Forscher haben klare Meinung: Deshalb war es bislang nicht lukrativ genug, an Corona zu forschen

Mainz - Tut Deutschland nicht genug für die Forschung an Medikamenten? War es bisher nicht lukrativ genug? Das zumindest kritisieren führende Forscher in Deutschland. Es gebe eine mangelnde staatliche Unterstützung deutscher Forschung zur Entwicklung von Medikamenten gegen das Coronavirus

Prof. Rolf Hilgenfeld: "Ich brauche Partner aus der Pharmaindustrie für die klinische Entwicklung ... Die Pharmaindustrie interessiert sich nicht."
Prof. Rolf Hilgenfeld: "Ich brauche Partner aus der Pharmaindustrie für die klinische Entwicklung ... Die Pharmaindustrie interessiert sich nicht."  © ARD/REPORT MAINZ

Mittwochabend gab es im "ERSTEN" den "REPORT aus Mainz". Thema unter anderem: "Kampf um Corona-Medikamente".

Gegenüber dem Polit-Magazin äußerten die Forscher, dass "vielversprechende Forschungsansätze in der Vergangenheit zu zaghaft finanziert worden seien". Das rächt sich nun bitter, denn dadurch sei versäumt worden, "sich auf die jetzige Pandemie besser vorzubereiten".

So kritisiert beispielsweise Virologe Prof. John Ziebuhr von der Universität Gießen, dass man bereits aus der SARS-Corona-Krise 2003, die in Asien Hunderte Todesopfer forderte, nicht die notwendigen Schlüsse gezogen habe. 

"Die Möglichkeit, dass das Virus in ähnlicher Form zurückkommen konnte, hat eben nicht dazu geführt, dass man gesagt hat, wir legen uns diese Medikamente bereit, falls das Virus zurückkommt."

Und weiter: "Das ist leider nicht passiert. Es hätte gelingen können, ganz allgemein für die Familie Coronaviren ein breitenwirksames antivirales Therapeutikum zu entwickeln." 

Notwendig dafür aber seien staatliche Mittel gewesen. Dieser Markt war für die Industrie eher zu unattraktiv gewesen.

Es sei zu schwer, an staatliche Gelder zu gelangen

Forschungsarbeiten im Labor von Prof. Rolf Hilgenfeld.
Forschungsarbeiten im Labor von Prof. Rolf Hilgenfeld.  © ARD/REPORT MAINZ

Der Tübinger Virologe und Immunologe Prof. Oliver Planz, dessen Forschungen laut "Verband der forschenden Arzneimittelhersteller" (VfA) zu den wenigen viel sprechenden Ansätzen aus Deutschland im Kampf gegen Coronaviren gelten, schildert es wie folgt: "Wir haben in der Vergangenheit Forschungsantrag um Forschungsantrag gestellt, um Bundesmittel zu bekommen, damit wir unsere Entwicklung in der Firma vorantreiben können."

Diese seien allesamt abgelehnt worden. 

"Und jetzt, in der jetzigen Situation, sieht man eigentlich, was man an unserem Produkt hat. Und das legt doch die Vermutung nahe, dass da einige Versäumnisse waren."

Ins selbe Horn bläst Prof. Rolf Hilgenfeld, Leiter einer Forschergruppe an der Universität Lübeck, die antivirale Wirkstoffe entwickelt, die laut VfA bereits für den Corona-Wirkstoff optimiert sind. 

Das Problem sei, dass die Aufmerksamkeit nach einzelnen Epidemien wie SARS im Jahr 2003 schnell wieder abflache: "Seit 2005 wurde es zunehmend schwieriger, an Forschungsgelder zu kommen. Und ich brauche Partner aus der Pharmaindustrie für die klinische Entwicklung, das können wir als akademische Institution nicht alleine stemmen. Die Pharmaindustrie interessiert sich nicht, das ist kein Markt", so Prof. Hilgenfeld im Interview mit REPORT. 

In China sei es dagegen leichter, an Gelder in diesem Bereich zu kommen.

REPORT aus Mainz wird von Fritz Frey moderiert.
REPORT aus Mainz wird von Fritz Frey moderiert.  © ARD/REPORT MAINZ

Prof. John Ziebuhr, Universität Gießen, findet auch deutliche Worte in der Sendung: "Es hätte gelingen können, für Coronaviren ein breitwirksames antivirales Therapeutikum zu entwickeln. Es hätte gelingen können. Wir hatten Zeit genug, wir hatten 17 Jahre dazwischen. Das ist auf jeden Fall ein Zeitraum, in dem das hätte passieren können."

Die Große Koalition hatte zwar im November einen "Beteiligungsfonds für Zukunftstechnologien" beschlossen, der bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) angesiedelt sei und ein Volumen von bis zu zehn Milliarden Euro umfassen solle. 

Jetzt reagierte das Bundesforschungsministerium offenbar, teilt REPORT auf seiner Homepage mit: "Man habe nach dem jetzigen Ausbruch der Corona-Pandemie die deutschen Mittel für die europäische Forschungsinitiative "Coalition for Epidemic Preparedness Innovations" (CEPI) um 140 Millionen Euro als 'Sofort-Maßnahme' zur Impfstoffentwicklung aufgestockt."

Erst am Dienstag sendete "Frontal21" im ZDF eine Sendung mit ähnlichem Thema (TAG24 berichtete).  

Den Beitrag "REPORT aus Mainz" könnt Ihr >> hier in der ARD-Mediathek finden. Alle Infos zur Lage in ganz Deutschland im +++ Coronavirus-Liveticker +++

Titelfoto: ARD/REPORT MAINZ

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