Coronavirus in Bayern: Kubicki kritisiert Söder, Notärzte fordern strenge Corona-Maßnahmen

München - Welche Auswirkungen hat das weltweit grassierende Coronavirus auf den Freistaat Bayern? Den aktuellen Live-Ticker zu den Corona-Meldungen für Bayern und München findest du >>>hier.

Update 21. November, 14.24 Uhr: Kubicki kritisiert Söders Corona-Management scharf

Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki hat das Corona-Management in Teilen Süddeutschlands und insbesondere Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) scharf kritisiert.

Söder stelle eigene Karriereambitionen vor den Schutz der Bevölkerung, sagte Kubicki am Sonntag auf einem FDP-Landesparteitag im schleswig-holsteinischen Neumünster. "Das ist charakterlos und menschlich erbärmlich."

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Update 21. November, 14.14 Uhr: Freie Wähler fordern stärkere Debatte über allgemeine Impfpflicht

Angesichts der rasant steigenden Zahl an Corona-Infektionen fordert Freie Wähler-Fraktionschef Florian Streibl eine breite Debatte über eine allgemeine Impflicht.

Sich impfen zu lassen, sei der beste Weg, um Krankenhäuser, Ärzte, Pfleger und immungeschwächte Menschen zu entlasten. "Doch reichen Appelle in Deutschland offenbar nicht, um eine ausreichend hohe Impfquote zu erzielen und das Coronavirus so endgültig in die Knie zu zwingen."

Auch wenn es eine verfassungsrechtliche Gratwanderung sei, so spreche doch vieles für die allgemeine Impflicht, "wenn wir nicht jeden Herbst aufs Neue ein Ansteigen der Inzidenzen und folgend die Überlastung unseres Gesundheitswesens - allein durch eine einzige Krankheit - riskieren wollen", sagte Streibl am Sonntag.

Die Ampel-Koalitionspartner in Berlin wollten jedoch lediglich eine teilweise Impfpflicht für Berufsgruppen durchsetzen, die mit besonders vulnerablen Menschen arbeiten, so Streibl.

Die konkrete Umsetzung einer allgemeinen Impfpflicht müsse jedoch in dieser Debatte durchgespielt werden.

Jeden Herbst ein neuer Shutdown? Die Freien Wähler verlangen nach einer breiten Diskussion um die Impfpflicht. (Symbolbild)
Jeden Herbst ein neuer Shutdown? Die Freien Wähler verlangen nach einer breiten Diskussion um die Impfpflicht. (Symbolbild)  © Sven Hoppe/dpa

Update 21. November, 10.54 Uhr: SPD Oberbayern verlangt allgemeine Corona-Impfpflicht

Die SPD Oberbayern tritt für eine allgemeine Impfpflicht gegen Corona ein.

"Wir können diesen Teufelskreis der Pandemie nur mit einer hohen Impfquote durchbrechen", sagte der Bezirksvorsitzende Florian Ritter am Sonntag in München. "Wir dürfen nicht immer mehr Tote in Kauf nehmen, wir dürfen nicht die Krankenversorgung an die Wand fahren und wir dürfen nicht die Beschäftigten im Gesundheitswesen bis zum letzten auspressen."

Leider würden zu wenig Menschen das Impfangebot wahrnehmen. "Zwar sind die Gründe dafür vielschichtig, aber wir können nicht einfach nur warten, bis auch die letzten sich irgendwann überzeugen lassen", forderte Ritter.

Er sitzt auch für die SPD im Landtag und wurde bei einem digitalen Parteitag der SPD Oberbayern am Samstag in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt.

Update 21. November, 10.24 Uhr: Landrat: Corona-Lage im Landkreis Freyung-Grafenau katastrophal

Mit 57 Prozent hat die Region eine besonders niedrige Impfquote. Ein möglicher Grund den auffällig hohen Anstieg der Zahlen.
Mit 57 Prozent hat die Region eine besonders niedrige Impfquote. Ein möglicher Grund den auffällig hohen Anstieg der Zahlen.  © Armin Weigel/dpa

Angesichts der hohen Zahl an Corona-Infektionen ist die Lage im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau nach Auskunft des dortigen Landrats Sebastian Gruber (CSU) katastrophal.

"Unsere Kliniken und die Intensivkapazitäten sind nahe am Kollaps, es gibt schon einzelne Verlegungen in andere Regierungsbezirke", sagte er dem Bayerischen Rundfunk (BR). Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte für die Region am Sonntag eine Sieben-Tage-Inzidenz von 1651,5 (Stand: 3.12 Uhr) gemeldet - Spitzenwert nicht nur in Bayern, sondern bundesweit.

