Corona oder Erkältung? Arzt klärt auf, was Ihr tun sollt, wenn Eure Nase läuft

Esslingen - Die Nase läuft, der Husten kommt, man fühlt sich schlapp. Vor einem Jahr hätte man sich einfach ein paar Tage ins Bett gelegt, Tee getrunken und gewartet, bis der Körper sich wieder erholt. In Zeiten von Corona kann Husten durchaus für Unruhe sorgen. Was sollten Betroffene tun, und gibt es eine Möglichkeit herauszufinden, ob man "nur" eine Erkältung, Grippe oder gar Corona hat? 

TAG24 hat bei Prof. Dr. Henning Wege, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Onkologie/Hämatologie, Gastroenterologie und Infektiologie am Klinikum Esslingen, nachgefragt. 

Die aktuellen Fallzahlen steigen wieder an. Woher wissen Betroffene, ob sie eine Erkältung oder sich mit SARS-CoV-2-Virus infiziert haben?
Die aktuellen Fallzahlen steigen wieder an. Woher wissen Betroffene, ob sie eine Erkältung oder sich mit SARS-CoV-2-Virus infiziert haben?  © Daniel Karmann/dpa

TAG24: Was sollen Patienten tun, wenn plötzlich die Nase läuft und sich Erkältungssymptome wie Husten zeigen?

Dr. Henning Wege: Grundsätzlich sollte in der aktuellen Situation die Übertragung von Viren (SARS-CoV-2, Influenza) auf andere Menschen verhindert werden, d. h., bleiben Sie mit Symptomen zu Hause, halten Sie sich an die Nies-Etikette (Armbeuge) und kontaktieren Sie ihren Hausarzt. Der Hausarzt entscheidet anhand der Kriterien des Robert-Koch-Instituts, ob ein Corona- und/oder Influenza-Test erforderlich ist.

TAG24: Gibt es Anhaltspunkte, dass es sich "nur" um eine Erkältung und nicht um Corona handelt?

Dr. Henning Wege: Leider nein! Eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus kann ja auch asymptomatisch verlaufen. Ein Hinweis für eine SARS-CoV-2-Infektion ist der Verlust des Geruchs- und Geschmacksinns, dagegen spricht ein isolierter Fließschnupfen in der Regel nicht für eine SARS-CoV-2-Infektion.

TAG24: Eine Grippe kann bei gefährdeten Patienten einen schweren Verlauf nehmen, der ggf. sogar eine Behandlung im Krankenhaus erfordert. Wie bereitet sich das Klinikum darauf vor?

Dr. Henning Wege: Auf die Grippewelle sind die Kliniken besser als in den letzten Jahren vorbereitet. Durch die Corona-Pandemie sind die Intensivkapazitäten vernetzt und in den Notaufnahmen herrscht eine entsprechende Wachsamkeit. Jedes Krankenhaus hält zudem einen Isolierbereich auf der Normalstation vor.

Grippeschutzimpfung für Risikopatienten dieses Jahr besonders wichtig

Prof. Dr. Henning Wege, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Onkologie/Hämatologie, Gastroenterologie und Infektiologie.
Prof. Dr. Henning Wege, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Onkologie/Hämatologie, Gastroenterologie und Infektiologie.  © Klinikum Esslingen

TAG24: Gehen Sie von mehr oder weniger Fällen von Erkältungen und Grippe aus? Viele Menschen haben weniger soziale Kontakte, bspw. weil sie im Homeoffice arbeiten, private Feiern eingeschränkt werden und Mundschutz an vielen Orten getragen wird.

Dr. Henning Wege: Aufgrund der Kontaktbeschränkungen und der allgemeinen Hygienemaßnahmen gehe ich von deutlich weniger Grippefällen aus. Außerdem ist die Bereitschaft zur Impfung in den Risikogruppen hoffentlich höher, d. h., wir werden weniger schwere Verläufe sehen.

TAG24: Empfehlen Sie eine Grippeschutzimpfung und warum/warum nicht?

Dr. Henning Wege: Eine Impfung ist für die Risikogruppen unbedingt sinnvoll (Alter über 60 Jahre, chronische Vorerkrankungen, Kinder und Schwangere). Außerdem sollten sich alle Mitarbeiter im Gesundheitswesen mit Patientenkontakt impfen lassen. Hier geht es nicht nur um den Selbstschutz, sondern auch um die Vermeidung von Ansteckungen der zu betreuenden Patienten.

TAG24: Zum Abschluss des Interviews noch kurz zu einem anderen Thema: Esslingen ist wieder ein Corona-Hotspot - Gibt es hierfür eine Erklärung?

Dr. Henning Wege: Aus meiner Sicht sind alle Erklärungsversuche nicht überzeugend. Es hat sicherlich mit der Dichte der Besiedlung und der Reise- und Kontaktfreudigkeit der hier lebenden Menschen zu tun. Einige Ausbrüche haben die Zahlen dann schnell stiegen lassen. Aus diesen Erklärungsansätzen lässt sich allerdings über die allgemeinen Hygienemaßnahmen und die Kontaktbeschränkungen hinaus kein sinnvoller vorbeugender Ansatz ableiten.

TAG24: Die aktuellen Fallzahlen steigen wieder an: Was empfehlen Sie, um die Ausbreitung von Corona zu verlangsamen? Halten Sie einen weiteren Lockdown für sinnvoll?

Dr. Henning Wege: Einen erneuten Lockdown brauchen wir nicht. Mit den allgemeinen Hygienemaßnahmen kann eine Verbreitung im Alltag eingedämmt werden. Allerdings sollten momentan auch die persönlichen Kontakte auf das notwendige Maß reduziert werden.

Titelfoto: Klinikum Esslingen/ Daniel Karmann/dpa (Fotomontage)

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