So versucht China, die Corona-Geschichte umzuschreiben

China - Versucht das Ursprungsland der Corona-Pandemie, die Geschichte rund um das Virus umzuschreiben? Selbst hochrangige Politiker aus dem Reich der Mitte scheuen inzwischen nicht mehr vor zweifelhaften Aussagen zurück.

Chinas Präsident Xi Jinping informiert sich während eines Besuchs in der Akademie für Militärmedizin über die Fortschritte bei der Forschung und Anwendung von Impfstoffen und Medikamenten gegen das Coronavirus.
Chinas Präsident Xi Jinping informiert sich während eines Besuchs in der Akademie für Militärmedizin über die Fortschritte bei der Forschung und Anwendung von Impfstoffen und Medikamenten gegen das Coronavirus.  © Ju Peng/XinHua/dpa

Im Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer - in einer globalen Pandemie anscheinend auch. So bemüht sich die chinesische Regierung derzeit redlich darum, eine neue Sichtweise in Bezug auf das Coronavirus zu verbreiten.

Zhao Lijian, der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, gilt als besonders profilierte Stimme der Volksrepublik. Auf Twitter nutzt er seinen Einfluss jedoch gern dazu, gezielte Desinformation zu verbreiten.

"Es könnte die US-Armee sein, die die Epidemie nach Wuhan gebracht hat", lautet einer seiner Beiträge.

Wenig später legt er nach, indem er einen Artikel aus zweifelhafter Quelle teilt und ähnlich wie ein Influencer darum bittet, den Beitrag aufmerksam zu lesen, damit möglichst viele Leute davon erfahren.

Auch Chinas Staatsmedien und Nachrichtenagenturen helfen bei der Verbreitung von Verschwörungstheorien fleißig mit.

Die Global Times - eine chinesische Zeitung in englischer Sprache - macht Italien für den Ausbruch des Coronavirus verantwortlich, führt aber keine Beweise für die kuriose Behauptung an. Xinhua News schrieb in einem Tweet, erste Fälle einer seltsamen Lungenentzündung seien bereits im November 2019 in Italien aufgetreten und bezog sich dabei auf einen Professor aus Peking.

Gleichzeitig bemüht sich China um möglichst positive PR: Hua Chunying, die Direktorin der Informationsabteilung des Außenministeriums, twittert regelmäßig über chinesische Hilfsaktionen zur Eindämmung des Virus in anderen Ländern.

Wahre Lage im Reich der Mitte unbekannt: China änderte seine Corona-Zählweise mehrfach

Darüber, dass chinesische Behörden langjährige Warnungen der WHO vor einer drohenden Pandemie ignorierten und Ende 2019 aktiv versuchten, den Corona-Ausbruch in Wuhan zu vertuschen, redet in der Volksrepublik niemand.

Der 34-jährige Augenarzt Li Wenliang, der frühzeitig vor dem Sars-ähnlichen Virus warnte, starb bereits Anfang Februar 2020 (TAG24 berichtete), woraufhin die Regierung eine Untersuchung einleitete. Offiziell wurde sein Tod auf Covid-19 zurückgeführt. Wodurch der Whistleblower wirklich ums Leben kam, ist ungewiss.

Auf aussagekräftige Statistiken über die wahre Lage in China wartet die Welt bis heute. Am 1. April 2020 stieg die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen wieder deutlich an, weil die alte Zählweise Menschen, die zwar positiv auf das Virus getestet wurden, aber keine Symptome zeigten, außer Acht ließ.

Bewohner der chinesischen Stadt Wuhan kaufen Gemüse in einem Laden.
Bewohner der chinesischen Stadt Wuhan kaufen Gemüse in einem Laden.  © Olivia Zhang/AP/dpa

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Titelfoto: Ju Peng/XinHua/dpa

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