Mainzer Unternehmen testet Corona-Impfstoff am Menschen

Mainz/Berlin - Das Mainzer Unternehmen Biontech darf deutschlandweit zum ersten Mal einen Impfstoff-Kandidaten gegen das neue Coronavirus am Menschen testen.

Mitarbeiter des Biotechnologie-Unternehmens Biontech beraten sich im Labor.
Mitarbeiter des Biotechnologie-Unternehmens Biontech beraten sich im Labor.  © dpa/Biontech/Stefan Albrecht

Es erhielt dafür am Mittwoch die Genehmigung von dem im hessischen Langen sitzenden Paul-Ehrlich-Institut (PEI).

Biontech ist eigentlich auf die Entwicklung individualisierter Krebs-Medikamente spezialisiert und startete Mitte Januar das Impfstoff-Projekt (TAG24 berichtete), das nun einen wichtigen Schritt genommen hat.

Intern wird das am 16. Januar gestartete Covid-19-Programm der Mainzer "Lightspeed" genannt, Lichtgeschwindigkeit, wie der Onkologe und Biontech-Mitbegründer Ugur Sahin am Mittwoch bei einer gemeinsamen Video-Pressekonferenz von PEI und Biontech berichtete.

Bei dem Vorhaben solle der schnellstmögliche Weg genutzt werden. Konkret heißt die Genehmigung des PEI nun, dass Biontech den Wirkstoff BNT162b1 in einer klinischen Studie an Freiwilligen testen darf.

Laut Biontech soll es zunächst Tests an rund 200 gesunden Menschen zwischen 18 und 55 Jahren geben. Es handelt sich um eine sogenannte Phase I/II Studie. Die Tests sollen nach Unternehmens-Angaben in Deutschland stattfinden.

Es geht zum einen um Sicherheit und Verträglichkeit des Impfstoffs. Zum anderen wird untersucht, ob das Mittel beim Geimpften eine spezifische Immunantwort gegen den Erreger auslöst. Diese ist notwendig, um einen Menschen vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 zu schützen. Auch die optimale Impfstoff-Dosis soll bei den Tests ermittelt werden.

Die Studie soll Ende April beginnen, erste Daten sollen im Juni vorliegen. Sollten diese ersten Tests positiv verlaufen, sollen mehr Probanden und auch Risikopatienten in die Prüfung einbezogen werden. Die Frage, wann ein Impfstoff für die breite Bevölkerung zur Verfügung stehen könnte, ist laut PEI derzeit nicht zu beantworten.

Gesundheitsminister Jens Spahn spricht von einem guten Signal

Gesundheitsminister Jens spricht von einem guten Signal. Es werde aber noch Monate dauern, bis tatsächlich ein Impfstoff zur Verfügung steht (Archivbild).
Gesundheitsminister Jens spricht von einem guten Signal. Es werde aber noch Monate dauern, bis tatsächlich ein Impfstoff zur Verfügung steht (Archivbild).  © dpa/Michael Keppeler

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach von einem guten Signal. Es werde aber noch Monate dauern, bis tatsächlich ein Impfstoff zur Verfügung stehen könne, schränkte er ein.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) nannte die Genehmigung "einen Hoffnungsschimmer" im Kampf gegen das Coronavirus. Viele Menschen hätten große Hoffnungen, dass die Entwicklung eines Impfstoffs gelinge. Es sei schön, dass Biontech ganz vorne mit dabei sei.

Ein Impfstoff gilt als das zentrale Mittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lars Schaade, hatte erst am Dienstag betont, dass die Menschen in Deutschland solange durch ihr Verhalten Neuinfektionen vermeiden müssten, bis ein Impfstoff verfügbar sei.

Biontech-Chef Sahin sagte in der Video-Pressekonferenz: "Impfstoffe stellen die einzige dauerhafte Lösung für die Covid-19-Pandemie dar."

In einer Mitteilung hieß es, Biontech freue sich, dass es nun bald mit dieser ersten Studie am Menschen früher als erwartet beginnen werde. "Die Geschwindigkeit, mit der wir von der Initiierung des Programms bis hin zum Beginn der Studie voranschreiten konnten, spricht für das hohe Engagement aller Beteiligten", sagte Sahin.

Das Mainzer Unternehmen kooperiert bei der Entwicklung des Impfstoffs mit dem US-amerikanischen Pharmaunternehmen Pfizer. Eine Studiengenehmigung in den USA werde in Kürze erwartet, hieß es.

Biontech sieht sich nach eigenen Angaben gemeinsam mit Pfizer vorbehaltlich einer Genehmigung eines Impfstoffs in der Lage, vom Jahr 2021 an Hunderte Millionen an Dosen produzieren zu können. Wie viele genau, lasse sich noch nicht sagen, da noch unklar sei, welche Dosierung für eine Impfung nötig sei.

Titelfoto: dpa/Biontech/Stefan Albrecht

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