Sind viele Menschen mit Corona infiziert, ohne es zu merken?

Bremen/Hannover - Wie viele Menschen sind mit dem Coronavirus infiziert, ohne daran zu erkranken? Die Zahl könnte ziemlich hoch sein. Deswegen sollten nach Ansicht von Bremens Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) Menschen in Pflegeheimen, Flüchtlingsunterkünften und Krankenhäusern auch ohne Symptome bundesweit auf das Coronavirus getestet werden.

Ein Coronatest wird im Labor beschriftet. (Symbolbild)
Ein Coronatest wird im Labor beschriftet. (Symbolbild)  © Manu Fernandez/AP/dpa

"Es gibt Menschen, die sich mit dem Virus infizieren, die aber nichts spüren", sagte Stagmann am Donnerstag. Die Standardtestung müsse deutschlandweit strukturell hochgefahren werden auch bei Menschen, die im sozialen Bereich tätig seien oder mit Kunden zu tun hätten. "Gerade wenn wir mehr Lockerungen durchführen, brauchen wir mehr Tests."

Bremen macht dies anders als Niedersachsen bereits in Erstaufnahmeeinrichtungen. In einer Einrichtung im Stadtteil Vegesack wurden 120 von 374 Bewohnerinnen und Bewohnen positiv auf das Coronavirus getestet. Bei 69 steht das Ergebnis noch aus. 

Allen positiv Getesteten gehe es gut. Keiner liege krank im Bett oder sei im Krankenhaus, sagte Stahmann. Die Tests seien wichtig, weil den Betroffenen nicht bewusst sei, dass sie infiziert seien und andere anstecken könnten.

In Niedersachsen erfolgt ein Test auf das Coronavirus in den Erstaufnahmeeinrichtungen ausschließlich bei Vorliegen von Krankheitssymptomen, wie die Landesaufnahmebehörde (LAB) auf Anfrage mitteilte. 

Die LAB unterhält an fünf Standorten und zwei Außenstellen Aufnahmeeinrichtungen. Dort seien mit Stand vom Donnerstag 3081 Menschen untergebracht. 

"Es gab bisher zwei bestätigte Infektionsfälle mit Covid-19. Beide Personen sind inzwischen genesen. Diese Personen habe keine Behandlung im Krankenhaus in Anspruch genommen", hieß es in einer Antwortmail.

Einrichtung nimmt vorerst keine neuen Flüchtlinge mehr auf

In der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber und Flüchtlinge im Lande Bremen (ZASt) im Stadtteil Vegesack gibt es viele Infektionen mit dem Coronavirus.
In der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber und Flüchtlinge im Lande Bremen (ZASt) im Stadtteil Vegesack gibt es viele Infektionen mit dem Coronavirus.  © Sina Schuldt/dpa

An all diesen Standorten gilt inzwischen die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Dazu werde einerseits auf selbstgenähte Masken aus Nähprojekten von Bewohnerinnen und Bewohnern zurückgegriffen. 

Zudem würden Einmalmasken ausgegeben. In Bremen gibt es keine Maskenpflicht in den Einrichtungen, aber eine Empfehlung.

Für die Einrichtung in Bremen-Vegesack wurde die Erstaufnahme aufgrund der Coronavirus-Infektionen gestoppt. Neuankömmlinge werden in einer Außenstelle in Bremen-Obervieland untergebracht. 

In dem für 750 Menschen ausgelegten Gebäude in Vegesack soll das W-LAN-Netz verstärkt, die Lüftungsanlage in eine Klimaanlage umgewandelt und bis Ende nächste Woche ein Konzept für ein neutrales Beschwerdesystem erarbeitet werden.

Stahmann zeigte Verständnis für Kritik an den Bedingungen in Vegesack, mahnte aber zur Sachlichkeit. Das vierstöckige Gebäude sei 2016 umgebaut worden und baulich in gutem Zustand. Der Begriff "Lager" sei nicht passend.

Die Einrichtung lasse sich keineswegs vergleichen mit den "slumartige Verhältnissen" in Lagern in Griechenland, der Türkei oder anderen Ländern, wo Zehntausende Menschen zusammengepfercht leben müssten, obwohl nur Platz für 3000 sei.

Titelfoto: Manu Fernandez/AP/dpa

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