Coronavirus in Berlin: Berliner Gefängnisse auf "historischem Tiefstand"

Berlin - Die Corona-Krise hält Berlin in Atem! Über vier Wochen nach der ersten registrierten Coronavirus-Infektion sind bis Mittwochabend schon 4.212 Fälle bestätigt worden - 174 Infektionen mehr als 24 Stunden zuvor. Hier bekommt Ihr aktuelle News zur Lage in der Hauptstadt.

Nur wenige Menschen gehen um 12.20 Uhr über den sonst so belebten Berliner Alexanderplatz.
Nur wenige Menschen gehen um 12.20 Uhr über den sonst so belebten Berliner Alexanderplatz.  © dpa/Christophe Gateau

Die Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus treffen die Berliner ebenso hart wie den Rest der Deutschen: Kitas, Unis und Schulen schließen, zahlreiche Veranstaltungen müssen abgesagt oder verschoben werden und in den Supermärkten prügeln sich die Kunden um die letzte Packung Klopapier.

Auch in den kommenden Wochen dürfen die Berliner nur eingeschränkt an die frische Luft - und obendrein bei Verstößen gegen das Kontaktverbot noch stärker als bisher mit Bußgeldern rechnen. 

Die verlängerten Ausgangsbeschränkungen bis 19. April könnten vielen bei Super-Osterwetter besonders schwer fallen. Es gibt aber auch etliche Ausnahmen, sprich: Spaziergänge, Arztbesuche oder Erholungspausen – wenn der entsprechende Mindestabstand herrscht.

Ansammlungen von mehr als zwei Personen im Freien sind weiterhin verboten. Bei Familien darf die Gruppe größer sein.

546 Personen müssen im Krankenhaus isoliert und behandelt werden - davon liegen 126 Personen auf der Intensivstationen (Stand 8. April). Derweil sind 37 Menschen an dem neuartigen Coronavirus gestorben.

"Die Stadt wird anders sein, aber es bleibt unser Berlin", verkündete der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) zuletzt in einer Fernsehansprache im rbb und appellierte an die Bürger der Stadt: "Der Geist dieser Stadt, gerade in Krisenzeiten stark und solidarisch zu sein (...), diese Berliner Tugenden machen mich zuversichtlich, dass wir die drastischen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus gemeinsam tragen und ertragen werden." 

Die aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus Sars-CoV-2 in Berlin und Brandenburg gibt es hier bei uns im Ticker.

Alle weiteren Infos findet Ihr im +++ Coronavirus-Liveticker +++

Update, 9. April, 9.13 Uhr: Udo Walz würde Friseurläden gern wieder öffnen - mit Mundschutz

Der Berliner Promi-Friseur Udo Walz (75) nimmt die Corona-Krise gelassen. "Mir geht es hervorragend. Ich bin aber immer ein glücklicher Mensch. Ich komme mir vor wie in Quarantäne", sagte Walz der Deutschen Presse-Agentur. Er gehe nicht vor die Tür und empfange keinen Besuch. "Und diese Entscheidung ist auch ganz gut."

Walz, der mehrere Läden in Berlin unterhält, hat seine 75 Mitarbeiter vorübergehend in Kurzarbeit geschickt. "Ich hoffe, wir können bald wieder öffnen. Ich verstehe das gar nicht. Man könnte doch aufmachen, der Friseur trägt einen Mundschutz, die Kunden auch. Das würde doch gehen."

Die Ostertage verbringe er in seinem Haus und auf der Terrasse. "Ich hoffe, dass ab und zu mal jemand vorbeikommt und mir ein Geschenk vor die Tür legt. Ich stelle auch eine Oster-Deko auf, damit es etwas österlich ist." Nach dem langen Wochenende müsse er aber dringend wieder zum Friseur. "Ich warte, bis ein Mitarbeiter mir meine Haare schneidet. Ich kann mir selber nur den Bart schneiden", sagte Walz.

Update, 9. April, 9 Uhr: In Berliner Gefängnissen rund 3300 Insassen: "Historischer Tiefstand"

In den Berliner Haftanstalten ist mit der Corona-Krise die Zahl der Gefangenen deutlich gesunken. Derzeit sitzen genau 3339 Inhaftierte ein, wie die Verwaltung von Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) mitteilte. Dies sei ein "historischer Tiefstand". Damit gebe es nun personelle und räumliche Reserven, die für den Notfall einer Corona-Verbreitung in den Anstalten benötigt würden, sagte Sprecher Sebastian Brux der Deutschen Presse-Agentur.