Das könnte auch an der niedrigen Impfquote in der Region liegen, die Gruber mit rund 57 Prozent angibt - deutlich unter dem bayerischen Durchschnitt von rund 66 Prozent. Der CSU-Politiker berichtete zwar von einem Ansturm auf Impfungen, doch handele es sich dabei vor allem um Auffrischungen und nicht um Erstimpfungen. "Das ist durchaus noch arg ausbaufähig", sagte Gruber.

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Die verschärften Corona-Maßnahmen halte er für "zwingend notwendig". In der Tat gelten in Hotspot-Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 1000 noch strengere Regeln, als in anderen Landkreisen. Gruber sagte, er halte eine einheitliche Linie für sinnvoller.

Update 21. November, 9.48 Uhr: Steigende Corona-Zahlen in Bayern - Spitzenreiter in Niederbayern

Die Zahl der Corona-Infizierten in Bayern steigt und steigt. Am Sonntag meldete das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin für den Freistaat eine Sieben-Tage-Inzidenz von 639,4 (Stand: 3.12 Uhr).

Am Vortag waren es noch 635,6. An der Spitze lag erneut der Landkreis Freyung-Grafenau: Hier hatten sich dem RKI zufolge binnen einer Woche 1651,5 Menschen pro 100 000 Einwohner neu infiziert - so viel wie in keinem anderen Landkreis in Deutschland.

Auch für die Landkreise Rottal-Inn (1592,5) und Passau (1317,1) meldete das RKI erneut gestiegene Werte, so wie für viele andere Regionen in Bayern auch. Neun Landkreise lagen demnach über einer Sieben-Tage-Inzidenz von 1000.

Update 20. November, 14.55 Uhr: Wegen Corona: Zweiter Intensivtransporthubschrauber in Nürnberg

Intensivtransporthubschrauber der DRF Luftrettung stehen beim Nürnberger Flughafen. Der Freistaat Bayern stockt wegen der Corona-Pandemie die Luftrettung für Intensivpatienten auf.
Intensivtransporthubschrauber der DRF Luftrettung stehen beim Nürnberger Flughafen. Der Freistaat Bayern stockt wegen der Corona-Pandemie die Luftrettung für Intensivpatienten auf.  © -/DRF Luftrettung /dpa

Der Freistaat Bayern stockt wegen der Corona-Pandemie die Luftrettung für Intensivpatienten auf.

Am Flughafen Nürnberg sei dafür seit Samstag befristet ein zweiter Intensivtransporthubschrauber stationiert, der auch bundesweit eingesetzt werden könne, teilte die DRF Luftrettung am Samstag mit. Von 8.00 Uhr morgens bis zum Sonnenuntergang soll die Maschine vom Typ H145 demnach schwerpunktmäßig für Intensivpatienten zur Verfügung stehen, um das öffentlich-rechtliche Versorgungssystem zu entlasten.

Der andere Intensivtransporthubschrauber in Nürnberg steht rund um die Uhr bereit. Weitere dieser Maschinen betreibt die DRF in Regensburg und München. Hinzu kommen Rettungshubschrauber in Weiden und Nürnberg.

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Auch der Automobilclub ADAC unterhält Hubschrauber an mehreren Standorten.

Update 20. November, 10.57 Uhr: Bayreuther CSU kritisiert bayernweite Absage von Weihnachtsmärkten

Für die Absage von Weihnachtsmärkten in ganz Bayern wird Ministerpräsident Markus Söder (CSU) aus seinen eigenen Reihen kritisiert.

Der Vorsitzende der Bayreuther CSU-Fraktion, Stefan Specht, sprach von einem falschen Signal. Es sei verständlich, dass weltbekannte, große Christkindlesmärkte der Großstädte aufgrund hoher Besucherzahlen abgesagt werden müssten. Für kleinere Städte hätte man sich aber dezentrale Entscheidungen auf kommunaler Ebene gewünscht.

Die Stadt Bayreuth habe und hätte alles getan, um den Christkindlesmarkt unter strengen Hygienemaßnahmen dauerhaft zu ermöglichen, heißt es in der Mitteilung der CSU Bayreuth-Mitte vom Samstag.

Update 20. November, 9.38 Uhr: Sieben-Tage-Inzidenz in Bayern klettert auf 635,6

Das Coronavirus hat Bayern weiter fest im Griff. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg weiter und lag nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) am Samstag (Stand: 3.12 Uhr) auf 635,6.

