Angebliche Zwangsimpfung bei Menschen mit Behinderung: Das hat es mit diesem Video auf sich

Los Angeles - Weltweit laufen Impfkampagnen gegen das Coronavirus, in den USA sind bereits besonders viele Menschen geimpft. Da stellt sich einigen Social-Media-Nutzern die Frage, ob bei den Impfungen dort auch wirklich alles mit rechten Dingen zugeht.

In dem Video, das aktuell auf Facebook geteilt wird, ist zu sehen, wie Menschen vermeintlich gegen ihren Willen geimpft werden. Der Schein trügt allerdings: Laut einem LASD-Mitarbeiter sei die Reaktion deshalb so heftig, weil Impfen allgemein für Menschen mit Behinderung eine "traumatische Erfahrung" sein kann.
In dem Video, das aktuell auf Facebook geteilt wird, ist zu sehen, wie Menschen vermeintlich gegen ihren Willen geimpft werden. Der Schein trügt allerdings: Laut einem LASD-Mitarbeiter sei die Reaktion deshalb so heftig, weil Impfen allgemein für Menschen mit Behinderung eine "traumatische Erfahrung" sein kann.  © Screenshot:Facebook/Natalie Vesper

Unter anderem auf Facebook wird ein Video verbreitet mit Aufnahmen, wie Menschen in Los Angeles geimpft werden – angeblich unter Zwang.

In dem Post heißt es, die Aufnahmen zeigten, "wie die Polizei von Los Angeles Zwangsimpfungen an geistig zurückgebliebenen Menschen, Behinderten und Obdachlosen gegen deren Willen durchführt". Auch von einer "Tötung der Menschen im offiziellen Auftrag" ist die Rede. Außerdem taucht die Behauptung auf, die Pandemie sei "inszeniert".

Die Videos stammen, wie in dem Text in dem Facebook-Post erklärt, von der sogenannten Operation Homebound in der US-Region Los Angeles. Dieses Programm wird vom Los Angeles County Sheriff's Department durchgeführt (LASD), der örtlichen Polizeibehörde. Ziel ist es, Menschen gegen Corona zu impfen, die sonst schwer an den Impfstoff kommen - darunter auch Obdachlose und Menschen mit Behinderung.

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Dafür wird den Angaben nach die Covid-19-Impfung von Johnson & Johnson verwendet, bei der für den vollständigen Impfschutz nur eine Dosis erforderlich ist.

Diese Impfungen werden nicht unter Zwang verabreicht. Es muss eine Zustimmung vorliegen. Nach Angaben der kalifornischen Abteilung für Entwicklungsdienstleistungen, die für Menschen mit geistiger Behinderung zuständig ist, können die meisten Menschen, die dort betreut werden, selbst medizinische Entscheidungen treffen und ihre Zustimmung geben oder ablehnen. Ist dies aufgrund der Behinderung nicht möglich, kann ein Bevollmächtigter bestimmt werden.

Auch LASD-Mitarbeiter John Satterfield sagte der US-Faktencheck-Seite "Snopes", dass die Impfungen nicht erzwungen würden. Alle, die geimpft wurden, hätten entweder selbst zugestimmt, oder die Zustimmung kam durch einen gesetzlichen Betreuer, wenn der Grad der Behinderung eine eigene Entscheidung nicht zuließ.

Wie kommen die gezeigten Videos zustande?

Die Reaktion der Geimpften in den Videos lässt nicht automatisch den Rückschluss zu, dass die Impfung gegen ihren Willen geschieht. (Symbolbild)
Die Reaktion der Geimpften in den Videos lässt nicht automatisch den Rückschluss zu, dass die Impfung gegen ihren Willen geschieht. (Symbolbild)  © Dinis Tolipov/123RF

Auch in Deutschland gibt es keine Zwangsimpfungen gegen Corona. Die zu impfende Person oder ihre gesetzliche Vertretung müssen der Impfung zustimmen. Aufklärungsblätter und Anamnese-Bögen werden auch in sogenannter Leichter Sprache zur Verfügung gestellt, damit möglichst viele Menschen sie verstehen.

Wie kommen aber nun die gezeigten Videos zustande? Sue Burakowski von der LASD sagte der "Antelope Valley Press", dass die Impfung eine "traumatische Erfahrung" für Menschen mit Behinderung sein könne - es brauche "die ganze Familie, um sie zu überzeugen, sich impfen zu lassen".

Die Reaktion der Geimpften in den Videos lässt also nicht automatisch den Rückschluss zu, dass die Impfung gegen ihren Willen geschieht.

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Seit dem 13. April ist das Homebound-Programm ausgesetzt (Stand 10. Mai 2021), weil die Impfung nach sehr seltenen Blutgerinnseln und Todesfällen in möglichem Zusammenhang mit der Impfung von den US-Gesundheits- und Medikamentenbehörden nicht mehr empfohlen wurde.

Seit dem 23. April 2021 darf der Impfstoff wieder verwendet werden, weil die Risiken deutlich geringer eingeschätzt werden als der Nutzen. Von einer gezielten Tötung der Menschen durch Impfungen kann keineswegs die Rede sein. Sowohl die in den USA zuständige Behörde CDC als auch die in Europa zuständige Behörde EMA gehen davon aus, dass der Nutzen der Impfung größer ist als die sehr seltenen Nebenwirkungen.

Titelfoto: Screenshot:Facebook/Natalie Vesper

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