Berlin hatte Mitte März den Haftantritt für Menschen ausgesetzt, die wegen nicht gezahlter Geldstrafen hinter Gitter müssten. Es gilt ein Aufschub von vier Monaten. Der Großteil der Menschen, die deshalb bereits einsaßen, hat inzwischen seine Strafe verbüßt. Laut dem Sprecher sind «Ersatzfreiheitsstrafer» im Schnitt 30 Tage im Gefängnis. Auch Täter mit einer Strafe unter drei Jahren, die noch auf freiem Fuß sind, haben einen Aufschub bekommen. Sie müssen sich erst nach dem 15. Juli zum Haftantritt melden.

Sicherheitsleuchten und Überwachungskameras sind vor einem Gebäude auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt Tegel zu sehen.
Sicherheitsleuchten und Überwachungskameras sind vor einem Gebäude auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt Tegel zu sehen.  © Paul Zinken/dpa

Update, 9. April, 7.43 Uhr: Ex-Unioner Köhler: Hoffnung auf baldige Wieder-Eröffnung von Eis-Café

Der frühere Fußball-Profi Benjamin Köhler ist froh, seine Expansionspläne als Unternehmer noch nicht vor Coronavirus-Krise vollzogen zu haben. Vor rund anderthalb Jahren eröffnete der 39-Jährige das Eiscafé "La Luna" in einer Berliner Mall und wollte zuletzt ein weiteres in der Hauptstadt aufmachen. "Wir waren schon sehr weit, es waren nur noch Details zu besprechen", sagte Köhler der Deutschen Presse-Agentur. "Im Nachhinein sage ich: Zum Glück habe ich nicht unterschrieben, dann würde ich jetzt drauf sitzen."

Vor gut drei Wochen hatte sich Köhler entschieden, sein Eiscafé vorübergehend zu schließen. "Die Leute waren schon kaum noch draußen, ich habe es an den Umsatzzahlen gemerkt. Es kostete mich mehr, den Laden offenzuhalten als zuzumachen", sagte der frühere Profi, der seine Karriere 2017 beim 1. FC Union Berlin beendet hatte. "Ich nehme es jetzt so hin und hoffe, dass wir in ein paar Wochen wieder aufmachen können." Der Verkauf von Eis aus dem Fenster würde sich nicht rentieren, auch da die Zahl an Besuchern in der Mall derzeit deutlich gesunken sei.

Benjamin Köhler, Inhaber des Eiscafés La Luna, steht in seinem Eiscafé in der East Side Mall an der Eistheke.
Benjamin Köhler, Inhaber des Eiscafés La Luna, steht in seinem Eiscafé in der East Side Mall an der Eistheke.  © Christoph Soeder/dpa

Update, 9. April, 7.11 Uhr: Senat beschließt zusätzliche Regeln für Einreisende

 Die seit einigen Tagen bestehende Quarantänepflicht für Flugreisende wird auf Menschen ausgeweitet, die auf dem Landweg aus dem Ausland nach Berlin kommen. Der Senat will die Verordnung zur Eindämmung des Coronavirus auf einer Sondersitzung am Donnerstag (10 Uhr) entsprechend ergänzen. Für mehr Informationen >>> hier klicken.

Bei einer Senats-Pressekonferenz zur Corona-Krise wird ein Sicherheitsabstand der Teilnehmer eingehalten.
Bei einer Senats-Pressekonferenz zur Corona-Krise wird ein Sicherheitsabstand der Teilnehmer eingehalten.  © Jörg Carstensen/dpa

Update, 9. April, 6.58 Uhr: Berliner OVG bestätigt befristetes Gottesdienstverbot

Auch das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat den Eilantrag eines religiösen Vereins abgelehnt, der gegen das Verbot öffentlicher Gottesdienste in der Corona-Krise vorgehen wollte. Nach Auffassung des 11. Senats am OVG führt die aktuelle Regelung nicht zu einer unverhältnismäßigen Einschränkung der im Grundgesetz verbrieften Religionsfreiheit. Laut OVG hat das Verwaltungsgericht beanstandungsfrei dargelegt, dass die Gottesdienste, die die Antragsteller in der Karwoche sowie an Ostern feiern wollten, die erhebliche Gefahr weiterer Infektionen berge (Beschluss der 11. Kammer vom 8. April 2020 - OVG 11 S 21/11).

Das Verwaltungsgericht hatte am Dienstag entschieden, dass Ausnahmen von der Berliner Verordnung zur Eindämmung des Coronavirus keine Gottesdienste beträfen (Beschluss der 14. Kammer vom 7. April 2020 - VG 14 L 32/20).

