Schon 19 Coronavirus-Infektionen in Berlin: Betroffener war in Club feiern! 

Berlin - In Berlin sind inzwischen 19 Infektionen mit dem neuen Coronavirus bekannt. Das sind vier registrierte Ansteckungen mehr als am Donnerstag. Alle neu Infizierten seien zu Hause in Quarantäne, teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit am Freitag mit.

Im Virchow-Klinikum der Charite in Wedding wurde eine Anlaufstelle eingerichtet, um sich bei möglichen Anzeichen auf eine Coronavirus Erkrankung testen zu lassen.
Im Virchow-Klinikum der Charite in Wedding wurde eine Anlaufstelle eingerichtet, um sich bei möglichen Anzeichen auf eine Coronavirus Erkrankung testen zu lassen.  © dpa/Michael Kappeler

Die meisten der jüngsten Ansteckungen stünden in Verbindung mit bereits bestätigten Fällen. Weitere Kontaktpersonen würden nun ermittelt.

"Wie erwartet nimmt die Zahl der Infektionen zu", sagte Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), am Freitag mit Blick auf ganz Deutschland. 534 Fälle sind inzwischen bundesweit bekannt. "Wir können das Virus nicht aufhalten. Aber wir können alles daran setzen, dass wir die Ausbreitung verlangsamen." Dazu zähle vor allem die Ermittlung von Kontaktpersonen der Infizierten.

In Berlin werden dafür inzwischen auch Clubbesucher gesucht. Ein Mann aus Reinickendorf, der positiv auf den Erreger getestet wurde, war am 29. Februar Gast im Club "Trompete" im Bezirk Mitte. 

Die Verwaltung bittet Besucher, die sich dort ebenfalls an diesem Abend aufhielten, sich beim Gesundheitsamt Mitte unter der Mailadresse corona@ba-mitte.berlin.de zu melden. Es sei aber eine extreme Vereinfachung, dass jeder, der Kontakt mit einem Patienten hatte, in Quarantäne müsse, betonte RKI-Präsident Wieler. Entscheidend sei, wie eng und lang dieser Kontakt gewesen sei.

Für den Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid waren große Masern-Ausbrüche in der Hauptstadt bisher schwieriger zu handhaben als das neue Coronavirus. Die aktuelle Situation habe in Berlin "längst noch nicht diese Dimension erreicht", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Berliner Apothekenkammer warnt vor selbst hergestellten Desinfektionsmitteln

Für den Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid waren große Masern-Ausbrüche in der Hauptstadt bisher schwieriger zu handhaben als das neue Coronavirus.
Für den Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid waren große Masern-Ausbrüche in der Hauptstadt bisher schwieriger zu handhaben als das neue Coronavirus.  © dpa/Zentralbild/Paul Zinken

Das RKI erklärte inzwischen auch die italienische Region Südtirol zum neuen Risikogebiet. 46 Infektionen bundesweit gehen bisher auf Reisen in diese Gegend zurück. Aus Südtirol waren auch Berliner Lehrer und Schüler von einer Skifahrt heimgekehrt. Wegen Erkrankungen wurde die Emanuel-Lasker-Oberschule bereits geschlossen. Urlauber, die in Südtirol waren, sollten bei grippeähnlichen Symptomen zu Hause bleiben und eine Hotline oder ihren Hausarzt für eine Beratung anrufen.

Um die Kapazitäten des Gesundheitssystems nicht zu überlasten, sollten Menschen nur noch in wirklich dringenden Fällen zum Arzt zu gehen, riet Wieler. Die Kapazitäten würden gebraucht, um das Coronavirus weiter einzudämmen. "Das Gesundheitssystem ist überlastet, weil viele Menschen Sorgen haben, aber keinen Grund", sagte er. An der Abklärungsstelle der Berliner Charité warteten am Freitag erneut rund 100 Menschen.

Die Berliner Apothekenkammer warnt unterdessen davor, Desinfektionsmittel für die Hände selbst herzustellen. "Für die Herstellung werden feuergefährliche Chemikalien benötigt, deren Verwendung aus guten Gründen reguliert ist", sagte Präsidentin Kerstin Kemmritz am Freitag. 

Laien sollten damit besser nicht nach Anleitungen aus dem Internet experimentieren. Gesunde Menschen brauchten auch keine größere Mengen Desinfektionsmittel für die Hände. Gegen das Coronavirus sei auch ausreichend gründliches und häufiges Händewaschen mit Seife wirksam.

Charité prüft Quarantäneregelung für Belegschaft

Nach Ansicht des Berliner Virologen Christian Drosten sollte das Robert Koch-Institut die Quarantäne-Empfehlungen zum Coronavirus für medizinisches Personal lockern. 
Nach Ansicht des Berliner Virologen Christian Drosten sollte das Robert Koch-Institut die Quarantäne-Empfehlungen zum Coronavirus für medizinisches Personal lockern.   © dpa/Christophe Gateau

Sowohl in der Charité als auch in den Berliner Vivantes-Kliniken ist seit der Berichterstattung über das neue Coronavirus Schutzkleidung gestohlen worden. Vereinzelt seien bereits Diebstähle von Schutzmasken vorgekommen, sagte Vivantes-Sprecher Daniel Segal. Die Charité bestätigte Medienberichte, nach denen in den vergangenen Tagen sowohl Desinfektionsmittel als auch Schutzkleidung entwendet wurden.

Nach Ansicht des Berliner Charité-Virologen Christian Drosten sollte das Robert Koch-Institut die Quarantäne-Empfehlungen zum Coronavirus für medizinisches Personal lockern. "Wenn wir das gesamte medizinische Personal, das mit Infizierten Kontakt hatte, in Quarantäne schicken, bricht die medizinische Versorgung für die Bevölkerung zusammen", sagte Drosten der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Die Berliner Charité überprüft zur Zeit regelmäßig ihre Quarantäneregelungen für die Belegschaft. Im Moment folgt sie den Richtlinien des RKI. Die Charité befindet sich nach eigenen Angaben aktuell aber auch in Gesprächen mit Experten, die eine Anpassung der Regelungen in den kommenden Tagen in Erwägung ziehen. Darüber hatte zuerst der "Tagesspiegel" berichtet. Der Klinikkonzern Vivantes beobachte die Situation sehr genau und stehe dabei in enger Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden und der Charité, sagte ein Sprecher.

Der Berliner Klinikkonzern Vivantes bereitet unterdessen zwei neue Anlaufstellen für Beratung und Tests in Prenzlauer Berg und Tempelhof vor. Sie sollen am Montag um 10 Uhr eröffnen. Vorstandschefin Andrea Grebe rechnet mit 100 bis 120 Ratsuchenden pro Standort und Tag. Es könne aber bis zu einem Tag dauern, bis ein Testergebnis feststeht, sagte sie am Freitagabend.

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