Corona-Studie aus Kreis Heinsberg: Erste Ergebnisse veröffentlicht

Düsseldorf/Kreis Heinsberg/Gangelt - Der Virologe Hendrik Streeck hat am Donnerstag ein Zwischenergebnis seiner Corona-Studie im Kreis Heinsberg vorgestellt.

Virologe Hendrik Streeck hatte in Gangelt eine Studie zur Corona-Verbreitung durchgeführt.
Virologe Hendrik Streeck hatte in Gangelt eine Studie zur Corona-Verbreitung durchgeführt.  © Federico Gambarini/dpa

Die Zwischenbilanz bezog sich auf 509 Studienteilnehmer in Gangelt im Kreis Heinsberg. Der Ort war einer der am schwersten betroffenen Corona-Hotspots in Deutschland. Insgesamt wurden über 1000 Bewohner untersucht.

Durch frühe Maßnahmen konnte die Verbreitung vor Ort noch mit "Glück im Unglück" kontrolliert werden, wie Landrat Stephan Pusch (CDU) am Donnerstag sagte.

Der Virologe Hendrik Streek sagte bei der Zwischenbilanz, das in Gangelt eine bestehende Immunität von 15 Prozent nachgewiesen werden konnte.

Dies heißt, dass etwa 15 Prozent der 509 untersuchten Teilnehmer der Studie an Covid-19 erkrankt waren oder das Coronavirus in sich trugen.

Das Positive an diesem Ergebnis für Gangelt sei, dass 15 Prozent nicht mehr an dem Virus erkranken könnten und eine Immunität gebildet hätten. Diese Immunität halte etliche Monate an.

Fakt sei, dass die Tröpfcheninfektion der wichtigste und häufigste Weg der Infektion sei. Die Viren sammelten sich besonders stark im Rachenraum. Deshalb sei das Tragen eines Mundschutzes weiterhin sehr sinnvoll.

Ein erstes Fazit des Virologen: "Das Einhalten von Hygienemaßnahmen wirkt sich positiv auf die Verlangsamung der Ansteckungsrate aus." Durch strikte und frühe Kontaktverbote habe die Politik vor Ort richtig reagiert, um unkontrollierte Ausbrüche zu vermeiden.

Corona-Zwischenanalyse aus Gangelt und die Folgen für Deutschland

Der Virologe hatte am Donnerstag erste Zwischenergebnisse vorgestellt.
Der Virologe hatte am Donnerstag erste Zwischenergebnisse vorgestellt.  © Federico Gambarini/dpa

Mit Blick auf die bundesweiten Corona-Kontaktverbote ordnete Streeck auch die aktuellen Corona-Gesetze ein.

Eine beginnende Rücknahme der strengen Einschränkungen sei aus seiner Sicht eingeschränkt möglich, da die Menschen inzwischen gelernt hätten, wie sie sich korrekt hygienisch verhalten und vor weiteren Ansteckungen schützen können.

An ein öffentliches Leben, wie vor der Pandemie, sei aber noch nicht zu denken. Dies sei erst eine nächste Stufe.

Wichtig sei es mit der Gefahr durch Sars-CoV-2 bewusst umzugehen. Problematisch und besonders wichtig sei beispielsweise weiterhin der Schutz der besonders gefährdeten Menschen. 

So müssten Pflegeheime und insbesondere ältere Menschen weiterhin geschützt werden.

Die ersten Ergebnisse der Studie zeigten einen häufig milderen Verlauf bei jüngeren Menschen. Sie müssten sich aber genauso aktiv am Schutz beteiligen. Die Verbreitung per Tröpfcheninfektion müsse weiterhin eingedämmt bleiben. Das Händewaschen mit Seife sei in diesem Fall weiterhin enorm wichtig.

Hendrik Streeck sagte zum Einfluss der Studie: "Wir können einen Beitrag leisten, das Virus besser zu verstehen. Die Politik habe aber viel mehr Aspekte zu berücksichtigen als nur die wissenschaftlichen Faktoren." Sein persönlicher Ausblick: "Das Coronavirus wird uns wohl langfristig erhalten bleiben."

Update, 11.46 Uhr: Hygiene-Professor betont Corona-Schutzmaßnahmen

Der an der Studie beteiligte Hygiene-Professor Martin Exner betonte ebenfalls das Tragen eines Mundschutzes in Altenheimen. Dies sei ganz besonders wichtig. Daher seien besonders in diesem Bereich Investitionen in Schutzmaterial notwendig.

Exner hielt es auch für möglich, Abiturprüfungen abzuhalten, wenn Abstand eingehalten werde und Hygiene-Maßnahmen eingehalten würden.

Update, 12.04 Uhr: Zahl der Erreger und Schweregrad könnten zusammenhängen

Auch Gunther Hartmann, Professor für Klinische Chemie und Pharmakologie an der Universität Bonn, berichtete, dass der Schweregrad der Erkrankung über Hygienemaßnahmen reduziert werden könnte. "Die Zahl der Erreger hat bei Erstinfektionen Einfluss auf den Schweregrad der Erkrankung."

Titelfoto: Federico Gambarini/dpa

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