Britische Corona-Freiheit zu bitterem Preis? Krankenhaus-Einweisungen auf Langzeithoch

London - Seit nunmehr fünf Tagen ist die Corona-Pandemie in England von Regierungsseite aus mehr oder weniger vorbei. Bürger müssen sich nicht mehr an Abstandsregeln halten, auch die Maske wurde zu einer bloßen Empfehlung degradiert. Doch schon vorm sogenannten "Tag der Freiheit" waren die Regeln auf der gesamten Insel eher lax - und das spiegelt sich jetzt in einem Halbjahreshoch bei den Krankenhauseinweisungen wider.

In Großbritannien steigt aktuell nicht nur die Zahl der Corona-Fälle, auch Krankenhauseinweisungen gibt es auf der Insel zurzeit so viele wie seit Monaten nicht mehr.
In Großbritannien steigt aktuell nicht nur die Zahl der Corona-Fälle, auch Krankenhauseinweisungen gibt es auf der Insel zurzeit so viele wie seit Monaten nicht mehr.  © Jefferson Bernardes/AP/dpa

Nach Angaben des "Guardian" wurden am 19. Juli 752 neue Covid-Patienten in Krankenhäuser eingewiesen. Das entspricht einem Anstieg von 21 Prozent zur Vorwoche und ist der höchste Tageswert seit knapp einem halben Jahr (21. Februar).

Insgesamt müssen aktuell 4658 Briten in Krankenhäusern behandelt werden. Anfang Juni waren es noch etwas mehr als 900, vergleichbare Zahlen meldete das zuständige "Public Health England" zuletzt am 25. März.

Doch wie schaut es bei denjenigen Patienten aus, die zusätzlich an ein Beatmungsgerät angeschlossen sind?

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Auch hier ist ein deutlicher Trend zu sehen. 618 Patienten klingen wenig, bedeuten aber nahezu eine Verfünffachung zum Beginn des letzten Monats.

Dient Großbritannien also als Beispiel dafür, wie ein Land wieder zur Normalität zurückkehren kann?

Präsident der Bundesärztekammer warnt vor frühen Lockerungen, will lieber weiter abwarten und beobachten

Klaus Reinhardt (61) ist der Präsident der Bundesärztekammer.
Klaus Reinhardt (61) ist der Präsident der Bundesärztekammer.  © Gregor Fischer/dpa

Klaus Reinhardt (61), Präsident der Bundesärztekammer, hat da eine klare Meinung.

Angesichts der auch in Deutschland wieder steigenden Zahl an Neuinfektionen sagte er der Passauer Neuen Presse: "Das finde ich sehr, sehr gewagt. Ob der jetzige Zeitpunkt mit stark steigenden Infektionszahlen der richtige Moment dafür ist, halte ich für mehr als fragwürdig."

Seiner Meinung nach sollte man abwarten und beobachten, denn "wir wissen noch nicht, wie sich vor dem Hintergrund der Impfkampagne die Zahl schwerer Verläufe entwickelt". Dafür müssten Daten von Covid-Patienten von allen Stationen ausgewertet werden.

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"Die Inzidenz alleine ist wenig aussagekräftig. Wenn Menschen mit zweifacher Impfung deutlich seltener schwer erkranken, dann muss das in die Entscheidung über Öffnungsschritte einbezogen werden", so Reinhardt.

Titelfoto: Jefferson Bernardes/AP/dpa

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