Analyse zeigt: Wirkt der Biontech/Pfizer-Impfstoff gegen die Corona-Mutation?

Berlin - Neu aufgetauchte, wohl ansteckendere Virus-Varianten ließen die Sorge aufkeimen: Was, wenn die verfügbaren Impfstoffe bei ihnen weniger gut oder gar nicht wirken? Eine Analyse bestätigt, dass dies wohl nicht passieren wird.

Eine Analyse aus den USA zeigt, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer wohl gegen die Corona-Mutationen wirkt.
Eine Analyse aus den USA zeigt, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer wohl gegen die Corona-Mutationen wirkt.  © Sebastian Gollnow/dpa

Ein Gespenst mit dem kryptischen Namen B.1.1.7 geht um. In etlichen Ländern wurde diese Variante des Coronavirus inzwischen nachgewiesen, mehrfach auch schon in Deutschland.

Sie ist nach derzeitigem Stand wahrscheinlich ansteckender als frühere Formen. Noch schlimmer aber wäre es, wenn die bisher verfügbaren Impfstoffe gegen B.1.1.7 und ähnliche Varianten wie 501Y.V2, kürzlich erstmals in Südafrika nachgewiesen, weniger gut oder gar nicht mehr wirken würden.

Wahrscheinlich ist das aber nicht, wie eine aktuelle Analyse bestätigt. Demnach wirkt zumindest der Impfstoff von Biontech/Pfizer auch gegen bestimmte Varianten des Coronavirus.

Untersucht wurden die Antikörper im Blut von 20 geimpften Menschen, wie aus der noch nicht in einem Fachjournal veröffentlichten und von unabhängigen Experten geprüften Studie des US-Pharmaunternehmens Pfizer und der Universität Texas hervorgeht.

Demnach erreicht der Impfstoff bei den abgewandelten Formen wahrscheinlich ebenfalls eine Wirksamkeit von um die 95 Prozent.

Antikörper und ihre Wirkung: So funktioniert der Corona-Impfstoff

Die Impfstoffe Moderna (l) und Biontech/Pfizer sind gegen Corona in Deutschland zugelassen.
Die Impfstoffe Moderna (l) und Biontech/Pfizer sind gegen Corona in Deutschland zugelassen.  © Jessica Hill/Stefan Sauer/FR125654 AP/dpa

Die Variante B.1.1.7 war im Dezember erstmals in Großbritannien nachgewiesen worden. Ähnlich wie die in Südafrika aufgetauchte Variante 501Y.V2 zeichnet sie sich durch Veränderungen im Erbgut aus, die mehrere Veränderungen beim sogenannten Spike-Protein auf der Oberfläche zur Folge haben.

Mit ihm dockt das Virus an Körperzellen an, um in diese einzudringen. Das Spike-Protein ist aber auch das indirekte Ziel der in Deutschland zugelassenen RNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna.

Die Mittel regen Körperzellen an, dieses Protein herzustellen. Das gaukelt dem Körper eine Infektion vor, das Immunsystem wird aktiviert und bildet unter anderem Antikörper gegen das Protein.

Sie sollen bei einer späteren Infektion bei der schnellen Abwehr des Virus helfen, indem sie an das Spike-Protein binden und es so für die Abwehr als "feindlich" markieren.

Theoretisch wäre es durchaus denkbar, dass Veränderungen am Spike-Protein von Sars-CoV-2 dazu führen, dass die gebildeten Antikörper nicht mehr binden können.

Der Impfstoff wäre damit unwirksam. Doch bislang gibt es keine Hinweise darauf. Forscher sind optimistisch, dass das auch so bleibt.

Drosten macht Hoffnung: Impfstoffe lassen sich leicht modifizieren!

Christian Drosten (48) verdeutlicht, dass Immunität gegen Corona nicht nur über Antikörper läuft. Auch T-Zellen sind wichtig.
Christian Drosten (48) verdeutlicht, dass Immunität gegen Corona nicht nur über Antikörper läuft. Auch T-Zellen sind wichtig.  © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Der Immunantwort eines Geimpften ist gar nicht so leicht zu entkommen. Das liegt unter anderem daran, dass Menschen nach der Corona-Impfung nicht nur eine einzelne Art schützender Antikörper gegen das Spike-Protein herstellen, sondern viele verschiedene, wie der Berliner Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast erklärte.

Dieser Antikörper-Mix kann an einer Vielzahl von Bindestellen am Spike-Protein angreifen. Deshalb dürften einzelne Veränderungen an diesem Protein erst einmal wenig Auswirkungen haben.

Drosten betont noch einen weiteren Aspekt. "Die Immunität läuft nicht nur über Antikörper." Sogenannte T-Zellen, die ebenfalls Teil des menschlichen Immunsystems sind, hätten andere Bindestellen als Antikörper.

Die Bindestellen der T-Zellen seien am Anfang einer Epidemie oft noch gar nicht von solchen Mutationen betroffen. Die meisten Impfstoffe riefen wohl auch eine ganz gute T-Zell-Immunität hervor, so Drosten.

Selbst wenn der schlimmste Fall eintreten sollte und Corona-Varianten nicht mehr auf den Impfstoff anspringen: "Tatsächlich lassen sich gerade die RNA-Impfstoffe technisch relativ einfach modifizieren. Es müsste dann allerdings geklärt werden, wie die erneute Zulassung eines modifizierten Impfstoffs aussieht."

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

Mehr zum Thema Coronavirus:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0