Vorstands-Vorsitzender von britischem Pharmakonzern kündigt Corona-Impfstoff für September an

London (England) - Bekommen die Briten bereits im Herbst einen Corona-Impfstoff? Das behauptet niemand Geringerer, als der Vorstandsvorsitzende des Pharmaunternehmens "AstraZeneca", Pascal Soriot (61), berichtet der "Mirror".

Wladimir Putin (links, 67), Präsident von Russland, traf sich im März 2019 mit Pascal Soriot (61).
Wladimir Putin (links, 67), Präsident von Russland, traf sich im März 2019 mit Pascal Soriot (61).  © Alexander Nemenov/POOL AFP/AP/dpa

Soriot gab am Sonntag in der "Andrew Marr Show" bekannt, dass die Briten ab Herbst zum ersten Mal Zugang zu dem Impfstoff erhalten würden und sagte:

"Ja, wir haben tatsächlich von der britischen Regierung den Auftrag erhalten, 100 Millionen Dosen Impfstoff zu liefern und diese werden an das britische Volk gehen... Und es besteht kein Zweifel, dass wir ab September diese Impfstoffdosen zur Impfung an die britische Regierung liefern werden."

Das Pharmaunternehmen, das mit der Oxford Universität zusammenarbeitet, hatte zuvor angekündigt, die ersten Vereinbarungen über mindestens 400 Millionen Dosen des Impfstoffs getroffen zu haben.

Ein führendes Mitglied des Projekts teilte "The Sunday Telegraph" jedoch mit, dass die geringere Übertragungsrate von Covid-19 in der Bevölkerung dem Impfstoff nur eine Erfolgschance von 50 Prozent bescheren dürfte. 

So absurd es klingt: Die Bevölkerung in Großbritannien könnte das Coronavirus im Herbst bereits so weit überwunden haben, dass der Impfstoff nicht mehr ausreichend auf seine Wirksamkeit überprüft werden könnte.

Denn falls die Ausbreitung des Virus dann zu niedrig wäre, würden sich nicht genügend Freiwillige infizieren und die Studie könnte nicht definitiv ermitteln, ob der Impfstoff wirkt. 

Viele Fragen noch offen

"Es ist ein Wettlauf gegen das Verschwinden des Virus und gegen die Zeit", sagte Professor Adrian Hill, Direktor des Jenner-Institutes der Oxford Universität. 

"Wir müssen so schnell wie möglich sein, bevor die Krankheit verschwindet, damit wir nachweisen können, dass der Impfstoff wirksam ist."

Das Jenner Institute und die "Oxford Vaccine Group" begannen im Januar mit der Entwicklung eines Impfstoffs unter Verwendung eines Schimpansenvirus.

Nach einer ersten Testphase an 160 gesunden Freiwilligen zwischen 18 und 55 Jahren soll die Studie nun zu den Phasen zwei und drei übergehen, in denen die Tests auf bis zu 10.260 Personen erhöht und die Altersspanne der Freiwilligen auf Kinder und Ältere ausgedehnt werden.

Sarah Gilbert, Professorin für Impfwissenschaft am Jenner Institute, sagte: "Wir hatten bereits großes Interesse bei Menschen über 55 Jahren, die nicht zur Teilnahme an der Phase-1-Studie berechtigt waren... Und wir können jetzt ältere Gruppen einbeziehen, um die Impfstoffbewertung fortzusetzen... Wir werden auch weitere Studienorte in verschiedenen Teilen des Landes einbeziehen."

Ob dann am Ende wirklich ein wirksamer Impfstoff im September 2020 für die britische Bevölkerung zur Verfügung steht, dürfte angesichts der vielen Hürden weiterhin mit einem großen Fragezeichen versehen sein. 

Titelfoto: Alexander Nemenov/POOL AFP/AP/dpa

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