Arbeit, Schule, Quarantäne: Das müsst Ihr jetzt zum Coronavirus wissen

Dresden - Warum ist es jetzt so wichtig, den Verlauf der Epidemie auszubremsen?

"Infektionswelle verlangsamen, um den Anteil Schwerkranker gering zu halten und damit die Krankenhäuser nicht zu überfordern": Prof. Dr. Alexander Dalpke (48), Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Dresden.
"Infektionswelle verlangsamen, um den Anteil Schwerkranker gering zu halten und damit die Krankenhäuser nicht zu überfordern": Prof. Dr. Alexander Dalpke (48), Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Dresden.  © Holm Helis

"Damit die Welle der akut Erkrankten niedrig bleibt und damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird", sagt Prof. Dr. Alexander Dalpke (48), Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Dresden.

 Seit 30. Januar haben er und sein zehnköpfiges Team schon 800 Tests auf das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 durchgeführt. 

Prof Dalpke: "Waren es anfangs täglich zehn bis 20 Tests, schnellte die Anzahl allein am vergangenen Donnerstag explosionsartig auf 180 Tests in die Höhe. 

Zehn davon waren positiv." Insgesamt wurden am Uni-Labor seit Beginn der Tests 20 Sars-CoV-2-Infektionen nachgewiesen.

Wie verläuft eigentlich der Test?

Das Erbgut des Coronavirus' wird in Rachenabstrichen oder Gurgelwasser nachgewiesen. Der Test benötigt mindestens drei Stunden Bearbeitungszeit. Für eine effiziente Bearbeitung werden mehrere Proben gesammelt und zusammen analysiert. Das Ergebnis liegt dann normalerweise innerhalb eines Tages vor.

Gibt es neue Erkenntnisse zu Ansteckungswegen?

Nein. Die Krankheit wird nachweislich durch Tröpfcheninfektion übertragen. Wegen der hohen Ansteckungsfähigkeit der Viren reichen auch schon kurze Kontakte aus.

Wie steckt man sich mit dem Coronavirus an?

"Oberste Priorität hat jetzt die Vermeidung einer Ansteckung und damit die Verbreitung des Virus'": Gesundheitsministerin Petra Köpping (61, SPD).
"Oberste Priorität hat jetzt die Vermeidung einer Ansteckung und damit die Verbreitung des Virus'": Gesundheitsministerin Petra Köpping (61, SPD).  © dpa/Arno Burgi

Hält sich das Virus auch auf Oberflächen wie Türklinken oder Postpäckchen?

Auf Oberflächen hält sich das Virus zwar, wird dort aber schnell inaktiv und spielt nach derzeitigem Kenntnisstand für die Übertragung keine Rolle.

Sind Schulschließungen ein geeignetes Mittel, die Epidemie einzudämmen?

Da sind sich die Wissenschaftler uneins. Ich rate, den Empfehlungen des Robert Koch Instituts zu folgen. Auch das belgische Modell ist interessant, wo nur ältere Schüler, die sich selbst versorgen können, zu Hause bleiben sollen. Kindergärten und Grundschulen bleiben offen. Damit landen kleine Kinder zur Betreuung nicht bei den Großeltern, die bei einer Ansteckung zu Risikopatienten zählen.

Wann bin ich ansteckend?

Das Virus kann schon ein bis zwei Tage vorher übertragen worden sein, bevor erste Symptome der Krankheit wie Fieber, Husten und Atemnot sichtbar werden.

Bleibe ich weiter ansteckend, wenn die Krankheit bei mir gut verlaufen und "ausgeheilt" ist?

Das Sars-CoV-2-Virus ist noch zehn Tage nach einer Erkrankung nachweisbar, dann aber wahrscheinlich nicht mehr infektiös. Für Kliniken gilt übrigens: Ein Patient wird erst entlassen, wenn das Coronavirus nicht mehr nachweisbar ist.

Wann ist man gegen Corona immun?

"Wir stehen erst am Anfang der Epidemie": In Deutschland stehen 28.000 Intensivbetten und 25.000 Beatmungsgeräte für die Corona-Krise bereit.
"Wir stehen erst am Anfang der Epidemie": In Deutschland stehen 28.000 Intensivbetten und 25.000 Beatmungsgeräte für die Corona-Krise bereit.  © imago images/Westend61

Bin ich immun, wenn ich die Krankheit überstanden habe?

Wir gehen dann tatsächlich von einer Immunität von mehreren Monaten aus. Wie lange sie wirklich anhält, ist jedoch noch unklar.

Kann ich zur persönlichen Beruhigung einen Test machen lassen?

Eine Testung erfolgt erst bei Symptomen und wenn sich der Patient in einem Risikogebiet aufgehalten hatte oder gesicherten Kontakt mit einer infizierten Person hatte. Das entscheidet der Arzt. Immerhin läuft parallel die Virusgrippe mit ähnlichen Symptomen.

Was kostet der Test?