Der Kläger, der katholische Freundeskreis St. Philipp Neri, wollte Gottesdienste unter Einhaltung von Mindestabständen (1,50 Meter mit bis zu 50 Teilnehmenden) feiern und die Kontaktdaten der Besucher in Listen aufnehmen. Nach der Berliner Sars-CoV-2-Eindämmungsverordnung vom 22. März ist der Besuch von Kirchen, Moscheen, Synagogen und Häusern anderer Glaubens- und Weltanschauungsgemeinschaften allerdings zurzeit nur zur individuellen stillen Einkehr erlaubt.

Aus Sicht von Berliner Verwaltungsgericht und nun auch OVG bedeute die derzeitige Bestimmung zwar einen Eingriff in die Religionsfreiheit, dieser sei jedoch wegen des Schutzes von Leben und Gesundheit sowohl der Gläubigen als auch der übrigen Bevölkerung gerechtfertigt. Dabei sei auch zu berücksichtigen, dass die Religionsausübung nur teilweise und zudem nur für einen begrenzten Zeitraum eingeschränkt werde.

Update, 8. April, 22 Uhr: Anwalt scheitert mit Klage gegen Regelungen zur Corona-Eindämmung

Ein Berliner Rechtsanwalt ist auch vor dem Oberverwaltungsgericht der Bundeshauptstadt mit seinem Eilantrag gegen die Verordnung zur Eindämmung der Corona-Epidemie gescheitert. Der 11. Senat stellte in seiner am Mittwoch bekanntgegebenen Entscheidung fest, dass die Regelungen verhältnismäßig seien. Die "hohe Dynamik des Infektionsgeschehens und die damit verbundene Gefahr einer Überlastung des Gesundheitssystems" rechtfertigten die verfügten Kontaktbeschränkungen (Az.: OVG 11 S 20/20).

Das OVG bestätigte damit eine vorangegangene Entscheidung des Berliner Verwaltungsgerichts (VG 14 L 31.20). Der Anwalt hatte die Auffassung vertreten, die sogenannte Eindämmungsmaßnahmenverordnung vom 22. März greife unverhältnismäßig in seine Freiheit zur Berufsausübung ein. Zudem werde es den Rechtssuchenden erheblich erschwert, bei ihm Rat zu bekommen.

"Der hohe Rang der Rechtsgüter Leben und Gesundheit lasse keinen Zweifel daran, dass die vom Antragsteller angegriffene Einschränkung, Anwaltstermine nur in dringenden Fällen wahrzunehmen, angemessen sei", heißt es in der Mitteilung des OVG. Die Verordnung verstoße mit Blick auf Gewerbebetriebe auch nicht gegen den allgemeinen Gleichheitsgrundsatz, denn solche Betriebe seien aus Sicht des Senats für die Versorgung der Bevölkerung mit Gütern des täglichen Bedarfs notwendig.

Update, 8. April, 20.43: 4.212 Coronavirus-Infizierte, 37 Tote

In Berlin beträgt die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen aktuell 4.212 und damit 174 mehr als am Dienstag. Das teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit am Mittwochabend mit. Demnach starben bisher 37 an dem neuartigen Coronavirus erkrankte Patienten, während am Vortag noch 32 Tote gezählt wurden.

Im Krankenhaus isoliert und behandelt werden derzeit 546 Erkrankte, davon werden den Angaben zufolge 126 intensivmedizinisch behandelt. Die übrigen Betroffenen sind häuslich isoliert. Von den nachweislich Infizierten sind laut Senatsverwaltung 2121 männlich und 2082 weiblich.

Die gestorbenen Patienten mit einer Coronavirus-Infektion gehörten folgenden Altersgruppen an: 5 waren 40 bis 60 Jahre alt, 10 waren 60 bis 80 Jahre alt und 22 über 80 Jahre. Der Altersmedian beträgt 81 Jahre.

Der mit 617 Covid-19-Fällen am stärksten betroffene Bezirk ist Mitte, gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf (535 Fälle). Laut Statistik sind inzwischen 2.341 Erkrankte wieder genesen.

Beate Krupka (M), Fachärztin für Allgemeinmedizin und Praktikant Jose Persez nehmen an Clara, zum Test auf das Coronavirus, in einer Garage im Hinterhof der Arztpraxis in Kreuzberg einen Abstrich vor.
Beate Krupka (M), Fachärztin für Allgemeinmedizin und Praktikant Jose Persez nehmen an Clara, zum Test auf das Coronavirus, in einer Garage im Hinterhof der Arztpraxis in Kreuzberg einen Abstrich vor.  © Michael Kappeler/dpa

Update, 8. April, 19.33 Uhr: Fast die Hälfte der Bewohner in Potsdamer Seniorenheim infiziert

In einem Seniorenheim in Potsdam ist die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus gestiegen - damit ist fast die Hälfte der Bewohner infiziert. 

