Angst um Weihnachten: Einsamkeit, Krankheit, abgesagte Märkte

Deutschland - Das Coronavirus macht auch vor den Festtagen nicht halt. Weihnachten werden wir dieses Jahr ganz anders feiern müssen als sonst. Wo die meisten Menschen vor allem die Geselligkeit bei einer Tasse Glühwein oder gebrannten Mandeln vermissen werden, fürchten sich andere vor Einsamkeit und um ihre Existenz.

Weihnachtsdeko und sonst nur gähnende Leere. Wie hier in Duisburg wird es dieses Jahr in fast allen deutschen Innenstädten aussehen.
Weihnachtsdeko und sonst nur gähnende Leere. Wie hier in Duisburg wird es dieses Jahr in fast allen deutschen Innenstädten aussehen.  © Imago Images / Jochen Tack

41 Prozent der Befragten brachten in einer im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) getätigten Umfrage ihre Furcht davor zum Ausdruck, dieses Jahr im kleineren Kreis oder gar alleine Weihnachten feiern zu müssen. 23 Prozent haben zudem Bedenken, nicht verreisen zu können.

"Es ist für mich nicht vorstellbar, dass die Großeltern an Weihnachten nicht mitfeiern", sagte Helge Braun (48, CDU) dem "RND".

Der Kanzleramtschef setzt trotz Kontaktbeschränkungen wohl weiterhin darauf, dass Weihnachten in Familie gefeiert werden kann.

Der mögliche Kanzlerkandidat Friedrich Merz (65, CDU) wurde gegenüber dem "Tagesspiegel" sogar noch deutlicher: "Ich persönlich sage: Es geht den Staat auch nichts an, wie ich mit meiner Familie Weihnachten feiere."

Neben drohender Einsamkeit treibt auch die Angst vor Krankheitsfällen in der eigenen Familie die Umfrageteilnehmer deutlich stärker um, als dies noch bei einer vergleichbaren Befragung 2018 der Fall war.

Schaustellerbund warnt vor Weihnachtsmarktsterben

Auch auf den Geruch frisch gegrillter Bratwürste müssen wir dieses Jahr verzichten.
Auch auf den Geruch frisch gegrillter Bratwürste müssen wir dieses Jahr verzichten.  © imago images / Zink

54 Prozent bedrückt die Vorstellung, dass ihre Lieben zu Weihnachten im Bett oder gar im Krankenhaus liegen könnten - ein Plus von zehn Prozent.

Doch nicht nur im privaten Umfeld sind die Sorgen groß. Angesichts der abgesagten Märkte warnt der Deutsche Schaustellerbund (DSB) vor einem Sterben der Weihnachtsmarkttradition in Deutschland.

Wenn Schausteller-Familienbetriebe die Pandemie nicht überleben, werde es "Weihnachtsmärkte, so wie wir sie kennen und lieben, zukünftig nicht mehr geben", sagte Hauptgeschäftsführer Frank Hakelberg.

Das diesjährige Verbot käme für viele "in seiner Wirkung einem Berufsausübungsverbot gleich".

Mit "größeren Abständen, neuer Platzarchitektur, veränderter Angebotsstruktur und durchdachten Hygienekonzepten" wäre eine Durchführung möglich gewesen, glaubt der Verband.

Kommentar: Die Seele als schützenswertes Gut

Von Paul Hoffmann

Da ist sie mal wieder, eine dieser Befragungen zur Stimmungslage in unserem Land. 41 Prozent fürchten sich also davor, Weihnachten im kleineren Kreis oder gar alleine feiern zu müssen. Was heißt das schon, wird sich da manch Leser insgeheim fragen...

Eine ganze Menge! Diese Umfrage offenbart wie kaum eine andere - nüchtern und schonungslos - das Leid derer, die die Corona-Krise großteils allein durchstehen müssen. Angesichts steigender Infektionszahlen und immer neuer Beschränkungen fürchten sie sich nun davor, nicht einmal Weihnachten aus ihrer Isolation entfliehen zu können.

Diese Ängste sollten wir als Gesellschaft, doch vor allem auch die Politik, in den kommenden Wochen besonders ernst nehmen. Bei allen Vorsichtsmaßnahmen darf nie vergessen werden, dass auch die Seele einsamer Menschen ein schützenswertes Gut ist!

Titelfoto: Imago Images / Jochen Tack

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