Lufthansa doch nicht gerettet? Verwirrung um traditionsreiche Fluggesellschaft

Frankfurt am Main - Verwirrung um die infolge der Corona-Krise stark angeschlagene Fluggesellschaft Lufthansa: Ein Bericht über eine angeblich bereits vereinbarte Rettung der Fluggesellschaft wurde dementiert.

In langer Reihe stehen auf einer Landebahn des Flughafens Frankfurt Maschinen der Lufthansa, die wegen der weltweiten Corona-Pandemie derzeit außer Dienst gestellt sind.
In langer Reihe stehen auf einer Landebahn des Flughafens Frankfurt Maschinen der Lufthansa, die wegen der weltweiten Corona-Pandemie derzeit außer Dienst gestellt sind.  © Boris Roessler/dpa

Die Lufthansa, deren Stamm-Airport der Flughafen Frankfurt ist, solle sich mit der Bundesregierung auf ein Rettungspaket geeinigt haben, berichtete die Website FAZ.Net unter Bezug auf das Wirtschaftsmagazin "Business Insider" am Dienstagmorgen.

Demnach würde der Staat der Fluggesellschaft mit neun Milliarden Euro helfen und erhalte dafür ein Mitspracherecht.

Für die Beteiligung "erhalte der Staat eine Sperrminorität und ein bis zwei Aufsichtsratsmandate", hieß es wörtlich in dem Bericht.

Die Lufthansa hat aufgrund der Coronavirus-Pandemie mit erheblich eingebrochenen Passagier-Zahlen und Fracht-Aufkommen zu kämpfen. Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass die traditionsreiche deutsche Fluggesellschaft sich nicht aus eigener Kraft würde retten können (TAG24 berichtete).

Demnach vermeldete der Dax-Konzern für das erste Quartal einen operativen Verlust von 1,2 Milliarden Euro.

Für das laufende zweite Quartal werde ein noch deutlich höheres Minus erwartet, teilte das Unternehmen damals in Frankfurt mit.

Mit abgedeckten Turbinen stehen vorübergehend stillgelegte Passagiermaschinen der Lufthansa auf dem Rollfeld des Frankfurter Flughafens.
Mit abgedeckten Turbinen stehen vorübergehend stillgelegte Passagiermaschinen der Lufthansa auf dem Rollfeld des Frankfurter Flughafens.  © Boris Roessler/dpa

Update, 10.25 Uhr: Doch keine Einigung für Lufthansa-Rettung

In den Verhandlungen um mögliche Staatshilfen für die Lufthansa gibt es doch noch keine Einigung, hieß es in der Bundesregierung.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vom Dienstag wird nicht damit gerechnet, dass die bislang unverbindlichen Gespräche noch diese Woche mit einem Ergebnis beendet werden. Bei einem Unternehmen dieser Größe und der möglichen Höhe der Unterstützung müsse klug vorgegangen werden, hieß es.

Die Meldung vom Dienstagmorgen, nach der bereits ein Rettungspaket mit einem Umfang von neun Milliarden Euro vereinbart sei, wurde somit von der Bundesregierung dementiert.

Update, 12.24 Uhr: Lufthansa prüft auch Insolvenz im Schutzschirmverfahren

Das Foto aus dem Jahr 2018 zeigt Carsten Spohr, den Vorstandsvorsitzenden der Deutsche Lufthansa AG.
Das Foto aus dem Jahr 2018 zeigt Carsten Spohr, den Vorstandsvorsitzenden der Deutsche Lufthansa AG.  © Arne Dedert/dpa

In den Verhandlungen um mögliche Corona-Hilfen prüft die Lufthansa auch eine Insolvenz in Eigenverwaltung anstelle eines direkten Staatseinstiegs. Entsprechende Informationen der Gewerkschaft Ufo wurden am Dienstag von einem Unternehmenssprecher in Frankfurt bestätigt.

Ein solches Schutzschirmverfahren hat bereits der Ferienflieger Condor durchlaufen. Das Unternehmen wird in diesem Fall unter die Aufsicht eines Sachwalters gestellt und könnte unter dem bisherigen Management die Sanierung angehen.

Laut Gewerkschaft soll Lufthansa-Chef Carsten Spohr intern erklärt haben, dass er das Unternehmen lieber in die Insolvenz in Form eines Schutzschirmverfahrens führe, als sich von der Politik reinreden zu lassen.

Dazu erklärte ein Unternehmenssprecher, dass der Vorstand selbstverständlich alle Optionen inklusive des Schutzschirmverfahrens prüfe. Es sei eine Alternative, falls dem Konzern bei einem Staatseinstieg nicht wettbewerbsfähige Bedingungen drohten.

Die Kabinengewerkschaft Ufo erhofft sich von einem direkten Staatseinstieg bei der Lufthansa einen besseren Schutz von Arbeitnehmerrechten und strategische Vorteile für den deutschen Luftverkehr.

Update, 12.31 Uhr: Lufthansa-Chef Spohr warnt vor zu großem Staatseinfluss

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat vor einem zu großen Staatseinfluss auf sein Unternehmen in der Folge möglicher Hilfskredite gewarnt. Der Luftverkehr sei zwar immer politisch gewesen, aber es dürfe nie eine politisch verordnete Frage werden, "ob wir von München oder von Zürich aus nach Osaka fliegen", sagte der Vorstandschef der Wochenzeitung "Die Zeit". Das sei eine zentrale Frage für die Zukunft des Unternehmens.

Spohr warb um Vertrauen in die unternehmerischen Entscheidungen seines Managements. Die Lufthansa habe die drei besten Jahre ihrer Konzerngeschichte hinter sich. "Wenn sie auch künftig erfolgreich sein soll, muss sie auch weiterhin ihr Schicksal unternehmerisch gestalten können." Man könne einen Konzern nur sehr schwer steuern, wenn mehrere Regierungen Einfluss auf operative Geschäftsaufgaben nehmen wollten.

Die Verhandlungen mit den verschiedenen Regierungen in Folge der Corona-Krise würde Spohr lieber persönlich führen als am Telefon. "Wir sind gerade in Gesprächen mit vielen Regierungen in Europa über eine Unterstützung unserer Airlines, aber mir ist das fast unangenehm am Telefon" sagte Spohr.

"Ich reise lieber zu jemandem, den ich um etwas bitte. Das hat ja auch eine gewisse Symbolik, ergänzte der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Lufthansa AG.

Titelfoto: Arne Dedert/dpa

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