Corona-Vakzine machen schwul, behauptet ein Geistlicher

Teheran - Das iranische Gesundheitsministerium geht gegen einen Kleriker vor, der einen angeblichen Zusammenhang zwischen Corona-Impfstoffen und Homosexualität propagiert und generell von Impfungen abrät.

Im Iran rät ein Geistlicher von den Corona-Impfstoffen ab. Sie würden Homosexualität auslösen. (Symbolbild)
Im Iran rät ein Geistlicher von den Corona-Impfstoffen ab. Sie würden Homosexualität auslösen. (Symbolbild)  © Sebastian Gollnow/dpa

"Das sind nicht nur abergläubische und blödsinnige Ansichten, sondern auch eine illegale Einmischung in die gesundheitspolitischen Angelegenheiten des Landes", sagte Presseleiter Kianusch Dschahanpur laut Medienberichten vom Dienstag. Diese Art von Stimmungsmache dürfe nicht ohne juristische Konsequenzen bleiben.

Der 68 Jahre alte Kleriker Abbas Tabrisian ist im Iran nicht nur als "islamischer Medizinmann", sondern auch als Verschwörungstheoretiker bekannt.

Er lehnt die moderne Medizin strikt ab und bezeichnet sie als "ein Projekt der Zionisten, Amerikaner und des Imperialismus" gegen Muslime.

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Er glaubt auch, dass viele Krankheiten durch einfaches Beten und ohne Ärzte und Medizin geheilt werden können. Zu seinen bevorzugten Heilmethoden gehören Kamelurin und Honig-Bandagen.

Auf seinem Kanal in der Messenger-App Telegram propagiert der Kleriker außerdem, dass die Impfstoffe zu einer Reduzierung des islamischen Glaubens führen und homosexuellen Neigungen auslösen.

Im Islam - und somit auch im Iran - gilt Homosexualität als eine "krankhafte Perversion", die auch hart bestraft werden kann.

Mehr als 58.000 Corona-Todesfälle im Iran

Das Gesundheitsministerium reagierte empört und auch besorgt. Besonders bei dieser lebensgefährlichen Pandemie sollten Kleriker nicht im Namen der Religion mit Menschenleben spielen, so das Ministerium.

In den vergangenen zwölf Monaten wurden im Iran im Zusammenhang mit dem Virus mehr als 58.000 Todesfälle und mehr als 1,4 Millionen Infektionen erfasst.

Trotz strenger Lockdowns werden weiterhin bis zu 70 Corona-Tote und 7000 Neuinfektionen pro Tag registriert.

Titelfoto: Montage: Niaid-Rml/ZUMA Wire/dpa, Sebastian Gollnow/dpa

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