Coronavirus breitet sich weiter aus: Schon 13 Fälle in Berlin

Berlin - In Berlin gibt es aktuell 13 nachgewiesene Fälle von Menschen, die mit dem neuen Coronavirus infiziert sind. Das sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Die Zahl werde aber noch weiter steigen, betonte sie.

Jens Spahn auf dem Weg zu einer Pressekonferenz zum Coronavirus.
Jens Spahn auf dem Weg zu einer Pressekonferenz zum Coronavirus.  © Kay Nietfeld/dpa

"Wir müssen davon ausgehen, dass wir noch weitere Fälle haben werden." Das Tempo der Ausbreitung könne aber keiner vorhersagen. "Auf eines sollten wir uns einstellen, dass das Thema Coronvirus uns einige Jahre beschäftigen könnte."

Die Strategie sei, infizierte Menschen und Kontaktpersonen zu identifizieren und zu isolieren. Die Hoffnung sei, die Ausbreitung des Virus so zu verlangsamen, sagte Kalayci. "Die Gesundheitsämter arbeiten mit Hochdruck."

Am Sonntag war der erste bestätigte Fall in der Hauptstadt öffentlich geworden. Viele Patienten in Deutschland sind inzwischen wieder gesund. Ein Todesfall wurde bisher nicht erfasst. Weltweit haben sich dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge mehr als 93.000 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert.

Gesundheitssenatorin Kalayci.sagte weiter, in Berlin seien sechs Untersuchungsstellen zum Abklären möglicher Infektionsfälle, die Ärzte und Krankenhäuser entlasten sollten, geplant. Die Charité habe am Dienstag den Anfang gemacht. Die weiteren Standorte stünden inzwischen fest. Was fehle, sei Schutzkleidung, räumte sie ein. "Da ist tatsächlich ein Mangel."

Nach einem Bericht des Senders RBB ist unter den neuen Fällen ein Mitarbeiter des Bezirksamts Reinickendorf. Der RBB bezog sich auf einen Amtsarzt des Bezirkes. Zu Alter und Geschlecht des Infizierten wollte der Amtsarzt keine Angaben machen. Die Person sei am Donnerstagmorgen positiv getestet und zu Hause isoliert worden, da nur leichte Krankheitssymptome wie bei einer Erkältung aufgetreten seien. 

Flüchtlinge werden auf Coronavirus hingewiesen

Jens Spahn (CDU) und Dilek Kalayci (SPD) beim Treffen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern im Bundesgesundheitsministerium.
Jens Spahn (CDU) und Dilek Kalayci (SPD) beim Treffen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern im Bundesgesundheitsministerium.  © Kay Nietfeld/dpa

Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung äußerte sich zu dem Bericht zunächst nicht. Am Mittwochabend war der neunte Fall eines infizierten Menschen in Berlin bekannt geworden: ein Mann aus Pankow.

Bei der Berliner Feuerwehr sollen Sanitäter und Notärzte jetzt bereits beim Umgang mit Menschen mit Erkältungssymptomen ihre besondere Schutzausrüstung anlegen, wie die "Berliner Morgenpost" schrieb. 

Dazu gehören eine spezielle Atemschutzmaske (Schutzklasse FP2), eine Schutzbrille, Handschuhe, sowie "geschlossene Rettungsdienst-Kleidung". Weil die Vorräte an Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln knapp sind und nach jedem Einsatz ergänzt werden müssen, organisiert die Feuerwehr die Verteilung des Schutzmaterials nun zentral über einen Einsatzstab. Die Feuerwehr äußerte sich dazu zunächst nicht.

In Berlin lebende und neu ankommende Flüchtlinge werden von den Behörden über die Gefahren durch den Coronavirus gezielt gewarnt. Die Betreiber der 83 Flüchtlingsunterkünfte seien in den vergangenen Tagen über die Vorsorgemaßnahmen informiert worden, teilte das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten mit. 

Zusätzlich werden Informationen in Fremdsprachen wie Arabisch, Türkisch und Englisch am Schwarzen Brett und in Sanitäranlagen ausgehängt. Für Analphabeten soll es zusätzliche Hinweise in Form von Piktogrammen geben. Flüchtlinge, die neu in die Stadt kommen, werden unmittelbar nach ihrem Erscheinen im Ankunftszentrum von Mitarbeitern der Charité untersucht.

Die bisherigen Coronavirus-Fälle in der Übersicht

  • 1. ein Mann im Bezirk Mitte, derzeit isoliert und behandelt im Charité Campus Virchow Klinikum
  • 2. ein Lehrer aus Marzahn-Hellersdorf, der auf Schulfahrt in Norditalien gewesen ist, derzeit isoliert und behandelt im Vivantes-Klinikum Neukölln
  • 3. eine Frau in Mitte, derzeit isoliert und behandelt im Charité Campus Virchow Klinikum
  • 4. ein Mann in Tempelhof-Schöneberg, der Zuhause isoliert ist
  • 5. ein Mann in Neukölln, derzeit isoliert und behandelt im Vivantes-Klinikum Neukölln
  • 6. ein Mann in Mitte, derzeit Zuhause isoliert
  • 7. eine Frau in Friedrichshain-Kreuzberg, Zuhause isoliert
  • 8. eine Frau in Friedrichshain-Kreuzberg, Zuhause isoliert
  • 9. ein Mann in Pankow, Zuhause isoliert
  • 10. eine Schülerin aus Friedrichshain-Kreuzberg, derzeit häuslich isoliert, hatte Kontakt zu dem Lehrer (Fall 2)
  • 11. ein Mann aus Friedrichshain-Kreuzberg, derzeit häuslich isoliert, hatte Kontakt zu Fall 1
  • 12. ein Mann in Reinickendorf, derzeit häuslich isoliert

Update, 17 Uhr

Die Job- und Ausbildungsmesse "JOBinale" in Potsdam am 11. März ist wegen des Coronavirus abgesagt. Das teilte die Arbeitsagentur am Donnerstag mit. Es hieß, die Veranstalter seien sich einig, dass eine Großveranstaltung wie diese mit erwartungsgemäß mehr als 5000 Besuchern keinen Messebetrieb rechtfertige.

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