Bundesweiter Aufruf: So viele "Querdenker" kamen heute nach Karlsruhe!

Karlsruhe - Die Stadt Karlsruhe und die Polizei wappnen sich für eine "Querdenker"-Demonstration am Donnerstag (ab 13 Uhr) und Gegenveranstaltungen - unter anderem vom antifaschistischen Aktionsbündnis Karlsruhe.

"Impfen? Nein Danke!", steht auf dem Schild eines Demonstranten, der an einer Demonstration der Initiative "Querdenken" am Donnerstag in Karlsruhe teilnimmt.
"Impfen? Nein Danke!", steht auf dem Schild eines Demonstranten, der an einer Demonstration der Initiative "Querdenken" am Donnerstag in Karlsruhe teilnimmt.  © Christoph Schmidt/dpa

Genehmigt ist nach Angaben von Ordnungsamtsleiter Maximilian Lipp, dass die "Querdenker" mit 1500 Teilnehmern in der Günther-Klotz-Anlage protestieren.

Die Maskenpflicht entfalle nur, wenn Angehörige eines Hausstands wie von den Organisatoren geplant auf einer Decke Platz nehmen.

Zu der Demo gegen die Corona-Politik mit dem Motto "Finger weg von unseren Kindern" ist unter anderem der Gründer der "Querdenken"-Bewegung, Michael Ballweg, angekündigt. Bis Mittwochnachmittag waren die Veranstalter nicht gegen die Auflagen vor Gericht gezogen.

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Bei zwei Gegendemos seien 200 sowie 200 bis 300 Teilnehmer geplant, sagte Lipp. Es gebe eine weitere Veranstaltung zur Corona-Thematik, die aber keine Gegenveranstaltung zu den "Querdenkern" sein solle.

Die Polizei stellt sich einem Sprecher zufolge auf mögliche Konflikte zwischen "Querdenkern" und Aktivisten aus dem linken Spektrum ein, die ebenfalls in Nähe der Grünanlage demonstrieren wollen. Man sei mit "genügend" Beamten im Einsatz. Eine Zahl nannte er nicht.

Bundesweiter Aufruf zu Demo

Oberbürgermeister Frank Mentrup (56, SPD) sagte, bislang habe man mit der Anmelderin der "Querdenker"-Demo in Karlsruhe keine negativen Erfahrungen gemacht. Es gebe aber einen bundesweiten Aufruf, nach Karlsruhe zu kommen. Daher könnten am Ende mehr als 1500 Menschen dort sein.

Dann werde es vom Verantwortungsbewusstsein der Leute und vom Fingerspitzengefühl der Behörden abhängen, wie das gelöst wird. Unter Umständen müsse die Demo aufgelöst werden, sagte Lipp.

Der Oberbürgermeister betonte, dass es anders als in anderen Orten aber keinen Aufruf gebe, gezielt gegen Hygienevorgaben zu verstoßen.

Update, 15.26 Uhr: 800 "Querdenker" kommen zum Protest

Linke Gegendemonstranten und Polizei stehen sich gegenüber.
Linke Gegendemonstranten und Polizei stehen sich gegenüber.  © Christoph Schmidt/dpa

Die Polizei zählte bei der Veranstaltung mit dem Motto "Finger weg von unseren Kindern" am Donnerstag nach eigenen Angaben rund 800 Teilnehmer. Genehmigt waren bis zu 1500 Menschen.

Zu den Rednern auf der Bühne zählte auch "Querdenken"-Gründer Michael Ballweg aus Stuttgart. Ein ursprünglich von den Veranstaltern geplanter Demo-Zug durfte nicht stattfinden.

Eine Gruppe von etwa 50 Gegendemonstranten habe versucht, die Kundgebung zu stören, sagte ein Polizeisprecher. Hier seien die Einsatzkräfte eingeschritten und hätten die Personalien aufgenommen.

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Insgesamt sprach die Polizei am Rande der "Querdenken"-Kundgebung von rund 250 Gegendemonstranten.

Update, 18.46 Uhr: Polizei zieht Einsatzbilanz

Teilnehmer der "Querdenker"-Demo haben sich als Sturmtruppen aus "Star Wars" verkleidet.
Teilnehmer der "Querdenker"-Demo haben sich als Sturmtruppen aus "Star Wars" verkleidet.  © Christoph Schmidt/dpa

Am Abend zog die Karlsruher Polizei Bilanz.

Hunderte Einsatzkräfte waren am Donnerstag im Einsatz. "Durch eine konsequente Separierung der einzelnen Teilnehmergruppen konnte das Gelingen der Veranstaltungen gewährleistet werden", schreiben die Beamten.

Rund 800 "Querdenker" versammelten sich demnach ab 12.30 Uhr in der Günther-Klotz-Anlage. "Während der An- und Abreise kam es zu zahlreiche Verstößen gegen das Abstandsgebot und die Maskentragepflicht. Die Ermittlungen hierzu dauern an."

Während der Bühnendarbietungen und Redebeiträge am sogenannten "Mount Klotz", kam es zunächst zu keinen größeren Störungen oder Verstößen.

"Unweit der Bühne hatten sich bereits etwa 60 Personen linker Gruppierungen versammelt, die ebenfalls lautstark demonstrierten", heißt es weiter.

Gegen 17 Uhr löste sich die Versammlung vollständig auf.

Zu der bereits bestehenden Gegendemonstration kamen weitere rund 250 Anhänger des Antifaschistischen Aktionsbündnis Karlsruhe hinzu. Durch "konsequente Separierung" beider Gruppen wurde ein Aufeinandertreffen verhindert. "Beim Einschreiten der Kräfte kam es vereinzelt zu Beleidigungen."

Gegen 15.30 Uhr hatten die Teilnehmer des Antifaschistischen Aktionsbündnis Karlsruhe das Areal der Günther-Klotz-Anlage verlassen um mit einem anschließenden Aufzug ihren Protest weiter kund zu tun. Über eine Grünanlage entlang der Walter-Eucken-Schule gingen die verbleibenden rund 160 Teilnehmer über die Steinhäuserstraße und Roonstraße zum Hauptbahnhof, wo die Veranstaltung gegen 16.15 Uhr nach einer kurzen Abschlusskundgebung auf dem Bahnhofplatz beendet wurde.

"Nach Beendigung der Veranstaltungen in der Günther-Klotz-Anlage wurden Sachbeschädigungen an Fahrzeugen festgestellt, die im Zusammenhang mit den Veranstaltungen stehen könnten", so die Beamten. Bei weiteren Versammlungen im Stadtgebiet kam es zu keinen besonderen polizeilichen Lagen. Sie verliefen störungsfrei und ohne Zwischenfälle.

So nahmen an einer weiteren Versammlung am "Platz der Menschenrechte" etwa 40 Personen teil. Bei der auf dem Karlsruher Kronenplatz angemeldeten Versammlung "Wissen statt Angst" konnte kein Personenaufkommen festgestellt werden.

Unter dem Motto "Popup Bikelane" versammelten sich etwa 20 Teilnehmer im Bereich der Karlsruher Fritz-Erler-Straße. Die Versammlung endete gegen 15.30 Uhr. Besondere Vorkommnisse waren auch hier nicht zu verzeichnen.

Titelfoto: Christoph Schmidt/dpa

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