"In der Einrichtung, in der 80 Menschen leben, sind 38 Bewohnerinnen und Bewohner sowie fünf Mitarbeiter positiv getestet worden», teilte die Stadt Potsdam am Mittwoch mit. Die infizierten Bewohner und Mitarbeiter würden innerhalb der Einrichtung auf der Insel Hermannswerder isoliert und medizinisch beobachtet. Das Haus gehört dem Klinikum Ernst von Bergmann und der Hoffbauer-Stiftung.

Im Ernst von Bergmann-Klinikum, in dem es eine noch größere Häufung von Infektionsfällen gibt, starben drei weitere Corona-Patienten. Die zwei Frauen im Alter von 57 und 92 Jahren und ein 80-jähriger Mann hätten Vorerkrankungen gehabt. Damit sind bisher 24 Corona-Patienten in dem größten Potsdamer Krankenhaus gestorben.

Die Potsdamer Staatsanwaltschaft prüft ein mögliches Fehlverhalten von drei Ärzten und der Geschäftsführung in Zusammenhang mit der Meldepflicht. Nach einem Besuch von Experten des Robert Koch-Instituts gibt es Auflagen für das Klinikum. Dort gilt auch ein Aufnahmestopp bis auf Notfälle. Eine Krankenhauskooperation in Westbrandenburg unter Federführung des Städtischen Klinikums Brandenburg/Havel wurde unter anderem um das Bergmann-Klinikum und das St. Josefs-Krankenhaus in Potsdam erweitert.

In einer Flüchtlingsunterkunft in Potsdam sind 116 Bewohnerinnen und Bewohner in Quarantäne, nachdem die Corona-Tests bei einer siebenköpfigen Familie positiv ausgefallen waren. Nun sollen alle Bewohner getestet werden. Die Ergebnisse würden in den kommenden zwei Tagen erwartet.

Ein Herz und eine christliche Plakette hängen in einem Altenheim am Griff eines Bettes. (Symbolbild=
Ein Herz und eine christliche Plakette hängen in einem Altenheim am Griff eines Bettes. (Symbolbild=  © Jonas Güttler/dpa

Update, 8. April, 18.34 Uhr: Über 1600 Corona-Infizierte in Brandenburg bestätigt, 35 Todesfälle

Die Zahl der nachweislich mit dem Coronavirus Infizierten in Brandenburg ist auf 1.613 gestiegen. Das teilte das Gesundheitsministerium am Mittwoch mit. 

Demnach erhöhte sich die Zahl der bestätigten Fälle innerhalb der letzten 24 Stunden um 39 nach dem Stand von 16.00 Uhr. 233 Menschen werden im Krankenhaus behandelt, 31 davon werden intensivmedizinisch beatmet. Bisher starben 35 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2, die meisten davon in Potsdam mit 14 Toten, die ihren Wohnort dort haben.

Die höchste Zahl an bestätigten Infizierten mit dem neuartigen Coronavirus gibt es mit Abstand in der Landeshauptstadt mit 275 Fällen, gefolgt vom Kreis Potsdam-Mittelmark mit 213 und dem Kreis Oberhavel mit 149 Infizierten. Die wenigsten nachgewiesenen Fälle meldeten der Landkreis Prignitz mit 17 infizierten Menschen und die Stadt Frankfurt (Oder) mit 22 gemeldeten Fällen.

Update, 8. April, 17.40 Uhr : Zwei Millionen Schutzmasken an Krankenhäuser und Pflegeheime verteilt

Krankenhäuser und Pflegeheime in Berlin sind nach Behördenangaben mittlerweile mit der Schutzausrüstung versorgt worden, die am Wochenende aus China gekommen war. 

1,5 Millionen Schutzmasken seien an Krankenhäuser gegangen, 500.000 Stück an Pflegeheime, sagte der Sprecher der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Moritz Quiske am Mittwoch. Auch Schutzkittel seien ausgegeben worden.

Am Mittwochnachmittag erhielt zum Beispiel das Bundeswehrkrankenhaus in Mitte 21.000 Masken; Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes verluden die Pakete. Eine weitere Lieferung von Schutzausrüstung werde am Wochenende erwartet, sagte Quiske. Angesichts der Coronavirus-Pandemie sind diese Waren momentan international begehrt.

Titelfoto: Paul Zinken/dpa

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