Corona behindert Polizeifahndung: Mehr als 2000 Haftbefehle in Thüringen offen

Erfurt - Ende 2019 hatte die Thüringer Polizei in einer dreitägigen Aktion Hunderte Haftbefehle vollstreckt. Corona verhindert eine Wiederholung eines solchen großen Einsatzes in diesem Jahr.

Zwei Angeklagte in Handschellen. Die Corona-Krise behindert die Fahndung der Thüringer Landespolizei nach Personen die per Haftbefehl gesucht werden. (Archiv)
Zwei Angeklagte in Handschellen. Die Corona-Krise behindert die Fahndung der Thüringer Landespolizei nach Personen die per Haftbefehl gesucht werden. (Archiv)  © arifoto UG/dpa-Zentralbild/dpa

Die Corona-Krise behindert die Fahndungen der Landespolizei nach Personen die per Haftbefehl gesucht werden. Das Virus sei auch ein Grund dafür, dass die Landespolizei dieses Jahr auf eine konzentrierte und landesweite Fahndungsaktion verzichte, wie es sie Ende 2019 gegeben hatte, sagte ein Innenministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

In Absprache mit der Justiz gelte es dieses Jahr, Sammeltransporte in die Thüringer Gefängnisse zu vermeiden. Die Polizei hatte im November 2019 in einer landesweiten, dreitägigen Aktion insgesamt 475 offene Haftbefehle gegen Männer und Frauen vollstreckt.

So waren nach damaligen Polizeiangaben 117 Menschen in die Gefängnisse im Land gebracht worden. Eine weitere Person war in ein Haftkrankenhaus eingeliefert worden.

Viele andere Menschen, gegen die offene Haftbefehle vorlagen, hatten ausstehende Geldforderungen gegen sie bezahlt und waren deshalb einem Gefängnisaufenthalt entgangen. Die Aktion war als großer Erfolg gefeiert worden.

Mehr als 2000 offene Haftbefehle

Nach Angaben des Innenministeriums gab es in Thüringen zuletzt mehr als 2000 offene Haftbefehle. Ihre Zahl schwanke jeden Tag und habe zum Stichtag 1. Dezember 2020 bei genau 2338 gelegen.

Damit sei es alles in allem gelungen, die Anzahl der offenen Haftbefehle auch in den Zeiten von Corona in etwa auf dem Niveau des Vorjahres zu halten, sagte der Sprecher.

Von den offenen Haftbefehlen richteten sich am 30. September 2020 den Angaben nach etwa 50 gegen Menschen, die wegen politisch motivierter Delikte gesucht werden.

Davon wiederum sind 15 gegen Menschen aus dem rechten Spektrum, acht gegen linke Straftäter und vier gegen religiös motivierte Straftäter verhängt worden. Aus statistischen Gründen kann die Polizei die Daten nur mit unterschiedlichen Stichtagen angeben.

Als Ersatz für eine landesweite Fahndungsaktion in diesem Jahr würden die einzelnen Landespolizeiinspektionen nach Bedarf lokale Fahndungstage organisieren, sagte der Innenministeriumssprecher. Dabei würden auch die Erkenntnisse aus der Großaktion aus dem vergangenen Jahr genutzt.

Titelfoto: arifoto UG/dpa-Zentralbild/dpa

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