Bekannter Wirkstoff könnte Durchbruch für Corona-Heilmittel sein

Chicago - COVID-19-Patienten, die den Wirkstoff Remdesivir erhalten haben, sollen sich schon wenige Tage nach der Einnahme von ihrer Corona-Infektion erholt haben.

Ein Mitarbeiter vom Universitätsklinikum Eppendorf hält eine Ampulle des Medikamentes Remdesivir in seiner Hand.
Ein Mitarbeiter vom Universitätsklinikum Eppendorf hält eine Ampulle des Medikamentes Remdesivir in seiner Hand.  © Ulrich Perrey/dpa-POOL/dpa

Remdesivir ist ein experimenteller Wirkstoff, der noch nicht als Arzneimittel zugelassen ist. Bislang wurde er wegen seiner virostatischen Eigenschaften zum Einsatz gegen Ebola- und Marburgvirusinfektionen entwickelt.

Virostatisch bedeutet, dass der Wirkstoff die Vermehrung von Viren hemmt. Auf dieser Grundlage haben Wissenschaftler der Universität Chicago im Kampf gegen das neuartige Coronavirus geforscht. Die Studienergebnisse wurden auf dem Gesundheitsportal "STAT" vorgestellt.

Die mit dem COVID-19-Virus erkrankten Patienten, die an der klinischen Studie teilnahmen, zeigten alle schwere Atemwegsbeschwerden und Fieber. 

Sie bekamen täglich eine Remdesivir-Infusionen und "nach weniger als einer Woche Behandlung" konnten die meisten von ihnen das Krankenhaus wieder verlassen, zitiert "STAT" die Studienleiterin und Spezialistin für Infektionskrankheiten, Dr. Kathleen Mullane.

In einem Interview mit CNN wies Mullane ausdrücklich darauf hin, dass es sich vorerst lediglich um "Teildaten aus einer laufenden klinischen Studie" handele, die "per Definition unvollständig" sind und deshalb noch "nicht verwendet werden sollten, um Schlussfolgerungen über die Sicherheit oder Wirksamkeit einer potenziellen Behandlung zu ziehen". 

Derzeit werde weiterhin untersucht, ob Remdesivir als Wirkstoff gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 eingesetzt werden könne. Aber es gibt noch keine zugelassene Therapie, um COVID-19 zu behandeln.

Ergebnisse aus Wirkstoffstudien in drei Monaten erwartet

Bevor ein Medikament zugelassen wird, müssen alle enthaltenen Stoffe auf Wirksamkeit und Verträglichkeit geprüft werden (Symbolbild).
Bevor ein Medikament zugelassen wird, müssen alle enthaltenen Stoffe auf Wirksamkeit und Verträglichkeit geprüft werden (Symbolbild).  © 123rf.com/Kateryna Kon

Denn die Studie umfasste nicht die so genannte Kontrollgruppe, sondern lediglich 125 Infizierte nahmen teil, davon 113 mit besonders schweren Symptomen (Fieber, Atembeschwerden).

Darum sei es schwierig zu sagen, ob der Wirkstoff den Patienten wirklich hilft, sich schnell zu erholen. Im Auftrag von Gilead Sciences, einem US-Pharmazie- und Biotechnologieunternehmen mit Sitz in Foster City (Kalifornien), laufen deshalb bereits weitere Versuche mit Remdesivir in Dutzenden anderen klinischen Zentren der USA und weltweit.

Neue medizinische Erkenntnisse erhofft sich das Unternehmen bis Ende April.

Der Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Karl Broich, rechnet in drei Monaten mit ersten Studienergebnissen zur Behandlung von Covid-19. 

Bis dahin würden Daten aus zwei großen Studien zur Substanz Remdesivir in Deutschland mit mittelschwer und schwer erkrankten Patienten erwartet, sagte Broich am Freitag in Berlin. 

Laut Broich laufen auch noch klinische Test zu verschiedenen Dosierungen mit dem Malaria-Mittel Hydroxychloroquin. Der Wirkstoff hat allerdings erhebliche Nebenwirkungen, darunter Sehstörungen, Bronchialkrämpfe und Stimmungsschwankungen.

Titelfoto: 123rf.com/Kateryna Kon, Ulrich Perrey/dpa-POOL/dpa

Mehr zum Thema Coronavirus:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0