Corona-Warn-App derzeit sinnlos? Das will Innenminister Pistorius daher ändern

Hannover - Weniger Lockdown für Daten? Das legt Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (60, SPD) nahe. Er möchte, dass sich die Nutzer der offiziellen Corona-Warn-App des Bundes frei entscheiden können, welche Daten sie freigeben.

Die Corona-Warn-App zeigt anonym Begegnungen mit Infizierten an.
Die Corona-Warn-App zeigt anonym Begegnungen mit Infizierten an.  © Kira Hofmann/dpa-Zentralbild/dpa

"Wenn sich nur 70 Prozent entscheiden würden, Daten von sich freizugeben, anonymisiert, verschlüsselt, mit Verfallsdatum und mit den entsprechenden Sicherheiten zur Speicherung und so weiter, hätten wir viel genauere Erkenntnisse, wo Infektionen entstehen", sagte der Politiker der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Dann könnten die Menschen viel genauer vor Infektionen gewarnt werden.

"Wir müssten in Deutschland möglicherweise nicht mit derart weitreichenden Einschränkungen für die gesamte Bevölkerung leben."

Pistorius sagte der Zeitung, er habe die App sofort heruntergeladen, als sie herauskam: "Ich habe seitdem eine Handvoll Begegnungen 'mit geringem Risiko' angezeigt bekommen. Aber einen großen Nutzen hat mir die App ehrlich gesagt nicht gebracht."

Viele Nutzer hätten nicht einmal eine Eingabe gemacht, nachdem sie positiv getestet wurden.

"Eine App, deren eigentlicher Sinn es doch sein sollte, mitzuteilen, wo die Risiken lauern und wann diese Begegnungen stattgefunden haben, ist dann weitestgehend sinnlos", kritisierte er. "Darum brauchen wir auch jetzt noch, gerade angesichts der Mutanten und der unklaren Dauer der Pandemie, weitere Korrekturen bei der Corona-App."

Kleinster politischer Nenner der Grund

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (60, SPD) will die Corona-Warn-App überarbeiten.
Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (60, SPD) will die Corona-Warn-App überarbeiten.  © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

"Leider wurde bei der Auseinandersetzung mit dem Datenschutz, den auch ich als ausgesprochen wichtig erachte, auf den kleinsten gemeinsamen politischen Nenner gesetzt", sagte Pistorius.

"Man könnte auch sagen, man ist einer unbequemen Debatte ausgewichen." Es sei durchaus möglich, durch die freiwillige und datenschutzkonforme anonyme Weitergabe – etwa von Standortdaten – einen deutlichen Mehrwert zu haben.

"Es darf nicht um mehr oder weniger Datenschutz gehen, sondern um unsere Datensouveränität", betonte er.

"Die meisten Smartphone-Nutzer sind auch in anderen Bereichen bereit, massenhaft persönliche Daten oder detaillierte Bewegungsbilder irgendwelchen Firmen oder Unternehmen aus aller Welt zur Verfügung zu stellen – die damit dann Geld verdienen. Doch bei einer Pandemie wie Corona soll das nicht der Fall sein, wenn dann die Gesellschaft davon profitiert?"

Pistorius erklärte: "Der Nutzen der App wäre deutlich größer, wenn sie zur Erkennung von potenziellen Infektionsclustern beitragen würde, indem sie die Daten an das Robert Koch-Institut weitermeldet."

Titelfoto: Montage: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa, Kira Hofmann/dpa-Zentralbild/dpa

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