, weil der Sars-CoV-2-Virus alle Ecken und Winkel dieser Welt erreicht hat", führt Bodendieck aus: "Wenn wir anfangen, wieder zu reisen, dann bringen wir das wieder mit zurück."

Dies sei auch ein Grund, warum andere Krankheiten noch nicht ausgerottet seien und noch immer Ärzte auf aller Welt beschäftigen.

Den kompletten Talk könnt Ihr Euch hier noch einmal anschauen

Im BundesTAG24-Talk sprachen auch die Energie-Expertin Anna Veronika Wendland (55) vom Herder-Institut in Leipzig, der TU-Dresden-Politikwissenschaftler Erik Fritzsche (38) sowie Sebastian Günther (38), der Stellvertreter des Chefredakteurs von der Dresdner Morgenpost und TAG24.

Titelfoto: Montage: dpa/Planet Pix via ZUMA Wire/Center for Disease Control, Max Patzig

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