Corona trifft die Ärmsten: Alternative Angebote der Tafeln

Bayreuth - Mit Lebensmittel-Paketen, Essenslieferungen und Einkaufsgutscheinen versuchen die Tafeln in Bayern, Bedürftige in der Corona-Krise zu unterstützen.

Mundmasken und Handschuhe sind der ständige Begleiter.
Mundmasken und Handschuhe sind der ständige Begleiter.  © Daniel Karmann/dpa

Von den rund 160 bayerischen Tafeln seien momentan 78 geschlossen, sagte Peter Zilles, Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes der Tafel Bayern mit Sitz in Bayreuth. Doch etwa die Hälfte versorge die Bedürftigen weiter aus der Ferne.

In Fürth gibt es seit Dienstag sogar eine alternative Tafel. Die Initiative "Fürther sind solidarisch" packe Mehl, Nudeln, Konserven, Hygieneartikel, Müsli, Kaffee und Tee in Tüten, erklärte Koordinator Martin Curi. 

Bei der Ausgabe sitzen die Freiwilligen mit Masken und Handschuhen hinter einer Plexiglasscheibe, die gepackten Tüten dürfen sich die Bedürftigen dann einzeln mitnehmen. "Wir machen das solange, bis die normale Tafel wieder öffnen kann", so Curi.

Die Ausgabe in Fürth sei geschlossen, weil die meisten Mitarbeiter Senioren seien und damit zur Risikogruppe gehören - das Problem haben nach Angaben des Landesverbands viele Tafeln in Bayern

Das Diakonische Werk Kronach-Ludwigsstadt/Michelau verteilt deshalb nach eigenen Angaben Gutscheine im Wert von zehn Euro, die Bedürftige bei Geschäften vor Ort einlösen könnten.

Großer Zulauf freiwilliger Helfer

Lebensmittel in Plastiktüten werden gepackt und an Zäune gehängt.
Lebensmittel in Plastiktüten werden gepackt und an Zäune gehängt.  © Daniel Karmann/dpa

Andere Städte und Gemeinden vermitteln stattdessen junge Ehrenamtliche an die Tafeln. "Bei uns helfen jetzt viele mit, die gerade in Kurzarbeit sind", sagte Christine Schmaderer, zweite Vorsitzende der Tafel Holzkirchen. "Es ist fast schon schwierig, so viele Helfer unterzubringen."

Auch in Landshut packen alle mit an, erzählte Koordinator Holger Peters. Weil die Räume der Tafel zu klein seien, dürfen die Mitarbeiter jetzt in der Turnhalle einer Grundschule Lebensmittel ausgeben. Feuerwehr und das Technische Hilfswerk sorgen dafür, dass alle Abstand halten. Eine Brauerei stelle einen Kühlwagen zur Verfügung. Während ältere Mitarbeiter im Hintergrund die Lebensmittel vorbereiten, verteilen sie Jüngere an die Bedürftigen.

Manche Menschen hängen auch einfach Plastiktüten mit haltbaren Lebensmitteln oder warmer Kleidung für Obdachlose an einen Zaun. Doch in einigen Städten sind solche Gabenzäune inzwischen verboten. In Coburg gibt es laut Stadt beispielsweise nur zwei Wohnungslose, die nicht zugegriffen hätten. Aus hygienischen Gründen habe man den Zaun deshalb geräumt.

Auch in München gibt es nach Bedenken der Wohnungslosenhilfe keine Gabenzäune mehr. Dafür betreibt die Caritas in Zusammenarbeit mit der Diakonie, der Bahnhofsmission und der Stadt München zwei Foodtrucks. 

"Wir verteilen dort täglich 500 bis 600 Suppen", sagte Bettina Bäumlisberger vom Caritasverband der Erzdiözese München und Freising. "Es gibt genug Bedürftige, die keine Berechtigung für die Tafel haben und trotzdem Hunger haben."

Titelfoto: Daniel Karmann/dpa

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