Am Vortag waren es noch 625,3. Einige Bayerische Landkreise lagen demnach unter den Gebieten mit den bundesweit meisten Neuansteckungen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Den höchsten Wert im Freistaat meldete das RKI am Samstagmorgen für den Landkreis Freyung-Grafenau (1564,7), der danach auch bundesweit an der Spitze lag.

Sehr hohe Werte gab es auch in den Landkreisen Rottal-Inn (1474,5), Passau (1155,8) und Mühldorf am Inn (1140,9).

Update 19. November, 18.47 Uhr: Schulze: Söder hat Bayern schlecht auf Pandemie-Herbst vorbereitet

Die Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Katharina Schulze, kritisiert Bayerns Maßnahmen gegen die Corona-Ausbreitung. (Archiv)
Die Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Katharina Schulze, kritisiert Bayerns Maßnahmen gegen die Corona-Ausbreitung. (Archiv)  © Jennifer Weese/dpa

Nach Auffassung der Grünen hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) viele Corona-Maßnahmen zu spät auf den Weg gebracht.

"Erneut schickt er erst die Feuerwehr, wenn das Haus schon lichterloh brennt. Mit einer echten Impfkampagne und vorausschauendem Pandemiemanagement hätte er den Brandherd schon frühzeitig eindämmen können", sagte die Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Katharina Schulze, der Münchner "Abendzeitung" für die Samstagsausgabe.

Nun sei es jedoch richtig, "dass jetzt endlich konsequente Maßnahmen ergriffen wurden", sagte Schulze mit Blick auf die am Freitag angekündigten neuen Regeln. "Die Infektionskurve muss abflachen."

Weiter sagte Schulze: "Es liegt in der Verantwortung von Markus Söder, dass er unser Land nicht besser auf diesen schrecklichen Herbst vorbereitet hat. Dass das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates erneut erschüttert wurde, schmerzt."

Angesichts extrem hoher Infektionszahlen im Freistaat hat die Staatsregierung harte Gegenmaßnahmen angekündigt. Von kommendem Mittwoch (24. November) an sollen für Ungeimpfte strikte Kontaktbeschränkungen gelten.

Alle Clubs, Diskotheken und Bars müssen dann für drei Wochen schließen, Weihnachtsmärkte soll es in diesem Jahr nicht geben.

Update 19. November, 18.35 Uhr: Kurz nach Söders Ansage: Weihnachtsmarkt in Regensburg eröffnet

Nur wenige Stunden nach Söders Absage, hat der Weihnachtsmarkt im Hof von Schloss Thurn und Taxis in Regensburg eröffnet. (Archiv)
Nur wenige Stunden nach Söders Absage, hat der Weihnachtsmarkt im Hof von Schloss Thurn und Taxis in Regensburg eröffnet. (Archiv)  © Armin Weigel/dpa

Im Hof von Schloss Thurn und Taxis in Regensburg ist am Freitagabend der Weihnachtsmarkt eröffnet worden - nur wenige Stunden, nachdem Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angeküngt hatte, Weihnachtsmärkte in Bayern absagen zu lassen.

Veranstalter Peter Kittel verwies auf bestehende Verträge mit 120 Standbetreibern, mit Künstlern und Technikern. Von der Stadt liege eine gültige Genehmigung für den Markt vor. Es gehe nicht um Rebellion und auch nicht darum, die Corona-Pandemie zu leugnen.

Es würden sehr straffe 2G-Regeln (geimpft und genesen) umgesetzt, man sei im Freien und auf einem weitläufigen, durchgehend umwehrten Privatgelände. «Wir haben kein Verständnis dafür, dass ein Fußballspiel mit Zuschauern stattfinden kann, aber unser Markt in Frage gestellt wird», sagte Kittel. Es gehe um viele Existenzen.

Hausherrin Gloria Fürstin von Thurn und Taxis war bei der Eröffnung nicht dabei. Sie sei bei der Familie in England, so Kittel. Im Vergleich zu Nicht-Corona-Jahren kamen deutlich weniger Besucher zur Eröffnung.

Söder hatte nach Beratungen der CSU-Freie-Wähler-Koalition in München am Freitagmittag angekündigt, man werde alle Weihnachtsmärkte absagen. "Wir hatten eigentlich darauf gehofft, dass die Veranstalter selber dieses Einsehen haben."

Endgültig soll das neue Paket am Dienstag im Kabinett beschlossen und anschließend im Landtag beraten werden - dies sei bei derartigen Einschnitten nötig, sagte Söder.

Alle Maßnahmen sollen dann in der Nacht auf Mittwoch in Kraft treten. Bis dahin steht der Veranstaltung von Märkten rechtlich nichts im Wege.

Titelfoto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

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