Alternative Weihnachts-Messen: Corona zwingt Kirchen zur Kreativität

Düsseldorf - Normalerweise sind die Kirchen an Heiligabend überfüllt. Die Leute drängen sich in den Gängen, viele singen aus Leibeskräften Weihnachtslieder mit. All das ist im Corona-Jahr unmöglich.

Mit Gottesdiensten, Krippenspielen und Liedersingen unter freiem Himmel will die katholische Kirche in Nordrhein-Westfalen an Weihnachten auf die Corona-Pandemie reagieren.
Mit Gottesdiensten, Krippenspielen und Liedersingen unter freiem Himmel will die katholische Kirche in Nordrhein-Westfalen an Weihnachten auf die Corona-Pandemie reagieren.  © Jörg Carstensen/dpa

Gleichzeitig wissen die Kirchen, dass sie gerade in Krisenzeiten gefragt sind. Sie müssen also kreativ werden.

In den meisten Kirchen dürfte es an Heiligabend deutlich mehr Gottesdienste geben als sonst, sie werden aber kürzer ausfallen.

Der Besuch wird häufig über ein Online-Ticketsystem geregelt. Zu dicht hintereinander dürfen die Gottesdienste aber auch nicht gestaffelt sein: Zwischendurch muss immer wieder desinfiziert und gelüftet werden.

Daneben werden vielerorts Gottesdienste unter freiem Himmel abgehalten.

Der evangelische Präses Manfred Rekowski will an Heiligabend sogar einen Gottesdienst auf einem Wuppertaler Friedhof zelebrieren.

In Bensberg in Bergisch Gladbach sind Kurzgottesdienste mit lebendiger Krippe geplant.

Der katholische Pastoralverbund Balve-Hönnetal im Sauerland bereitet auf dem Kirchplatz einen Stationen-Gottesdienst vor: Dabei geht man von Hütte zu Hütte, an der einen wird gesungen, an der nächsten etwas vorgelesen.

In einem "Mausoleum" können symbolisch Sorgen abgelegt werden. Auch an eine Verpflegungsstation ist gedacht.

Weihnachten zu Corona-Zeiten: Gottesdienste mit umfassendem Hygienekonzept

Weihnachtsmessen in Zeiten von Corona: Die Kirchen planen deutlich mehr und kürzere Gottesdienste - auch im Freien (Symbolbild).
Weihnachtsmessen in Zeiten von Corona: Die Kirchen planen deutlich mehr und kürzere Gottesdienste - auch im Freien (Symbolbild).  © Christoph Schmidt/dpa

Ein ganz spezielles Angebot hat die Heilig-Kreuz-Gemeinde in Dülmen im Münsterland entwickelt: "Hirtengänge" zu Bauernhöfen.

Fünf Höfe beteiligen sich. "Das ist ein Angebot für Familien mit kleinen Kindern, die sonst zur Krippenfeier kommen würden", erläutert Pastoralreferentin Lisa Scheffer.

Die Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in Bielefeld laden an Heiligabend ins Fußballstadion ein.

Für den Gottesdienst unter freiem Himmel werde ein umfassendes Hygienekonzept erarbeitet. In dem Stadion, das in Nicht-Corona-Zeiten 26.500 Zuschauer fasst, soll jetzt nur einer von zehn Plätzen besetzt werden.

Sollten wegen steigender Inzidenzzahlen keine Zuschauer zugelassen werden, wird der Gottesdienst ins Internet gestreamt.

Auf katholischer Seite soll auf die ursprünglich auch dort angedachten Großgottesdienste in Stadien verzichtet werden. Allein die gleichzeitige Anreise vieler Besucher hätte ein zu großes Problem dargestellt, meint Antonius Hamers vom Katholischen Büro NRW.

Vermutlich werden sich diesmal viele Menschen aus den unterschiedlichen Konzepten das für sie passende heraussuchen, sagt die Religionssoziologin Anna Neumaier vom Zentrum für angewandte Pastoralforschung der Ruhr-Universität Bochum.

Alte Traditionen durch Corona in Gefahr?

Eine große Frage ist, wie sich die vielen Menschen verhalten werden, die nur an Weihnachten in die Kirche gehen und dementsprechend keine Anbindung an eine Gemeinde haben.

Wenn sie sich entscheiden sollten, dieses Jahr einfach mal auszusetzen, könnte das auf ihre endgültige Abnabelung hinauslaufen. "Vielleicht schalten sie dann dieses Jahr einfach den 'Kleinen Lord' im Fernsehen an und denken sich: 'Ach, das ist auch ganz nett.'", sagt Neumaier.

"Wenn Familien dann erstmal ein neues Ritual entwickeln, ist die alte Tradition in Gefahr. Insofern ist es interessant zu sehen, ob sich in den nächsten Jahren Spätfolgen zeigen."

Wieder einmal beschleunigt Corona auf diese Weise einen sowieso schon existierenden Trend: Der Standard-Sonntagsgottesdienst hat seit langem immer weniger Zulauf. Wenn überhaupt, sind kreative und auf einzelne Zielgruppen zugeschnittene spirituelle Angebote gefragt.

Dieses Jahr müssen die Kirchen an Weihnachten beweisen, dass sie sich auf neue Situationen einstellen können.

Titelfoto: Jörg Carstensen/dpa

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