Corona-Ausgangssperre: In diesem Land prügelt die Polizei Leute nieder

Neu-Delhi (Indien) - In Indien besteht seit der Nacht zu Mittwoch eine harte Ausgangssperre. Jetzt dürfen Inder nur noch zum Arzt oder Lebensmitteleinkauf ihre Wohnung verlassen.

Ein Motorradfahrer zeigt bei einer Straßenkontrolle in Prayagraj Polizisten ein ärztliches Rezept.
Ein Motorradfahrer zeigt bei einer Straßenkontrolle in Prayagraj Polizisten ein ärztliches Rezept.  © dpa/Rajesh Kumar Singh/AP

Es fahren weder Züge, noch Taxen. Flüge in das Ausland gibt es schon seit vielen Tagen nicht mehr, nun auch keine Inlandsflüge mehr.

Die neuen Maßnahmen zum Schutz der Coronavirus-Ausbreitung gelten in so gut wie jedem Bundesstaat in Indien. Vor allem in der Hauptstadt Neu-Delhi werden sie jedoch sehr streng kontrolliert.

Im indischen Fernsehen sagte Gesundheitsminister Satyendar Jain deshalb: "Heute scheint nun allen klar geworden zu sein, dass wirklich nichts mehr geöffnet hat hier - außer Apotheken, Ärzte und Krankenhäuser und einige Läden mit Lebensmitteln."

Wer sich nicht an die Ausgangssperre halte, so der Minister, werde bestraft oder verhaftet. Ausnahmen, wie es sie in Deutschland beispielsweise für Sport oder bei Pflegefällen in der Familie gibt, gibt es in Indien nicht.

Wie die Bestrafung aussieht, ließ der Minister offen. Vermutlich aus gutem Grund...

Polizisten dreschen sofort auf Passanten ein

In Videos, die vor allem auf Twitter zu sehen sind, wird jedoch deutlich, was die Bestrafung ist.

Polizisten sind in einem kurzen Filmen zu sehen, wie sie einen Autofahrer ansprachen und fragten, wohin er mit seinen Mitfahrern wollte. Anschließend wurden die Insassen des Fahrzeugs auf die Straße gebeten.

Zuerst sprachen die Polizisten nur mit den Personen und drohten mit ihren Stöcken. Sobald aber alle auf der Straße waren, ließen sie Taten auf ihre Worte folgen. Die Insassen durften nicht mehr antworten. Sie wurden sofort verprügelt.

Brutalität auch auf dem Markt

Ein anderes Video zeigt einen ähnlichen Sachverhalt: Polizisten gingen darin über einen Straßenmarkt und drohten den Besuchern. Mit ihren Stöcken räumten sie die Verkaufsstände ab und zerstörten auch verschiedene Lebensmittel, obwohl diese ja im Moment noch verkauft werden dürfen.

Viele Inder können nun nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen und sind ratlos. Weil sie ihre Miete nicht mehr zahlen können, ziehen vor allem Tagelöhner nun in Scharen zu ihren Eltern auf die Dörfer.

Menschen tragen in Hyderabad Mundschutz als Vorsichtsmaßnahme gegen COVID-19 und ziehen über die Straßen.
Menschen tragen in Hyderabad Mundschutz als Vorsichtsmaßnahme gegen COVID-19 und ziehen über die Straßen.  © dpa/Mahesh Kumar A/AP

Doch durch die Ausgangssperren sollten diese Szenen eigentlich vermieden werden. 

Das jetzt so viele Inder zur selben Zeit auf denselben Straßen unterwegs sind, führt womöglich dazu, dass schon bald wesentlich mehr mit dem neuartigen Coronavirus infiziert sind.

Die Situation ist zudem gefährlich, weil sich das Virus so auch auf dem Land verteilt, wo die gesundheitliche Versorgung sehr schlecht ist.

In Indien sollen derzeit etwas mehr als 650 Menschen mit dem Coronavirus infiziert sein. Lediglich 13 starben daran. Die Zahlen sind im Vergleich zur Bevölkerung Indiens (1,3 Milliarden Einwohner) sehr gering. Das liegt daran, dass in dem Land kaum Corona-Tests durchgeführt werden.

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Titelfoto: dpa/Rajesh Kumar Singh/AP, Screenshot/Twitter/Sunil Garg

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