Arzt mit Corona-Klartext? Mediziner will Ängste nehmen und kritisiert Umgang mit Virus

Zürich (Schweiz) - Das Coronavirus und die damit einhergehenden wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Folgen sind derzeit überall ein Thema. Marc Christian Schäufele ist Intensivmediziner am Universitätsspital in Zürich - und seine Meinung zum Thema Corona schlägt auf der Videoplattform YouTube hohe Wellen.

Marc Christian Schäufele, Intensivmediziner, spricht in seinem Video über das Virus.
Marc Christian Schäufele, Intensivmediziner, spricht in seinem Video über das Virus.  © Screenshot/YouTube Marc Chrstian

Nachdem sich die Pandemie hierzulande als weitestgehend "im Griff" titulieren lassen könnte, bietet dies natürlich fruchtbaren Boden für den einen oder anderen Verschwörungstheoretiker.

Sind wir sicher? Hatten wir Glück? Waren die von der Regierung verhängten Maßnahmen erfolgreich oder letztlich überzogen? Zu viel Panik für zu wenig Problem?

Viele stellen sich eben genau diese Fragen. Final beantworten kann man sie wohl nicht zu 100 Prozent, zumindest noch nicht.

Wenn eine Thematik aber derart polarisiert, wie es die Coronavirus-Pandemie aktuell tut, gibt es dutzende Meinungen und Standpunkte.

Gräben zwischen der Politik und den Entscheidungsträgern sowie auch Teilen der Gesellschaft sind dabei zwangsläufig vorbestimmt. Grenzen können verschwimmen, irgendwo zwischen mangelnder Kommunikation, seriöser und unseriöser Berichterstattung sowie "alternativen" Medien - und im schlimmsten Fall wilden Verschwörungstheorien. 

Der als Oberarzt der Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin praktizierende Marc Christian Schäufele hat sich nun mit einem über zehnminütigen Video an die Außenwelt gewandt. Beinahe vorsichtig - jedoch mit fundiertem Wissen - hat er zunächst einmal ein Ziel: Minderung der Angst.

Hauptziel ist die Minderung der Angst

Ärzte an den Intensivbetten eines am Coronavirus Erkrankten. (Symbolbild).
Ärzte an den Intensivbetten eines am Coronavirus Erkrankten. (Symbolbild).  © Hannah Mckay/PA Wire/dpa

Er gibt Einblicke in seine  Gedanken und Meinungen zum Thema Corona, spricht über den "Lockdown" und die inzwischen ergriffenen Maßnahmen.

Das was er sagt, kann durchaus als regierungskritisch tituliert werden. 

Den Fehler, ihn jedoch sofort in die Ecke von Verschwörungstheoretikern zu stellen, würde seinen Beobachtungen schlicht nicht gerecht.

Jedoch muss man auch bei seiner Meinung bedenken: Der Umgang der Staaten beim Thema Corona ist nie deckungsgleich, lässt sich immer schwer vergleichen oder gar pauschalisieren. 

Jede Regierung handelt bis zu einem gewissen Maße für sich allein. 

Schäufele weist im Laufe des Videos auf vier wichtige Fakten im Zusammenhang mit dem Coronavirus hin. Für ihn steht inzwischen fest, dass der Verlauf der Covid-19-Erkrankung nüchtern betrachtet nicht den genommen hat, der vermutet worden war.

Er sieht, so sagt er, "häufig Patienten mit schweren Verläufen einer SARS-CoV-2-Infektion", die er als "schwere Erkrankungen" einstuft. "Viele der Patienten werden eine Erkrankung auch nicht überleben", so Schäufele weiter.

Dennoch sind die Zahlen im Vergleich zu anderen Grippen "letztes Jahr, vor fünf Jahren, vor zehn Jahren" ähnlich und "mild", wie er sagt. Ein großes Problem, welches er sieht, ist, dass die Menschen aktuell Angst haben.

Schäufele über vier wichtige Punkte im Umgang mit dem Coronavirus

Kritik an breiter Isolation

Das Virus als solches biete seiner Ansicht nach "für die überwiegende Mehrzahl aller Menschen kein signifikant hohes Risiko zu versterben". 

"Punkt zwei, der Schutz der Risikogruppen verhindert Bettenknappheit auf den Intensivstationen". Weiterhin kritisiert er in "Punkt drei" die breite Isolation. Diese würde nämlich schlicht und ergreifend nur eine breite Immunisierung verhindern, so der Mediziner. 

Besonders wichtig ist ihm jedoch sein Punkt vier: "Es sterben aktuell Menschen, aufgrund fehlender medizinischer Versorgung in anderen Bereichen". 

Gerade letzteres schlägt ihm aufs Gemüt und sei ein enormes Risiko für die Notfallmedizin, Patienten mit Herzinfarkten, oder Schlaganfällen. 

Auch die Prävention und entsprechende Untersuchungen käme zu kurz, meint Schäufele - in seinen Augen ein fataler Fehler.

Coronavirus: Vernünftiger und wissenschaftlicher Umgang wichtig

Gerade deshalb fordert er dringend einen "vernünftigen und wissenschaftlichen Umgang" mit der momentanen Situation rund um das Virus, nicht zuletzt um Menschenleben zu retten und Ängste zu nehmen. 

"Genau jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, für ein Gesundheitssystem einzustehen, genau so wie wir es wollen", beendet er schließlich Video und seinen Appell an das "Miteinander" im Umgang mit dem Virus.

Das Video sammelte auf YouTube innerhalb von vier Tagen fast eine halbe Million Klicks.

Update 21.35 Uhr: Marc Christian Schäufele nimmt Video von Plattform

Marc Christian Schäufele hat das YouTube-Video, das für Aufsehen gesorgt hat, inzwischen von der Plattform entfernt. 

Etwaige Hintergründe dafür sind derzeit nicht bekannt. 

Titelfoto: Screenshot/YouTube Marc Chrstian

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