Corona-Brennpunkt NRW: Die Lage im bevölkerungsreichsten Bundesland

NRW - Nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums von Freitagnachmittag ist die Zahl der Coronavirus-Infektionsfälle von Donnerstagnachmittag bis Freitag 17.00 Uhr von 302 auf 358 gestiegen. Der Kreis Heinsberg hatte am Mittag von einem Anstieg allein im Kreis von 197 auf 220 berichtet. Die Stadt Bonn meldete am Samstag einen zweiten Fall, in Köln stieg die Zahl auf 19 bestätigte Corona-Infizierte.

Die Desinfektion der Hände ist laut Experten sehr wichtig und schützt vor Ansteckungen.
Die Desinfektion der Hände ist laut Experten sehr wichtig und schützt vor Ansteckungen.  © Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

In der Woche zwei mit weiter steigenden Infizierten-Zahlen in Nordrhein-Westfalen hat eine Diskussion über den richtige Corona-Strategie begonnen. 

Das Krisenmanagement der nordrhein-westfälischen Landesregierung ist aus Sicht der SPD-Opposition ungenügend. 

Von der Wirtschaft über die Schulen und den öffentlichen Nahverkehr bis zur Versorgung der Bevölkerung und zur Gesundheitsvorsorge fehle eine schlüssige Strategie, kritisierte die Vizevorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Lisa Kapteinat, am Freitag in Düsseldorf.

Der Heinsberger Landrat Stephan Pusch (CDU) äußerte sich in einer Videobotschaft verwundert über eine Entscheidung der Nachbarstadt Mönchengladbach.

Während der Kreis beschlossen hatte, Kitas und Schulen bis mindestens Ende nächster Woche zu schließen, beschloss ein paar Kilometer weiter die Stadt Mönchengladbach, dass das Bundesliga-Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund am Samstag (18.30 Uhr/Sky) stattfinden kann.

"Ich würde mir natürlich wünschen, dass man das mal näher erklärt", sagte Pusch. "Beispielsweise, welche Risikoabwägung dem zugrunde liegt, warum man davon ausgeht, dass vielleicht die Ansteckungsgefahr geringer ist als üblich."

"Volle Stadien mit Zehntausenden von Fans - gerade in Gegenden wie dem vom Coronavirus jetzt stark betroffenen Rheinland - müssten aus medizinischer Sicht eigentlich gestoppt werden", sagte der Chefvirologe der Berliner Charité Christian Drosten.

Die Stadt Mönchengladbach verteidigte ihre Entscheidung gegen die Absage. Die Stadt selbst sei kein Corona-Hotspot, das Corona-Infektionsrisiko gering. Infizierte seien isoliert oder im Krankenhaus. Trotzdem rieten Stadt und Verein Menschen mit einem besonderen Risiko durch Vorerkrankung und schwerer Erkältung zuhause zu bleiben.

Update, Samstag, 14.04 Uhr:

In Düsseldorf ist ein Feuerwehrmann positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Der Mann stamme aus dem in NRW am meisten vom Coronavirus betroffenen Kreis Heinsberg, teilte die Stadt am Samstag mit. 

Die Landeshauptstadt versicherte aber: "Die Feuerwehr Düsseldorf ist weiter voll in der Lage, alle Einsatzfunktionen zu gewährleisten, eine Unterbrechung des Dienstbetriebs auf der betroffenen Feuer- und Rettungswache ist nicht erforderlich."

Der Feuerwehrmann sei nur leicht erkrankt und bereits auf dem Weg der Besserung, stehe aber, ebenso wie elf Kontaktpersonen, unter häuslicher Quarantäne.

Unterdessen stieg nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums die landesweite Zahl der bestätigten Infektionen seit Freitagnachmittag bis Samstagvormittag (Stand: 11.30 Uhr) um 19 auf 377 an. 

NRW ist bundesweit am stärksten betroffen. Das Robert Koch-Institut hatte am Freitagabend von rund 640 nachgewiesenen Infektionen mit dem Coronavirus berichtet.

