Corona-Beschlüsse: Virologin Ciesek hält Oster-Shutdown für zu kurz und warnt

Frankfurt am Main - Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek (43) hält die am Montag beschlossene "Osterruhe" für zu kurz, um die Zahl der Neuinfektionen spürbar zu reduzieren.

Ab Montag gelten in Hessen neue, verschärfte Corona-Regeln.
Ab Montag gelten in Hessen neue, verschärfte Corona-Regeln.  © dpa/Frank Rumpenhorst

"Ich fürchte, dass so ein kurzer Shutdown, der auch noch unterbrochen wird am Samstag, nicht den Effekt haben wird, den sich vielleicht viele vorstellen oder wünschen", sagte die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt am Dienstag im NDR-Podcast "Das Coronavirus-Update".

Fünf Tage umfassten nicht einmal die Inkubationszeit des Virus. Wenn sich alle daran halten würden, könnten Infektionsketten vielleicht unterbrochen werden, "aber ich halte das für zu kurz um einen starken Effekt dadurch sehen zu können".

Australien, wo ein solcher Kurz-Shutdown gut funktioniert habe, könne man nicht als Argument anführen: Dort habe man zum Startzeitpunkt sehr viel weniger Infektionen gehabt, die man zudem alle habe nachverfolgen können.

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Nach über einem Jahr Corona-Pandemie gab Ciesek am Dienstag im Podcast zu, von der Politik zunehmend frustriert zu sein.

"Ich muss sagen, dass es mich schon frustriert, weil eigentlich genau bekannt ist, was man tun muss", sagte die Virologin auf die Frage, ob sie noch Energie habe, sich in der Politikberatung zu engagieren.

Virologin Sandra Ciesek am Dienstag als "Hochschullehrer/in des Jahres" ausgezeichnet

Sandra Ciesek (43), Medizinerin und Virologin, empfindet die von der Regierung beschlossene "Osterruhe" als zu kurz.
Sandra Ciesek (43), Medizinerin und Virologin, empfindet die von der Regierung beschlossene "Osterruhe" als zu kurz.  © Tobias Schwarz/AFP/Pool/dpa

Natürlich spielten in der Politik auch andere Faktoren eine Rolle, etwa Wirtschaft oder Bildung, sagte Ciesek. "Trotzdem hat man das Gefühl, dass dieser Mittelweg, dieses es allen recht machen wollen, dass es genau das ist, was viele frustriert. Das frustriert mich als Wissenschaftlerin, aber auch als Privatperson."

Als Beispiel, was als wirksam bekannt sei und getan werden müsse, nannte Ciesek Schnelltests am Arbeitsplatz. Vor allem in Bereichen, wo Homeoffice nicht möglich sei - zum Beispiel in der Industrie, in der Nahrungsmittelherstellung oder auf Baustellen - "da macht es sehr viel Sinn, durch Testung möglichst schnell Infektionsherde zu erkennen und Infektionsketten zu durchbrechen".

Die Frankfurter Virologin wurde am Dienstag zusammen mit ihrem Berliner Kollegen Christian Drosten (48) als "Hochschullehrer/in des Jahres" ausgezeichnet.

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Der Deutsche Hochschulverband (DHV) vergab die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung erstmalig an zwei Personen.

Ciesek und Drosten wechseln sich bei dem wöchentlichen Podcast ab.

Titelfoto: Tobias Schwarz/AFP/Pool/dpa

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