59 Euro, die die Krankenkassen nur bei den obigen Voraussetzungen bezahlt.

Kann ich mich selbst testen?

Es gibt noch keinen Schnelltest, der im Regelfall zudem auch weniger empfindlich wäre.

CoVid-19: Wie hoch ist die Sterberate?

Vorsichtiger Optimismus: Die Kurve der Genesenen übersteigt seit Anfang März die der Erkrankten.
Vorsichtiger Optimismus: Die Kurve der Genesenen übersteigt seit Anfang März die der Erkrankten.  © 1&1 Mail und Media (Stand: 10. März)

Warum dauert die Herstellung eines Impfstoffes so lange?

Die Entwicklung einer Impfung für eine wirksame Immunantwort auf das Virus ist ein mehrstufiger Prozess und muss am Ende schließlich an gesunden Menschen getestet werden. Da das seine Zeit dauert, ist nicht vor Jahresende mit einem Impfstoff zu rechnen.

Wer gerade mit einem Grippevirus kämpft, ist immun gegen das Coronavirus. Stimmt das?

Nein!

Welche Arzneien werden derzeit im Kampf gegen Covid-19 eingesetzt?

Es gibt noch keine spezifisch zugelassenen Medikamente. In China und Italien laufen Studien mit Schwerstkranken, die mit Medikamenten gegen Ebola, aus der AIDS-Therapie und bei bestimmten Lebererkrankungen behandelt werden.

Wie viele der insgesamt 14 speziellen Isolations-Intensivbetten an der Dresdner Uniklinik sind derzeit mit Covid-19-Patienten belegt?

Keins. Sie werden aktuell jedoch zum Beispiel von Grippe-Patienten beansprucht.

Wie viele Menschen werden sich in Deutschland mit dem Coronavirus infizieren?

"Wer hin- und herschickt, leistet dem Schutzziel keinen guten Dienst": Laut Ministerpräsident Michael Kretschmer darf ein "erst Opa und Oma, dann in der Schule, dann wieder daheim" nicht sein.
"Wer hin- und herschickt, leistet dem Schutzziel keinen guten Dienst": Laut Ministerpräsident Michael Kretschmer darf ein "erst Opa und Oma, dann in der Schule, dann wieder daheim" nicht sein.  © imago images/Westend61

Wie hoch ist aktuell die Mortalität (Sterberate) bei Covid-19-Patienten?

Zu Beginn der Epidemie wurde diese Zahl oft überschätzt und zu hoch angegeben, weil nicht alle milde verlaufenen Fälle erkannt und registriert wurden. Inzwischen geht man davon aus, dass die Sterblichkeit bei etwa 0,7 Prozent liegt, in Italien noch bei 3 Prozent. Zum Vergleich: Bei Grippe liegt die Sterbequote bei 0,1 bis 0,2 Prozent.

Kann das Coronavirus plötzlich genauso wie seinerzeit SARS einfach wieder verschwinden?

Das wird nicht passieren. Dafür ist das neuartige Sars-CoV-2 ansteckender und die durch das Virus ausgelöste Atemwegserkrankung verläuft milder. Irgendwann wird sich wohl jeder einmal mit dem Virus - so wie zum Beispiel mit Schnupfen, der auch durch ein Virus aus der Corona-Familie ausgelöst wird - auseinandergesetzt haben.

Womit rechnen Sie?

Die Infektionswelle wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach wie in China abflachen. Zwei Drittel der deutschen Bevölkerung wird sich wohl in den kommenden zwei bis drei Jahren infiziert haben. In 10 bis 15 Prozent der Fälle müssen Covid-19-Patienten im Krankenhaus behandelt werden, ein Teil davon einige Tage lang auf Intensivstationen mit künstlicher Beatmung.

Und noch drei Fragen...

"Risikogruppen besonders schützen": Ein Impfstoff ist auf absehbare Zeit nicht in Sicht.
"Risikogruppen besonders schützen": Ein Impfstoff ist auf absehbare Zeit nicht in Sicht.  © 123RF/mirzamik

Darf ich bei der Schließung von Kitas und Schulen zu Hause bleiben, um meine Kinder zu betreuen?

Kinderbetreuung ist generell Sache des Arbeitnehmers. Würde man auf Arbeit unentschuldigt fehlen, wäre das ein Kündigungsgrund. Tipp: Sich mit dem Arbeitgeber einigen, zum Beispiel Home Office anbieten oder Abbummeln von Überstunden.

Bekomme ich in Zwangs-Quarantäne weiter Gehalt?

Für die Quarantäne-Dauer gibt es eine Entschädigung in Höhe des Nettolohns - längstens sechs Wochen. Nach sechs Wochen zahlt der Staat in Höhe des Krankengeldes weiter.

Ich kann nicht auf Arbeit fahren, weil ich mich in Bus und Bahn anstecken könnte!

Diese Ausrede hat vor keinem Arbeitsgericht Bestand. Niemand wird gezwungen, den ÖPNV für den Arbeitsweg zu nutzen.

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