Schulklasse aus Gelsenkirchen in Quarantäne

Nach ihrer Rückkehr aus Südtirol ist für zwölf Schüler einer Gelsenkirchener Schule sowie ihre vier Begleitpersonen häusliche Quarantäne angeordnet worden. 

Bei fünf Mädchen und Jungen seien bei einer ersten Untersuchung am Freitagabend leichte Symptome festgestellt worden, teilte die Stadt Gelsenkirchen mit. 

Die Betroffenen sollten am Samstag weiter untersucht werden. Südtirol gilt als Corona-Risikogebiet. Deutschlandweit wurden laut Robert Koch-Institut bis zum Freitag mehr als 600 Corona-Fälle bestätigt. Dabei ist Nordrhein-Westfalen mit mehr als 300 Fällen das am stärksten betroffene Bundesland.

Seniorenheime im Kreis Heinsberg: Weniger Besuch belastet Bewohner

Das Gesundheitsamt im Kreis Heinsberg.
Das Gesundheitsamt im Kreis Heinsberg.  © Jonas Güttler/dpa

Die strengen Vorschriften rund um das Coronavirus belasten die Bewohner der Altenheime im Kreis Heinsberg stark. 

"Es ist eine schwierige Situation. Für die Bewohner ist das eine große Einschränkung in ihrer Lebensqualität, wenn sie keinen Besuch mehr bekommen", sagte der Leiter der Kreisgeschäftsstelle der Arbeiterwohlfahrt (Awo), Andreas Wagner, der Deutschen Presse-Agentur. 

Der Kreis Heinsberg hatte Angehörigen und Gästen angesichts der starken Ausbreitung des Virus dringend davon abgeraten, Pflegeeinrichtungen zu besuchen.

"Das war absolut notwendig, denn jeder Kontakt ist mit Risiken verbunden", sagte Wagner, in dessen Einrichtungen es aktuell keinen Corona-Fall gibt. Er warnte aber auch vor einer Vereinsamung der Bewohner, die mittlerweile seit knapp zwei Wochen keinen Besuch mehr empfangen sollen: "Die Bewohner vermissen ihre Kontakte."

Lit.Cologne soll in Köln trotz Corona normal stattfinden

Der NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).
Der NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).  © Federico Gambarini/dpa

Das Literaturfestival Lit.Cologne in Köln soll trotz der Ausbreitung des Coronavirus wie geplant am Dienstag starten. 

Die Lit.Cologne sei nicht mit Großveranstaltungen wie der Leipziger Buchmesse zu vergleichen, sagte der Festivalchef Rainer Osnowski der Deutschen Presse-Agentur. "Die Leipziger Buchmesse - um bei dem Beispiel zu bleiben - hat nach eigenen Angaben 300.000 Besucher, und die drängen sich an vier Tagen in den Messehallen."

"Unsere 100.000 Besucher verteilen sich auf rund 200 Lesungen an zwölf Festivaltagen. Das sind kleine Veranstaltungen, wie sie jeden Tag, ob in Theatern, Konzerthäusern, Opernhäusern, Kinos, tausendfach in Deutschland stattfinden. Wenn man die absagen würde, dann müsste man das gesamte kulturelle Leben in der Bundesrepublik stilllegen. Das wäre völlig unverhältnismäßig."

Im Fall einer Absage der gesamten Lit.Cologne wäre der Fortbestand des Literaturfestivals gefährdet, sagte Osnowski. "Das würde mit Sicherheit schwerwiegende Konsequenzen haben, denn die Kosten müssten wir tragen. Wir haben erfreulicherweise schon viele Solidaritäts-Bekundungen bekommen. Das zeigt, wie verwurzelt die Lit.Cologne hier in der Region ist." Die Kölner Fitnessmesse Fibo wurde bereits abgesagt und in den Oktober verschoben.

UN-Klimasekretariat verzichtet auf Meetings in Bonn und der Welt

Das UN-Klimasekretariat verzichtet wegen der Ausbreitung des neuen Coronavirus ab sofort bis Ende April darauf, an seinem Hauptsitz Bonn und anderswo auf der Welt Konferenzen oder Meetings anzusetzen. 

Dies teilte UN-Klimachefin Patricia Espinosa am Freitagabend mit. 

Titelfoto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

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