Bonner Museum sammelt Objekte der Corona-Krise

Bonn – Corona kommt ins Museum: Das Haus der Geschichte in Bonn sammelt schon seit Monaten fleißig Dinge, die die Pandemie und ihre Auswirkungen dokumentieren.

Der Fußball des ersten Geisterspiels in der Fußball Bundesliga (Borussia Mönchengladbach - 1.FC Köln am 11.0.2020) wird im Haus der Geschichte gezeigt. Das Haus der Geschichte beginnt mit dem Sammeln von Corona Objekten.
Der Fußball des ersten Geisterspiels in der Fußball Bundesliga (Borussia Mönchengladbach - 1.FC Köln am 11.0.2020) wird im Haus der Geschichte gezeigt. Das Haus der Geschichte beginnt mit dem Sammeln von Corona Objekten.  © Oliver Berg/dpa

Mehr als 400 Objekte sind bereits im Fundus - von Atemschutzmasken aller Art bis zu Abstrichröhrchen für PCR-Tests. 

"Spätestens mit dem Lockdown im Frühjahr war klar, dass Corona die ganze Gesellschaft betrifft und somit ein großes zeitgeschichtliches Ereignis ist", sagt Sammlungsdirektor Dietmar Preißler. 

Deshalb sei es wichtig, Erinnerungsstücke der Krise für die Zukunft zu sichern.

Ein Bierkranz und Getränkebons von der Karnevalssitzung in Gangelt im Kreis Heinsberg stehen symbolisch für den Beginn der Pandemie in Deutschland. 

Vom ersten Geisterspiel der Fußball-Bundesliga am 11. März - Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln - zeugen der Original-Ball und das Trikot des Profis Christoph Kramer. 

Ein Street-Art-Kunstwerk zeigt eine Krankenschwester als "Super-Woman". Es gibt Bestatter-Schutzbekleidung und Zubehör aus einer Drive-In-Teststation der Kerpener Feuerwehr.

Zeitgeschichtliches Ereignis: Erinnerung an Klopapier-Wahn und ausgefallene Feste

Eine Person steht in der Innenstadt mit zwei XXL-Packungen mit Toilettenpapier an einer Straßenbahnhaltestelle. Zu Beginn der Corona-Krise waren die Klopapier-Regale von Supermärkten wochenlang leer.
Eine Person steht in der Innenstadt mit zwei XXL-Packungen mit Toilettenpapier an einer Straßenbahnhaltestelle. Zu Beginn der Corona-Krise waren die Klopapier-Regale von Supermärkten wochenlang leer.  © Uli Deck/dpa

Ein Schild aus einem Supermarkt warnt vor Hamsterkäufen und mahnt Kunden, nur ein Paket Toilettenpapier zu kaufen. 

"Das Klopapier selbst haben wir nicht aufgenommen, denn das gab es ja nicht", sagt Preißler. 

Ein ganz anderes Beispiel, für etwas, das es nicht gab: Ein bereits beschrifteter Bierkrug für das abgesagte Münchner Oktoberfest 2020 steht stellvertretend für die vielen ausgefallenen Volksfeste.

Um an geeignete Sammlungsstücke heranzukommen, fragen die Mitarbeiter gezielt bei Personen oder Institutionen an, ob sie ihnen Gegenstände zur Verfügung stellen. 

"Es kommen aber auch Leute auf uns zu, die uns von sich aus Dinge anbieten." 

So habe sich erst kürzlich ein Ehepaar gemeldet, das die Feier zu seiner Goldenen Hochzeit wegen Corona absagen musste - und die eingeladenen Gäste mit einem selbstverfassten Gedicht darüber informiert hatte. Dieses Gedicht zeige beispielhaft, wie Corona die persönlichen Pläne von Menschen zunichte macht.

Dietmar Preißler, Sammlungsdirektor im Haus der Geschichte, zeigt einen Bierkrug des abgesagten Oktoberfestes 2020.
Dietmar Preißler, Sammlungsdirektor im Haus der Geschichte, zeigt einen Bierkrug des abgesagten Oktoberfestes 2020.  © Oliver Berg/dpa

Auswahl aus Millionen von Objekten

Außenansicht des Hauses der Geschichte in Bonn (Archivbild).
Außenansicht des Hauses der Geschichte in Bonn (Archivbild).  © Jörg Carstensen/dpa

Doch längst nicht alle Gegenstände, die interessant erscheinen, können Eingang in die Sammlung finden. 

"Wir müssen eine Auswahl aus Millionen von Objekten treffen", erläutert Preißler. "Sie müssen typisch und originell sein und eine Geschichte erzählen." 

Dazu haben die Mitarbeiter ein Sammlungskonzept entwickelt, mit Kategorien wie "Corona im Alltag", "Corona und Wirtschaft" oder "Corona in den Medien". 

Alle aufgenommenen Objekte werden mit ausführlichen Angaben in eine Datenbank eingetragen und im Depot gelagert. 

Später können sie dann für Ausstellungen im Haus der Geschichte oder anderen Museen hervorgeholt werden.

Titelfoto: Uli Deck/dpa

Mehr zum Thema Coronavirus:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0